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GRUNDRISS

DER

VERSTEINERUNGSKUNDE,

VoN

HANNS BRUNO GEINITZ,

DR. PHIL., LEHRER AN DER KOEN. TECHNISCHEN BILDUNGSANSTALT ZU DRESDEN, MITGLIEDE DER KAIS. LEOPOLDINISCH - CAROLINISCHEN AKADEMIE DER NATURFORSCHER, DER NATURFORSCH. GES, DES OSTERLANDES ZU ALTENBURG, DER SCHLESISCHEN GES. F. VATERL. CULTUR ZU BRESLAU, DER GES. F. NATUR- UND HEILKUNDE, DER F. SPEC. BES. VATERL. NATURGESCHICHTE, UND DES GEWERBE- VEREINES ZU DRESDEN, DES GEWERBEVEREINES ZU FREIBERG, DER GROSSH. S/ECHS. GES. F. MINE- RALOGIE UND GEOGNOSIE ZU JENA, DER PFELZISCHEN GES. F. PHARMACIE UND TECHNIK ZU KAISERS- LAUTERN, DER RUSSISCH KAIS. NATURFORSCH. GES. IN MOSKWA, DES NATURWISS. VEREINES IM NEUSTE&EDTER KREISE UND DES GEWERBEVEREINES ZU RONNEBURG.

“MIT 28 STEINDRUCKTAFELN

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UND 1 TABELLE.

DRESDEN vn LEIPZIG, ARNOLDISCHE BUCHHANDLUNG. = 1846.

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GRUNDRISS

DER

VERSTEINERUNGSKUNDE,

VON

HANNS BRUNO GEINITZ,

DR. PHIL,, MITGLIEDE DER KAISERLICHEN LEOPOLDINISCH-CAROLINISCHEN AKADEMIE DER NATURFORSCHER, DER RUSSISCH KAISERLICHEN NATURFORSCHENDEN GESELL- SCHAFT IN MOSKWA, LEHRER DER PHYSIK AN DER KÖNIGLICHEN TECHNISCHEN BILDUNGSANSTALT, UND DER GESELLSCHAFT FÜR NATUR- UND HEILKUNDE, DER FÜR SPECIELLE, BESONDERS VATERLÄNDISCHE NATURGESCHICHTE, DES GEWERBE- VEREINES ZU DRESDEN, DER NATURFORSCHENDEN GES. DES OSTERLANDES ZU ALTENBURG, DES NATURWISSENSCHAFTLICHEN VEREINES IM NEUSTÄDTER KREISE, DER PFÄLZISCHEN GES. FÜR PHARMACIE UND TECHNIK, DER GROSSHERZ. SÄCHS. GES. FÜR MINERALOGIE UND GEOGNOSIE, DER SCHLESISCHEN GES. FÜR VATERLÄNDISCHE CULTUR ETC. MITGLIEDE.

MIT 26 STEINDRUCKTAFELN.

DRESDEN uno LEIPZIG,

IN DER -ARNOLDISCHEN BUCHHANDLUNG.

1845.

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HERRN

LEOPOLD von BUCH,

HERRN

OBERBERGRATH PROF. Di. GERMAR,

UND

HERRN

HOFRATH PROF. D", REICHENBACH

WIDMET DIESE BLÄTTER

ALS ZEICHEN SEINER INNIGEN HOCHACHTUNG UND VEREHRUNG

VERFASSER,

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| | VORWORT.

Kine Reihe von öffentlichen Vorträgen, welche in den er- sten Monaten des verflossenen Jahres vor einem. gebildeten Publicum zu halten mir vergönnt war, und eine spätere Unterredung mit einem hochverehrten Freunde, dem Herrn Oberbergrath Professor Dr. Germar, gaben Veranlassung zur Bearbeitung der nachstehenden Blätter.

‚Auch ist es wohl an der Zeit, wieder einmal von dem Rechenschaft zu geben, was der unermüdliche Geist der Naturforschung in dem Reiche der untergegangenen Schöpfung gelichtet hat. Wenn man diese Entdeckungen verfolgt, so weils man in der That oft nicht, ob die grofse Mannichfaltigkeit der Natur mehr zu bewundern sei, oder der Fleifs der Naturforscher, womit der jene bedeckende Schleier gelüftet wurde. |

In dem Zwecke dieses Grundrisses der Versteinerungs- kunde liegt es nicht, zu sehr in das Einzelne einzugehen.

doch soll darin eine kurze Charakteristik der meisten fos-

VORWORT.

silen Gattungen und, so weit es der Raum erlaubt, der für die Gattung typischen und zu der Erkennung der For- mationen wichtigsten Arten gegeben werden. Allgemei- nere Folgerungen aber und eine kurze Gesehichte der Pa- läontologie werden in der Einleitung ihren Platz finden.

Bei der Systematik zog ich aus mehreren Gründen im Allgemeinen den Weg von dem Vollkommeneren zu dem Unvollkommeneren vor und begann mit dem Menschen. Im Einklange hiermit hätte in den meisten Fällen aller- dings auch der in jüngeren Formationen vorkommenden Art der Vorrang vor der in älteren Formationen. gebühren müssen; wenn ich aber bei Aufführung der Arten, so wie auch bei einigen Gattungen, unter anderen denen der Ce- phalopoden, den umgekehrten Weg einschlug, so hoffe ich, dafs die Methodik diese Inconsequenzen einigermalsen entschuldigen werde. |

Ein ähnlicher Vorwurf der Inconsequenz trifft mich in Bezug auf die Fische, da ich in dieser Klasse nur die Stellung der Ordnungen, nicht aber die der Familien und Gattungen änderte, welche Anordnung ich jedoch dadurch rechtfertigen möchte, dafs die lebenden Gattungen einer Familie nicht immer vollkommener als die fossilen sind, und dafs ich das schöne Ganze des von Agassiz gegebenen Systems nicht muthwillig zerreilsen wollte.

Indem ich auf die Ausarbeitung dieser Blätter die ganze Mufse eines Jahres verwendete, wurde mein Unter- nehmen durch die freundlichste Unterstützung mehrerer Män-

‚ner wesentlich gefördert.

VORWORT. vo

Der Herr Oberbergrath Professor Dr. Germar eröffnete mir nicht nur die Schätze des mineralogischen Museums in Halle und die seiner werthvollen Bibliothek, sondern ihm verdanke ieh höchst schätzbare Mittheilungen über die fossilen Säugethiere und Insecten; Herr Hauptmann v. Gutbier in Zwickau hatte die Güte, die Zeichnungen der Rhinoceroszähne und Hirschgeweihe auf Taf. III. nach der Natur auszuführen; Herr Professor Dr. Burmeister in Halle war so freundlich, mein Manuscript über die Gliederthiere zu revidiren; Herr Dr. Reufs in Bilin übernahm die Mühe der Bearbeitung des Textes und der Zusammenstellung der Zeichnungen von den’ Polythalamien; Herr Professor Dr. Ehrenberg in Berlin opferte seine kostbare Zeit der Anordnung der Infusorientafel; Herr Medicinalrath Professor Dr. Choulant, Herr Hofrath Professor Dr. Reichenbach und Herr Professor Dr. Günther in Dresden, die Herren Professoren Dr. Glocker und Dr. Göppert in Breslau, Dr. Cotta und Dr. Reich in Freiberg, Dr. v. Holger und Herr Hofer in Wien unterstützten mich kräftig durch Mit- theilungen von Versteinerungen und werthvollen, zum Theil sehr kostbaren Büchern.

Allen diesen Herren spreche ich hier meinen: innigsten | Dank für ihre wohlwollende Güte aus.

Wenn solche Männer die Hand reichen, so ist es grolse Freude, ein Werk zu beginnen und zu vollenden, und sollte es mir gelingen, durch dasselbe der paläonto- logischen Wissenschaft einige Dienste zu leisten und der-

selben wieder einige Freunde und Anhänger verschaffen

vıaI VORWORT.

zu können, so würde der Zweck dieses Grundrisses er- reicht sein.

Schlüfslich kann ich nicht unterlassen, die grolse Genauigkeit, mit welcher der Herr. Lithograph Afsmann die oft sehr schwierigen Lithographieen zu meiner grofsen Zufriedenheit ausgeführt hat, öffentlich zu rühmen.

Alle Lithographieen sind nach der Natur, oder, mit nur sehr wenigen Ausnahmen, nach Originalabbildungen

angefertigt worden.

Dresden, am 24. Mai 1845.

Geinitz.

INHADLULTM.

Vorwort. Die Thierwelt der früheren Schöpfungen.

A. Vertebrata. Wirbelthiere.

I. Klasse. Mammalia. Säugethiere. II. Klasse. Aves. Vögel.

III. Klasse. Reptilia. Amphibien. IV. Klasse. Pisces. Fische.

B. Arthrozoa. Gliederthiere.

V. Klasse. Insecta. Insecten, .

VI. Klasse. Arachnoidea. Spinnenthiere. VII. Klasse. Crustacea. Krebse.

VIII. Klasse. Vermes. Würmer. .

C. Gastrozoa. Myxozoa. Bauchthiere oder Schleim-

ehiere. «, IX. Klasse. Mollusca. Weichthiere. X. Klasse. Radiata. Strahlthiere. . XI. Klasse. Polypi. Korallenthiere. . XII. Klasse. Infusoria. Infusionsthierchen. .

Allgemeines, auch als Einleitung geltend. 1. Ueber die Bildung unserer Erde.

Ueber die Entstehung der Versteinerungen, . 3. Ueber das Vorkommen der Versteinerungen.

Seite

723 724 1729

4. Ueber die Reihenfolge der neptunischen Gebirgsformationen und = deren Charakter. (Hierzu die Tabelle.) . . . 2... . 730 5. Ueber die Verbreitung der fossilen Pflanzen in den einzel- nen-Permationell“ . . « simenlinse 0 SE. U ee 6. Geschichte der Versteinerungskunde. . . 2 2 2.2 0.2. ...764 Abkürzungen von Namen der in dem Grundrisse der Versteinerungs- kunde eitirten Autoren, nebst Hinweisen ‚auf ihre Schriften. . 773 de. ud an rien ee ee

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Reihenfolge der 1eptunischen Gebirgs- Formationen "> ‚In welchen Versteinerungen vorkommen.

Herrschaft des Menschen.

Mammuthen u. s. w.

Jüngster Meeres-Kalkstein und Sand, Thon, Lehm, Schlamm, Kalktuff, Torf, Infusorienlager u. 3. w.

Lös, Kies, Sand und Lehm mit Knochen; südeuropäische Knochenbreecie, Knochenhöhlen, Bohnerzgruben, Eis mit

Süfswasserquarz von Paris und Falkenau in Böhmen u. s. w. Süfswasserkalk mit Schieferthon und Polirschiefer von Bilin und Eger in

Böhmen.

Süfswasserkalk von Steinheim in Würtemberg, von Nördlingen in.Baiern und des Mainzer und Wiener Beckens.

Oeninger Kalkschiefer.

Obere Braunkohlen.? Radoboj in Croatien.

Subapenninenformation.

Crag und Bagshot-Sand im südlichen England.

Molasse der Schweiz z. Th.

Oberer Meeres-Sand und Sandstein des Pariser Beckens.

Tegel des Wiener und Mainzer Beckens.

Faluns der Touraine etc.

Molasse der Schweiz z. Th.

d) Grobkalkformation des Pariser Beckens, mit dem Gypse des Montmartre.

don - Thon).

Plastischer Thon von London (Lon- Molasse der Schweiz z. Th.

ec) Untere Braunkohlenformation, mit Schieferthon, Braunkohlenthon und Braunkohlensandstein von Paris, Böh-

men, Sachsen, Altenburg u. s. W.

b) Nummuliten- und Pisolithenkalke. a) Fischreicher Schiefer des Monte Bolca und Libanon.

i) Schiefer von Glaris.

h) Obere (weilse) Kreide mit Feuersteinen (Upper chalk with flints; eraie). England. Rügen. Dänemark. Mastricht.

Frankreich.

g) Untere (weifse) Kreide ohne Feuersteine (Lower chalk "without flints). f) ? Oberer Quader von Sachsen, Böhmen ‚und Schlesien.

e) Kreidemergel (Oberer Pläner, Plinerkalk.

England. Frankreich.

Chalk marl, grey chalk; eraie tujfeau, craie grossiere).

d) Oberer Griünsand (mittlerer und unterer Plüner, Plänermergel, Plänersandstein, Flammenmergel; Conglomerat-

schaften u. s. w.; upper Greensand; Glauconie erayeuce, eraie chlorilde).

ec) Galt (Gault; blue chalk marl). In

b) Unterer Quader.

a) Hilsconglomerat und Hilsthon (Speeton-clay).

England.

(Unterer Grünsand; lower Greensund; Glauconie sableuse, gres vert.) N£ocomien der Schweiz.

Wälder- oder Waldformation (Wealden-formation). Schlielst sich, nach Agassiz, mehr dem Oolithengebirge als dem Kreidegebirge an.

In Deutschland, nach v. Buch. f) Nerineenkalk: Lithographischer Schiefer Südbaierns. Dichter, meist hellgelber Jurakalk Baierns, örtlich co-

BT Alluyiuma) Eee & 8. und Gebilde der jetzigen Weltepoche. = ADD vium AN ee ee ES o = = Es S 8 €. Oberes N. 3. 5 oder 3 2 pliocene Periode, 25 5 u e rg S 7. Molassen- oder Ter- 3 E tiärgebirge B. Mittleres N. = B 3 5 oder iary -Systen; ai - e P E (Tertiary yalem Terrains miocenetPeriodei =E terliaires.) o 5=} RZ E A. Unteres N. oder = eocene Periode. 6. Kreidegebirge. (Cretaceous-System. Terrain er&tace.) | y: C. Oberer older weifser Jura, e) ß. 5

5. Oolithengebirge. (Jura- und Liasformation; Oolitic-System; Terrain

jarassique).

Gebilde.

rallinisch oder dolomitisch.

«. Mergel.

An der Südküste Englands, nach Fitton, Conybenre und Phillips.

h) Portlandstein (Portlandstone).

g) Portlandsand. f) Kimmeridgethon (Kimmeridge clay).

e. Oxfordoolith. (Coralrag.)

In Würtemberg. nach Quenstedt. - Krebsscheerenkalkplatten (Solenhofer Schiefer.) Blaue petrefactenarme Thone. &. Plumpe Felsenkalke (Coralrag). Mächtige Dolomite, Kalke. . Regelmäfsig geschichtete Kalkbänke. . Spongitenlager. - Wohlgeschichtete Kalkbänke. . Impressakalke.

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B. Mittlerer oder brauner Jura,

d) Thon mit Gryphaea dilatata etc.

b—d) Eisensandstein, gegen oben und unten mit Thon, Schiefer- ton und Eisenrogenstein wech- selnd, oben mit Terehratula va- rians und Ammon. Jason; in der Mitte mit PholadomyaMurchisoni,

d) Oxford-Thon (Oxford- elay), mit dem Kelloway-rock und dem Brad- ford- Thon.

ce) Cornbrash-und Forest-marble, wozu der Kalkschiefer von Stones- field gehört.

& Ornatenthon.

&. Eisenoolithe und Thone.

ö. Graublaue mergelige Kalke, Neigung zu den Eisenoolithen. Sehr reich an Petrefacten.

y. Blaue Kalke.

ä unten mit Amm. Murchisonae etc, b) Unter-Oolith (Great-Oolite und | ß. Braune Sandsteine mit Eisenerzen. Oo b) Thon mit Trigonia nayis etc. inferior Oolite). «. Opalinusthone. De!

> un €&. Jurensismergel. - M pP ide P chi f = E F &. Posidonienschiefer. a A. Unterer oder y. Liasschiefer. a) Aus einem vielfachen Wechsel von ealeentlione neo schwarzer Jura a) ) ß. Liaskalk. Mergel-, Kalkstein- und Thonschich- | , - 7 } Sau ER ! E 2 2 E y. Numismalismergel. vo. (Lias). a. Liassandstein. ten bestehend. (Lime Regis u. a. 0.) 8. Türneriihone, 2 = «. Sand- und Thonkalke.

°. 2 7: .. . os In Würtemberg, nach @uensteat. In Thüringen, = M e) Gelbe harte Sandsteine. Fruchtbare nach Cotta u. A, 2 rothe Thone. [2 d) Weilser Sandstein. Kohlen. © C. Keuper. ce) Buntschäckiger Mergel, nach oben mit b—e) Bunter Mergel, Thon und [9 dem sogenannten krystallisirten Sand- | Sanddem

steine mit Thierfährten. - bh) Grüner und rothschäckiger Sandstein (Schilfsandstein, Bausandstein von bu Stuttgart). Kohlenreste und viele Pflanzen. a) Gyps-

4. Muschelkalkgebirge oder Trias.

(Trias -System;

Terrain du tvias.)

a) Gyps und Mergelletten.

B. Nuschelkalk.

d) Lettenkohle. (Flammendolomite,

Kalksteinbänke,

Kohlen mit Leiten, Sandstein).

c) Hauptmuschelkalk.

Kalkbänke). a) Wellenkalk und Wellendolomit.

Kalkstein von Friedrichshall. b) Salzgebirge (Gyps oder Anlıydrit, Thon und Steinsalz, dazwischen sparsame

d) Lettenkohle v. Mattstedt bei Jena. ö. Fischreiche, oft glauconitische Schichten des Krienherges v. Rüdersdorf bei Berlin, Matt- stedt und ? an der Mündung der-Axe in England, y. Ammonitenkalk PB. Saurierdolomit «. Stylolithenschichten od. Mehl- batzen y. Rüdersdorf u. Jena. b) Salzgebirge. < a) Wellenkalk mit Terehratuliten- schichten.

hei Jena.

A. Bunter Sandstein. (Neurother Sandstein, ; New-redSandstonez. Thı.; Gres higarr&; Vogesensandstein.)

h) Thonige Sandsteine mit rothen Letten. .

a) Kieselige Sandsteine, häulig getigert.

b) Bunte Gypsmergel und Mergel- schichten.

a) Gyp bunter Sandstein mit Schieferthon.

3. Zechsteingebirge.

(Alter Flötzkalls; Magnesian limestone.)

Permisches System.

2. Steinkohlengebirge.

In Thüringen, nach Freiesieben, Cotta u. A.

e) Stinkstein, Letten und Mergel, dolomitischer, meist poröser Kalkstein (Zechsteindolomit), Asche und Gyps.

d) Zechstein, Zechsteinkalkstein mit Corbula Schlotheimii. (Altenburg, Gera, Mügeln in Sachsen, Löwenberg in Schlesien.)

c) Mergelschiefer und unterer Zechsteinkalkstein mit Productus aculeatus.

b) Kupferschiefer.

a) Weilsliegendes.

ee \ New red sandstone z. Ih. €. Rothliegendes (rothes Todtliegendes; Gres rouge).

B. Kohlensandstein, Schieferthon und Steinkohlenlager. A. Kohlenkalkstein (Bergkalk; Carboniferous-, Mountain- oder Encrinal- Limestone).

Carboniferous System, Terrain carbonifere.

1. Feriode. Palaeozoische Gebilde.

Herrschaft der Fische.

1. Grauwackengebirge.

(Lower Palaeozoic System, Terrain de transition.)

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C. Obere Grauwacke (devonische Grauwacke; Devoniun System, ‘old-red-sandstone). B. Mittlere Grauwacke (silurische Grauwacke; Silurian-System).

A. Untere Grauwacke (cambrische Grauwacke; Cambrian System).

der unteren silurischen Grauwacke verschieden sind,

Arm an Versteinerungen, welche meistens nicht von denen in

Eine ausführlichere Darlegung derselben ist in der zweiten Auflage der Geognosie und Geologie von Cotta (1845) gegeben worden, dessen Eintheilung in dieser Uebersichtstafel zu Grunde gelegt ist.

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Wie in der ganzen Natur überhaupt die Zahl Drei vorwaltet, so zerfällt auch das Reich der Thiere in drei Hauptabtheilungen, in die Wirbelthiere, die Gliederthiere und die Schleim- thiere.. An.der Spitze von allen Thieren steht der Mensch, und höchst geistvoll sagt Oken in seiner Naturphilosophie: „‚Das Thierreich ist nur das zerstückelte höchste Thier Mensch.“

A. Vertebrata. Wirbelthiere.

Die Wirbel-, Skelett-, Knochen- oder Rückgratihiere sind die vollkommensten Thiere. Ausgezeichnet durch ein inneres sym- metrisches Knochengerüste oder Skelett, welches sich deutlich in Kopf, Rumpf und Gliedmalsen trennen lässt, bewegen sie sich durch äufsere Muskeln und durch ihre, nur einigen Reptilien feh- lenden, vier Gliedmafsen. Der wesentlichste Theil. des Skelettes, an welchen sich die übrigen Knochen befestigen, ist ohne Zwei- fel die Wirbelsäule, welche zur Aufnahme und zum Schutze des Rückenmarkes dient. Oben oder vorn erweitert sich diese zur Schädelhöhle, um das Gehirn, die unmittelbare Fortsetzung des Rückenmarkes, dort aufzunehmen.

I. Klasse. Mammalia. Säugethiere *).

Es sind die entwickeltsten Wirbelthiere, welche durch Lungen athmen und lebendige Junge gebären, die sie mit Milch aus ihren Zitzen säugen. Sie haben rothes und warmes Blut. Ihre Bedeckung besteht meistens in Haaren, welche sich mannichfach umbilden kön- nen, wie in Borsten und Stacheln, in die Hörner des Nashorns

Anm. Das Zeichen + vor der Gattung bedeutet ausgestorbene Gattungen.

*) Bei Bearbeitung dieser Klasse habe ich Pictet’s traite elementaire de Paleontologie, Geneve, 1844, zu Grunde gelegt und bin seiner Anordnung vor- zugsweise gefolgt.

Geinitz, Versteinerungkunde, ji

2 SÄUGETINERE.

und in die eigenthümlichen hornigen Bildungen, zu welchen auch Nägel, Krallen und Hufe gehören.

Der Oberkiefer aller Säugethiere, welcher den Mittel- oder Zwischenkiefer einschliefst (bei dem Menschen ganz verwachsen), ist innig mit dem Schädel verbunden und unbewesglieh.

Zähne stehen nur in den Kiefern und sind immer in Höhl- ungen eingekeilt.

Wiewohl die Gestalt der Zähne nach der Lebensweise der Thiere sehr verschieden ist und daher einen vortrefflichen Charakter zur Bestimm- ung der Gatiung abgiebt, so kann man an ihnen doch Wurzelund Krone, Zahnsubstanz und Schmelz oder Email unterscheiden. Nach ihrer Stellung und ihrem Zwecke bezeichnet man sie als Schneide- oder Vor- derzähne im Zwischenkieferbeine, als Eck-, Spitz ,„ Reifs- oder Hundszähne und als Backen-, Mahl- oder Kauzähne und drückt die jedesmalige Anzahl, wie zus für Mr I RUE des MENREReN are fol- gende Formeln aus: Vdz. ; Eckz. 4 oder +; Bekz. oder —-

Ihr Hals beirtila mit Ausnahme Be: einigen Behilinen und Manatis, immer aus sieben Wirbeln. Ein Schlüsselbein ist nur bei den Säugethieren vorhanden, deren vordere Gliedmafsen zum Graben, Fliegen oder Greifen bestimmt sind. Die Gliedmalsen sind meistens fünfzehig, und ein Fufs wird Hand genannt, wenn die innere Zehe, der Daumen, von den übrigen Zehen geirennt und diesen entgegengesetzt werden kann.

Man kennt jetzt gegen 1400 lebende und gegen ‚300 fossile, Arten dieser Klasse ”).

Gehören auch ganze Skeleite vorweltlicher Säugethiere zu den Seltenheiten, so findet man doch häufig von ihnen Kiefern, Zähne, Schädel, Knochen, Hörner und Hufe, wovon die ersteren immer die befsten Merkmale zu ihrer Bestimmung abgeben. Im Allgemeinen sind zwar die fossilen Knochen mürber als frische und kleben daher stark an der Zunge, indem aus ihnen die thier- ische Gallerte mehr oder weniger verschwunden ist, indessen rich- tet sich ihre Beschaffenheit doch vorzugsweise nach den umhüllen- den Gesteinen, welche den zerstörenden Atmosphärilien und den Gewässern leichteren oder schwereren Eingang gestatten. Das nordische Eis erhielt Jahrtausende lang einen Mammuth mit dem Fleische, der Haut und den Haaren, und einem meiner Schüler ist es geglückt, eine aus Mammuthknochen bereitete Gelee so-

*) Nach Lund’s neuesten Entdeckungen in Brasilien, ist ihre Anzahl viel beträchtlicher. (London, Edinburgh and Dublin philosophical Magazine. Vol. 24. p. 541.)

ZWEIHÄNDER. 3

gar in Bezug auf ihre Schmtckliaftigken noch prüfen zu kön- nen ”).

Die ersten Spuren von Säugethieren, welche man Beutelthie- ren zuschreibt, wurden im Schiefer von Stonesfield, einer zur Juraformation gehörigen Bildung, entdeckt. In der Formation der Kreide hat sich bis jetzt noch keine Spur eines Säugethieres ge- zeigt; erst in tertiären Gebilden erscheinen sie- wieder und zwar mit einem, namentlich in den untersten Schichten, von den For- men der jetzigen Schöpfung sehr abweichenden Charakter. Nach oben hin nehmen sie nicht nur an Zahl, sondern auch an Aehn- lichkeit mit den jetzt lebenden Formen immer mehr zu. Es scheint, dafs in der Tertiärzeit die gröfseren Dickhäuter die Oberhand ge- habt haben, denn sie zeigen sich hier in gröfserer Anzahl und Mannichfaltigkeit als in der jetzigen Welt. Die auf höherer Stufe stehenden Raubthiere sind in Europa wenigstens hier noch unter- geordnet und kommen meistens in jüngeren Bildungen vor. Für sie, so wie überhaupt für fossile Säugethierknochen, werden das Diluvium, die südeuropäische Knochenbreccie und vor Allem die Höhlen, immer die reichsten Fundgruben bleiben.

8. Ordn. Bimana. Zweihänder. Der Mensch.

Die Knochenhöhlen, deren man in Deutschland, Süd-Frank- reich, England und Schottland sehr viele kennt, ebenso wie die 200 Höhlen Brasiliens, welche Lund **) untersuchte, bergen aufser den Ueberresten fossiler Thiere nicht selten auch ganze Skelette, vereinzelte Knochen und: bisweilen auch Kunstproducte von Men-

ı

*) Duflos fand einen Rhinozerosknochen von Egeln bestehend aus: 72,50 phosphorsaurem Kalk mit geringer Spur v. Bittererde u. T'honerde, „8,25 Wasser, nebst Spuren von organischer thierischer Materie, 8,50 schwefelsaurem Kalk, 6,50 kohlensaurem Kalk, 1,50 Kieselsäure, 1,75 Eisenoxyd. (Briefl. Mitth. des Prof. Germar.) Dr. Schmidt in Jena*) sowie Middleton und Daubeny**) wiesen die Existenz von Fluor fast in allen fossilen Knochen von Säugethieren, Reptilien und Fischen nach. ‚**) Edinburgh new philos. Journal by Jameson. 1844. p. 38. Leonh. Jahrb. an versch. O. 1840. p. 120. 1841. p. 492, 502, 606.

*) Briefliche Mittheilungen, **) Lond. Ed. Dubl. phil. Mag. 184, Vol. 25. p- 15, 122, 260,

1*

4 | SÄUGRTNIERE.

schen. Diefs scheint ein klarer Beweis für die Sündfluth zu sein, über welche die heilige Schrift uns berichtet. Allein abgesehen davon, dafs diese Fluth eine mehr lokalere gewesen sein mag, als man gewöhnlich annimmi, und dafs wir fossile Menschen viel eher in Asien, der Wiege der Menschheit, als in anderen Welt- theilen suchen müssen, so kann auch das Vorkommen von mensch- lichen Resten in Höhlen nicht allein jene Frage, „ob der Mensch nur der gegenwärtigen oder schon einer früheren Schöpfung angehöre,‘ entscheiden.

Falst man die Nachrichten in Bezug auf das Vorkommen an- geblich fossiler Menschen zusammen ”), so ergiebt sich, dafs bis jetzt noch kein Beispiel von einer Auffindung ihrer Reste aus Bildungen bekannt ist, welche älter als das Dilu- vium wären.

Scheuchzer’s homo diluvii testis oder Beingerüste eines in der Sündfluth untergegangenen Menschen, aus dem tertiären Schiefer von Oeningen, ward von Cuvier als das Skelett eines grofsen Salamanders erkannt; der versteinerte Reiter von Fon- tainebleau, welcher 1823 in Paris grofses Aufsehen erregte, wurde von der Pariser Akademie für eine zufällige Sandstein -Concretion erklärt; das angebliche Menschenbein aus dem alten Kalke von Sorau ““) ist eine ebenso zufällige Bildung, und die häufig einem früheren gigantischen Menschengeschlechte zugeschriebenen Knochen stammen‘, wie sich jedesmal bei genauerer Untersuchung ergab, von Mammuthen oder anderen -grolsen Landsäugethieren, bisweilen auch von Wallfischen her.

Die Auffindung wirklicher Menschenskelette im Kalktuff, und Travertino, welche immer jünger als Diluvium waren, kann nur beweisen, dafs auch in gegenwärtigen Zeiten sich festere Kalk- gesteine noch bilden können, und das Erscheinen von Menschen-

obschwebende Frage am allerwenigsien erledigen.

Das Vorkommen menschlicher‘ Ueberbleibsel in Höhlen wurde leider selten mit gehöriger Sorgfalt beobachtet, und wenn es ge- schah, so zeigte es sich, wenigstens in Frankreich t), dafs die-

*) Buckland, reliquiae diluvianae; Hermann v. Meyer, Palaeologica, 1832. Keferstein, die Naturgeschichte des Erdkörpers, 1834. Germar, in schrift- lichen Mittheilungen. Pictet, traite elem. de Paleontologie, 1844 u. A.

**) Lausitzische. Magazin v. d. Oberlaus. Ges. d. Wiss. Bd. 13.

**#*) Leonh. Br. Jahrb. 1839. p. 124.

+) Pictet, tr. el. de Pal,

ZWEIHÄNDER. | 1) /

‘selben nicht mit Thierknochen vermengt waren, sondern auf ihnen

lagen.

: Meistens mochten diese Höhlen Zufluchtsorte oder Begräbnils- -plätze *) jener Menschen, deren Skelette wir in ihnen noch finden, gewesen sein, und es ist jedenfalls das Wahrscheinlichste, dafs derartige Skelette viel später in dieselben gelangten als die der wirklichen fossilen Thiere.. Die Raubthiere mögen früher diese Höhlen längere Zeit bewohnt haben, was oft nicht bezweifelt wer- den kann, oder ihre Knochen, mit Knochen anderer Thiere und zugleich mit Geröllsteinen, durch Diluvialfluthen erst in dieselben geführt worden sein. Ebenso. hatten auch die Menschenknochen, welche, mit Knochen vorweltlicher und jetztweltlicher Thiere zu- sammen, in Lehmausfüllungen von Spalten bei Köstritz im Reufs- ischen aufgefunden wurden, bestimmt erst späteren Einfluthungen diese Nachbarschaft zu danken.

Alle andere Auffindungen von ‘Knochen, welche die Existenz der Praeadamiten beweisen sollten und welche in verschiedenem Lichte schon gründlich beleuchtet worden sind, liefsen das, was man beweisen wollte, immer noch unentschieden, und ebenso wenig können die auch von Koch in dem bunten .Sandsteine Amerikas und in dem Kalksteine “*) an dem Ufer des Missisippi im Staate

*) Nach Mittheiluugen von Mrs. Koch setzen die Eingeborenen Ame- rikas ihre entseelten Verwandten häufig in Höhlen oder Gräben bei.

**) Einem Briefe des Herrn Dr. Koch entnehme ich hier folgende Worte: „St. Louis, den 16.Dec. 1844. Die Fufseindrücke in Felsen bei Sulphur-Springs in Jefferson-County sind nicht künstlich gemacht, sondern wirkliche Fufs- eindrücke mehrerer verschiedener lebender Geschöpfe. Die gröfsten und) tiefsten sind von der Länge und Gestalt derer eines grofsen Mannes, welche von einem unbekannten Wasserthiere herrühren mögen. Andere gehören einer grofsen Reiher Art an und sind den im bunten Sandsteine des östlichen Amerikas vorkommenden ganz ähnlich. Kleinere Fufstapfen endlich, welche theilweise in die der grölsesten getreten waren, zeigten mit Fufseindrücken eines Menschen von 13 und von '4& Jahren eine so täuschende Aehnlichkeit, dafs die drei hiesigen besten Aerzte nicht zu sagen wagten, dafs dieselben nicht menschliche F'ufseindrücke seien. |

In der Entfernung von 20 Schritten etwa sah ich ähnliche Eindrücke des gröfseren Geschöpfes noch einmal, und ungefähr 7 engl. Meilen von hier ‚entfernt oder l engl. Meile von Herculanum glückte es mir, 2 Eindrücke eines vierzehigen Thieres zu bemerken. Letztere mögen jenem Thiere an- gehören, von welchem ich dicht bei ihnen und in demselbeu Gesteine, wel- ches nicht Bergkalk ist (wie Silliman meint, Americ. Journ. of Science 1842), sondern vielmehr der oberen silurischen Formation (?) angehört, einen voll- ständigen Aumerus auffand.“

6 SÄUGETHIERE.

Missouri, beobachteten Fufstapfen, wenn sie auch wirklich von Menschen herrühren sollten, etwas über das gröfsere Alter unseres Geschlechtes entscheiden. - Kalkige Gesteine, wie diefs der Pläner- mergel von Sachsen selbst zeigt, ebenso sandige Bildungen, kön- nen, wenn sie thonhaltig sind, durch längere Berührung mit Was- ser so erweicht werden, dafs sie leicht Eindrücke in sich auf- nehmen.

Man stellt endlich auch noch einen anderen Grund für das Vorkommen antediluvialer Menschen auf: ,‚Wie ist es möglich ‚* hörte ich oft sagen, „‚dals die Welt so lange ohne den Men- schen, für welchen sie allein nur geschaffen wurde, bestanden haben soll?“

Bezeugen aber solche Worte nur menschliche Eitelkeit, wel- che dem Thiere gern alle geistige Thätigkeit absprechen möchte, um sich desto höher zu stellen, so läfst sich dagegen, auf die Er- fahrung gegründet, mit noch viel grölserem Rechte aniworten, dals es Gesetz der Natur sei, nach gröfserer Vollkommenheit zu streben. Diefs sehen wir nicht nur im Individuum, sondern auch in der Entwickelung ganzer Familien und Klassen, ja des ganzen Thierreiches. Jede Weltschöpfungsepoche hat ihre nur in ihr vorwaltenden Typen, welche in späteren Epochen durch andere von noch gröfserer Vollkommenheit wieder verdrängt wurden. Soll nun unsere jetzige Schöpfung die einzige Ausnahme von dieser, Regel sein, und ist es daher nicht viel wahrscheinlicher, dafs der Mensch erst bei dem jüngsten Akte der Schöpfung, als das voll- kommenste Geschöpf unseres Planeten, gleichsam als Krone des Ganzen, die Erde betrat?

2. Ordn. Quadrumana. Vierhänder.

Die erste Spur eines fossilen Affen war ein 1857 in den tertiären Bildungen der Siwalik-Berge, am Fufse des Himalaya, durch Backer und Durang entdecktes Bruchstück eines Oberkie- fers”). Dieser hatte einige Aehnlichkeit mit dem des Schlank- affen, Semnopithecus, Cuvier, liels jedoch auf eine Gröfse dieser Affenart von der des Orangutangs schliefsen. Bald darauf fanden Cautley und Falconer in jenen Gegenden auch ein fossiles Affen- Sprungbein auf, welches in Gröfse und Form dem Bu Semno- pithecus Entellus glich.

*) Wagner, in Wiegmannn’s Archiv f. Naturgeschichte. 5. Jahrg. 1. Bd. p- 171,

VIERHÄNDER. 7

Fasi zu gleicher Zeit wies Lartet in tertiären Schichten bei Auch, im Dep. du Gers, Bruchstücke von Vierhändern nach, unter welchen eine Kinnlade einen, dem noch lebenden Siamang, Hylobates syndactylus, nahe verwandten fossilen Affen andeutete, der von Blainville den Namen Peihecus antiquus erhielt.

In den gelehrien Anzeigen der k. baierschen Akademie der Wissenschaften, 1839. No. 33 *), beschreibt Wagner das fossile Schädelfragment eines Affen, welches aus den jüngsten tertiären oder diluvialen Ablagerungen an dem Fufse des Pentelikon, in Griechenland, stammt. Die Art, zu der diefs Fragment gehörte, scheint in der Mitte zwischen Hylobates und Semnopithecus ge- standen zu haben, welshalb sie von Wagner 7 Mesopithecus pentelicus genannt wurde. Dieser Affe besals $ höckerige Backen- zähne, + srolse Eckzähne und # Schneidezähne, wie es allen Affen der alten Welt zukommt. Dem Gibbon oder Hylobates näherte er sich durch die kurze Schnauze, eine sehr breite Na- senöffnung und den starken Vorsprung der unteren Augenhöhlen- wand über den Kiefertheil, dem Semnopithecus Maurus und prw- nosus aber durch die Gestalt seiner Zähne.

Von einer anderen Art, welche Owen zur Gattung Hacacus bringt, wurden Backenzähne in dem Londonthone von Kyson, in Suffolk, gefunden “*). |

Auch Affen der neuen Welt, oder Breitnasen, wel- che nur in Amerika leben und sich von denen der alten Welt | schon durch einen Backenzahn mehr auf jeder Seite der Kiefern leicht unterscheiden, wurden durch Lund in den Höhlen Brasiliens entdeckt. ch Sie werden durch mehrere Arten repräsentirt, wovon eine,

+ Protopithecus Brasiliensis, von 4 Höhe, einer neuen fossi- len Gattung angehört,

Callithriz primaeous mehr als Hoppbit so grols als ihre heu- tigen Geschlechtsverwandten, die Sapajou’s, war”), und

Cebus macrognathus dem lebenden Winsel- oder Rollschwanz- affen nahe verwandt war.

Die dritte Familie der Quadrumanen, die Krallenaffen oder Uistitis, mit $ Bck., wird durch die ausgestorbene Art Jacchus grandis, Lund, aus den Höhlen von Brasilien, welche die dop-

*) Wagner, in Wiegmann’s Archbi f. A 5. Jahrg. 1. Bd. p. 171. **) Pictet, Pal. p. 130. | ***) Leonh. Br. Jalırb. 1840, p:425,

8 SÄUGETHIERE.

pelte Gröfse der lebenden Arten, übertraf *), und J. penicillato affinis vertreten.

3. Ordn. Chiroptera. Handflügler.

Ihre langen vorderen Gliedmalsen sind mit den Hintergliedern durch eine Flughaut verbunden, über welche nur die Krallen der Zehen hervorragen. Den Vordergliedern, welche sich durch die sehr langen Finger auszeichnen, fehlen öfters die Krallen, dem Daumen jedoch nie. Ihr Gebils. ist verschieden, doch haben sie meistens alle drei Arten von Zähnen. Es sind meist nächtliche Thiere mit kleinen Augen, grofsen Ohren, mit Brustzitzen und gro- {sen Ohrmuscheln. Einige haben starke Schlüsselbeine.

Seit sich ergeben hat, dafs die Pterodaktylen des Solenhofer Schiefers zu den Reptilien gehören, sind keine älteren fossilen Fledermäuse bekannt als die aus tertiären Bildungen.

Vespertilio Linne. Fledermaus.

An den Vordergliedern ist nur der Daumen bekralli. YVdz. 22, Bekz. $-

V. murinus L., diein Deutschland so gewöhnliche Art, erwähnt Karg unter den Versteinerungen von Oeningen, und sie scheint wenigstens der. Linne’schen Art verwandt gewesen zu sein.

V. Parisiensis Cuv., das von Cuvier erkannte Exemplar einer Fledermaus, aus dem tertiären Gypse des Montmartre, gleicht an Gröfse, an Zahl und Form seiner Zähne der V. serotinus Daub. **).

In den Lehmausfüllungen der Spalten im Gypse bei Köstritz, in Knochenhöhlen bei Baireuth, Lüttich (nach Schmerling zu Rhino- lophus Cuv., der Hufeisennase, gehörend), in Devonshire, in Sar- dinien, im Gouvti. Tomsk (nach Fischer v. Waldheim) ***) und in Brasilien (nach Lund) 7) hat man Theile von Fledermäusen gefun- den, welche mit jetzt noch lebenden Arten grofse Aehnlichkeit zeigen. |

Die europäischen gehören meistens zu Vespertklio, 5 brasilianische Ar- ten zu der in Südamerika noch jetzt verbreiteten Gattung Phyllostoma Geoffroy, oder den Blatinasen, mit 4 Vdz., wozu auch der Vampyr gezählt wird, und eine wurde von Lund als Molossus Cuv. (Dysopus Il.) bestimmt.

*) Leonh. Br. Jahrb. 1840. p. 741.

**) Leonh. Br. Jahrb. 1843. p. 854.

***) de Blainville im L. Br. Jahrb. 1843. p. 854. +) L. Br. Jahrb. 1840. p. 125; 1841. p. 4%.

HANDFLÜGLER. FLEISGHFRESSER. 9

Reste von Fledermäusen wurden von Owen ®) in dem ’‘Roth-Crag von Suffolk mit denen von Quadrumanen und Beutelthieren zugleich erkannt,

und H. v. Meyer“) findet in 2 Knochen aus dem tertiären Becken von Mainz grofse Aehnlichkeit mit dem Daumengliede einer Fledermaus.

4, Ordn. OCarnivora. Fleischfresser.

Ihre Zehen sind bekrallt, ihre Backenzähne nach ihrer Nahr- ung verschieden.

A. Insectivora. Insektenfresser.

Es sind kleine, meistens unterirdische Thiere, deren Vorder- glieder zum Graben bestimmt und defshalb mit einem Schlüssel- beine versehen sind. Da sie von Insekten und Würmern leben, so sind ihre Eckzähne nur klein und die Backenzähne mit vielen spitzen Höckern bedeckt. Die Schnauze ist gewöhnlich rüssel- arlig verlängert.

Ihre Existenz beginnt erst mit den mittleren Schichten der Tertiärformation.

1. G. Erinaceus L. Igel. Herisson.

Vrdz. £, die mittleren länger; Eckz. klein; Bckz. 3.

E. arvernmensis Blainv., aus einem Sülswasserkalke, und

E. soricinoides Blainv., aus den Schichten von Sansans bei Auch, mit 1 Vrdz. mehr als der gewöhnliche Igel, gehören beide den mittleren tertiären Bildungen an ***).

E. fossilis Schmerling, aus den Knochenhöhlen bei Lüttich, war dem gemeinen Igel, E. europaeus, sehr ähnlich +).

2. G. Centetes Iliger. Tanreck. Borstenigel. Tenrec.

Vrdz. &; Eckz. +; Bckz. &.

C. antiquus Bl., aus dem mittleren tertiären Sülswasserkalke der Auvergne, ist nach einem halben Kiefer bestimmt, dessen Zahnbildung von der des auf Madagaskar noch lebenden Tanrecks nur durch das Vorhanden- sein eines siebenten Backzahns abweicht 77).

3. G. Sorex L. Spitzmaus. Musaraigne. Vdz. 3; Bckz. 7°.

Ein Kiefer aus tertiären Bildungen von Sansans bei Auch zeigt grolse

*) L. Br. Jahrb. 1843. p. 372, 629. **) L. Br. Jahrb. 1843. p. 389. ***) Pictet, Pal. p. 141.

+) Keferstein, Ntg. d. E. p. 208, ++) Pictet, Pal. p. 142.

10 SÄUGETHIERE.

Aehnlichkeit mit der gemeinen S., $. araneus. Reste von Spilzmäusen aus der Knochenbreccie Sardiniens, aus den Höhlen von St.Macaire und bei Lüt- tich und aus den Spaltausfüllungen bei Köstritz, stimmen gleichfalls mit lebenden Arten fast überein *).

4. G. Mygale Cuv. Rüsselmaus, Desman.

Vdz. 2: Bckz. %. Füfse mit Schwimmhäuten. Ein Oberarmknochen von Sansans hat nach Pictet grofse Aehnlichkeit mit dem der an den Pyrenäen noch lebenden Bisamratte.

5. G. Talpa L. Maulwurf. Taupe.

Vdz. 8; grolse Eckz.; $ Bckz.;, Vorderpfoten, deren Zehen _ etwas verwachsen sind, mit 5 Krallen.

Pictet führt 3 Arten aus teriiären Bildungen der. Auvergne und von . Sansans an, worunter T. antiqua und T. minuta Bl. nach Oberarmknochen bestimmt sind. Reste von Maulwürfen in den Spaltausfüllungen von Köstritz und den Höhlen von Frankreich und Belgien, lassen sich nicht von denen des gemeinen M., T. europaea, unterscheiden und mögen später dorihin ge- kommen sein.

B. Ferae. Raubthiere. Eigentliehe Fleischfresser.

Es sind die grölsten und gefährlichsten Räuber der Thier- welt, wie sich diefs schon in ihrem Gebifs, zeigt. Starke und gekrümmte Eckzähne ragen weit über die 6 Vorderzähne jedes Kie- fers hervor. Ihre Backenzähne sind schneidend oder mit stumpfen Höckern versehen.

Die den Eckzähhen zunächst stehenden sind spitz oder zusammenge- drückt, und heifsen falsche Backenzähne oder Lückenzähne, weil sie mehreren fehlen, auf diese folgt der grofse, mit mehreren Spitzen und meist mit einem Höckeransatze versehene Fleisch- oder Reilszahn. Die letzten 1— 2 höckerigen Backzähne, welche zum Kauen dienen, heilsen Mahlzähne. Ä

Vereinzelt finden sie sich zuerst in tertiären Gebilden, wäh- rend das Diluvium und die Höhlen an ihnen so reich sind. Auf- fallend ist es, dafs sie, nach Dr. Koch’s Mittheilungen, in den Knochen führenden Schichten Nordamerikas gänzlich zu mangeln scheinen.

a. Sohlengänger.

Sie treten mit ihrem ganzen Fulse auf. Ihre Füfse haben

5 Zehen und Krallen.

+) H. v. Meyer, Pal. p. 126.

FLEISCHFRESSER. 11

1. G. Ursus L. Bär. Ours. (Taf. IV. Fig. 1.2. 3.)

Die starke Entwickelung der zahlreichen Höcker auf den hin- teren Backenzähnen zeigt (Fig. 2.), dafs diese Thiere auch gern vegetabilische Nahrung zu sich nehmen. Es sind im Allgemeinen sehr plumpe Thiere, deren Gliedmalsen kürzer und breiter gebaut sind als bei anderen Raubthieren. Ihr Kopf verlängert sich in eine stumpfe, vorragende Schnauze. Backenzähne findet man bei ihnen # bis $, da die Lückenzähne leicht ausfallen. Die. Eck- zähne haben hinten eine Längskante, sind ohne Furchen, und ihre Wurzel ist viel länger und stärker als die Krone, die aus dem Kiefer hervorragt.

U. spelaeus Blumenbach. Höhlenbär. Espece ü front bombe Cuv. H. v. Meyer, Pal. p. 45. Taf. IV. f. 1 nach Br. Leth. tb. 45. £. 1; und Taf. IV. f.2, 3 nach Jäger, foss. Säugeth. Würtemb., 1839. tb. 12. f. 2,3, 4, 20.

Der Schädel des Höhlenbär’s wird 16° 18° lang, mithin etwa Hu 1 länger als der des braunen und schwarzen Bär’s, und zeichnet sich be- sonders durch das plötzliche Abfallen der Stirn nach der Nasenwurzel herab aus. Im Ganzen war diese Art etwas schlanker und gröfser, als unsere jetzigen Bären es sind.

Zwar kommen Reste davon auch ausnahmsweise im tertiären Kalke bei Gmünd vor, und man kennt dieselben aus verschiedenen diluvialen Bildungen, indefs findet man sie nirgends häufiger‘ als in den Knochenhöhlen von Deutschland, England und Frankreich. Bronn berichtet in der Lethae« p.. 1280, dafs die Menge der Knochen von Individuen jeden Alters, die man in einigen Höhlen beisammen findet, auf viele Hunderte von Individuen schlielsen lassen, welche theils gleichzeitig, theils in aufeinander folgenden Generationen dort gewohnt, ihre animalische Beute dort eingetragen haben und endlich dort gestorben sind; dafs durch das öftere Ein- und Ausgehen dieser Thiere nicht selten sogar die engeren Durchgangsstellen der Höhlen geglättet wurden; dals aber einige Höhlen auch unzweideulig zeigen, wie sie durch spätere Einfluthungen mit derartigen Knochen sich angefüllt haben.

U. arctoideus Blum. Espece a front plus plat Cuv. H. v. M., Pal. p. 46. Pictet, Pal., p. 149.

Von der Gröfse des Eisbären, war er übrigens dem btöanen Bär sehr ähnlich und unterscheidet sich von dem Höhlenbär, dessen Grösse er nicht erreichte, durch eine weniger gewölbte Stirn und eine gröfsere Entfernung des Eckzahnes von dem ersten Backzahn.

Man findet ihn mit diesem zusammen in den Höhlen, dach ist er weit seltener als jener und kann schon defshalb nicht als das weibliche Indivi-

12 | SÄUGETHIERE.

duum des Höhlenbären, wie de Blainville meint, betrachtet werden. Eher würde er nur eine Varietät davon sein. In Knochenhöhlen von Franken, Bize, Lunel - Vieil, Salleles.

U. priscus Goldfuls. Espece ä petit cräne Cuv. Seine Stirn ist vollkommen flach, an Gröfse glich er dem braunen Bär.

Man fand ihn in der Höhle von Gaylenreuth in Franken:

U. arvernensis Croizet et Jobert. Pictet, Pal. p. 151. Von der Gröfse des braunen Bärs, mit fast flacher Stirn und einer schmä- leren Schnauze als bei allen anderen fossilen Arten, ist er im sandi- gen Diluvium am Puy-de-Döme aufgefunden worden.

Aufser einigen anderen Arten, deren Bestimmung noch nicht als ganz zuverlässig betrachtet werden kann, zeigt Milne - Edwards ein Schädelbruchstück eines Bären aus einer Knochenbreccie von Oran in Algerien an, und Lund den U. brasiliensis aus Höhlen Brasiliens.

+2. G. Amphiarctos Blainville. Sivalours.

Diefs Geschlecht, wovon nur eine Art, A. Sivalensis, Caut. u. Falc., von der Gröfse ‘des Ursus spelaeus aus den Siwalik-Ber- gen in Ostindien, bekannt ist, unterscheidet sich von den Bären nur durch den Mangel des einen ihrer drei Höckerzähne.

3. G. Nasua Storr. Coat: Cuv. Nasenthier.

Beck. & (Lückz. 3 oder #). In Süd-Amerika lebend.

Lund fand Reste einer Art in den Höhlen Brasiliens, früher erkannte Cuvier ihre Existenz in der Knochenbreccie von Nizza und die eines ihnen verwandten Thieres im tertiären Gypse von Montmartre.

4. G. Meles Storr. Dachs. Blaireau. Bck. & oder & (2 Lückz.). Die hiervon in verschiedenen Knochenhöhlen Frankreichs auf- gefundenen Ueberbleibsel scheinen von dem gemeinen Dachse (M. tawus oder vulgaris, Ursus meles L.) kaum verschieden zu sein.

5. G. Gulo Storr. Vielfrals. Glouton.

Bekz. # oder 2.

G. spelaeus Goldf. Glouton fossile Cuv. Bei aller Achn- lichkeit mit dem noch lebenden G. borealis unterscheidet sich die fossile Art, nach Germar, durch etwas beträchtlichere Gröfse, stärker vorlre- tende Jochbeine und eine verhältnifsmäfsig längere Schnauze. Der Un- jerkiefer ist weniger hoch und das Kinnloch (Foramen mentale) steht etwas weiter nach vorn, zwischen dem 2ten und 3ten Zahne.

FLEISCHFRESSER. 13

In den Höhlen ‚von Gaylenreuth, von Sundwich bei Iserlohn und nach Germar im Dunn von Egeln mit Mammuth- und Rhinoceros- Knochen.

G. diaphorus Kaup, Karst. Archiv. Bd. 5. p. 150. tb. 2. £. 1, 2. Atl. d. oss. f. lor. 2. tb. 1. f. 1, 2, früher G@. antediluvia- nus Kaup, aus dem tertiären Kiese von. Eppelsheim, unterscheidet sich. durch die ‘enorme Gröfse seines letzten Backzahnes von dem leben- den und dem fossilen Vielfrafs. Dieser Zahn ist viel länger als breit, vorn breiter als hinten; seine vordere Hälfte trägt einen breiten Höcker, und die hintere ist einfach gerundet. Pictet möchte diese Art mit Amphicyon vereinigen.

Jedenfalls aber verbindet. sie mit den folgenden Gattungen die bärenartigen und hundeartigen Thiere.. Allmählig verändert sich bei ihnen die Zahl der Höcker auf den hinteren Backenzähnen, während der Fleischzahn an Eniwickelung zunimmt und dessen Höckeransatz sich verkleinert ”).

6. G. Fiverra L. Zibeththier. Civette Cuv.

Ein lang gestreckter Leib, kurze Beine, & Bckz., von denen 2 Lekz., + Fleischz. und 7 Höckerzähne sind, ‚zeichnen ihr Ske- lett besonders aus.

Man kennt hiervon nur wenige fossile Arten aus der Ter- tiär- und Diluvialzeit.

V. (Geneita) Parisiensis Cuv., aus dem Gypse von Mont- martre, war der im südlichen Frankreich noch lebenden Genettkatze ähnlich.

V. antiqua und V. zibettoides Bl., aus der Auvergne und von Sansans, mochten der asiatischen Zibeihkatze sehr nahe stehen, allein

V. gigantea Bl., aus dem Süfswasserkalke von Soissonnais, hat die Gröfse grofser Hyänen erreicht.

Man kennt aufserdem noch fossile Viverra-Reste aus Bengalen und Neuholland. (H. v. Meyer, p. 49 u. Pictet p. 171.)

a 6 Palaecyon Blainv. Arctocyon Blainv. (naimös, alt; xvwv, Hund.)

Als P. primaevus Bl., (Pictet, Pal. ‘pag.' 156. Pl.: 4. f. 1.), bezeichnet Blainville einen Kopf aus einer alten tertiären Schicht. von La Fere. Durch seine niedergedrückte Form nähert er sich den Phoken und Fischottern. ' Die: Schnauze ist kurz und etwas abgestutzt. + "Im

- *) Pictet;. Pal: p: 154.

14 SÄUGETHIERE.

Oberkiefer stehen 3 Lückenzähne, 1 sehr starker Fleischzahn und 3 grofse, höckerige Mahlzähne.

Tr 8.6. N Kaup. (dyvöc, unbekannt; 370, wildes Thier.)

A. antiquum Kaup, Atlas des Ossements foss. or. 2, tb. 1. f. 3, 4. Hiernach ein Eckzahn und Backzahn Taf. 1. Fig. 8, 9. TAMiRGR von Eppelsheim.

b. Zehengänger.

Sie treten nur mit den Zehen auf.

Die hier folgenden hundeartigen Thiere haben einen Kopf mit voriretender Schnauze. Ihre schneidenden Backenzähne, die sehr kleinen Höckeransätze an den Fleischzähnen und 3 grofse höcker- ige Mahlzähne zeigen, dafs sie sowohl thierische als vegetabil- ische Nahrung zu sich nehmen.

9. G. Canis L. Hund. Fuchs. Wolf.

Bekz. #% (Lückz. 3). Vorderfüfse mit 5, Hinterfülse mit 4 Zehen. _Die fossilen Arten erscheinen mit dem Anfange der ier- tiären Epoche und gehen bis in die jetzige Schöpfung.

C. viverroides Bl. (Pictet p. 161), mit den zwei höckerigen Mahl- zähnen der Hunde und einem spitzen, wenig zusammengedrückten Fleisch- zahne der Zibetthiere, zu denen es von Cuvier auch gestellt wurde, scheint einen Uebergang zwischen beiden Gattungen herzustellen.

Im tertiären Gypse von Montmarlre.

C. Parisiensis Cuv. (Pictet p. 161), eine dem Polarfuchse (C. lagopus L.) sehr verwandte Art, gehört dem Gypse von Mont- marire an. N

C. spelaeus Gold. Höhlenwolf. Loup ou chien fossile Cuv., 5. v. Meyer, hal. np. .49.. —. Keferst. IE m, 105... Jar Say. ED der fünfte untere linke Backenzahn. Er ist von dem lebenden Wolfe wohl kaum zu unterscheiden.

Man kennt ihn aus dem Lehme von Cannstadt, den Knochenhöh- len von Franken, England, Frankreich und der Knochenbreccie von Sardinien.

. C. spelaeus minor Wagner. Höhlenfuchs. v. Hkeyer, Pal. p. 49. Keferst. II. p. 195.

Reste von Füchsen, welche dem gemeinen C. vulpes L. wahr- scheinlich zuerkannt werden müssen, fand man in dem tertiären Schiefer von Oeningen und in mehreren Knochenhöhlen von Deutsch- land, England und Frankreich.

FLEISCHFRESSER. 15

C. familiaris fossilis v. Meyer, Pal. p. 49. Keferst. II. p. 194.

Auch der Haushund ist aus den Knochenhöhlen von Deutschland, Belgien und Frankreich und aus der Knochenbreeccie bekannt.

Aus den mittleren tertiären Bildungen am Rheine, aus den ober- sten tertiären Schichten der Auvergne wurden von Kaup, von Croizet und Jobert und aus den Höhlen Brasiliens durch Lund noch einige, Füchsen und Wölfen ähnliche Arten entdeckt.

+ 10. G. Speothos Lund. (onlos, Höhle; YEeır, laufen.)

Von den Hunden nur durch den Mangel des einen höckerigen Backzahns und durch eine etwas weniger verlängerte Schnauze unterschieden. Lund fand $. pacivora in Höhlen Brasiliens mit zahlreichen Knochen der Pakas zusammen.

11. G. Amphicyon Lartet. (ugi, ringsum; #Uwr, Hund.)

. Es war, nach Pictet, ein grofser Fleischfresser, welcher sich durch die Zahnbildung den Hunden sehr näherte. Bekz. # (Lückz. 3, + Fischz. mit schwachem Höckeransatze, 3 Mahlz.). Nur der letzte Mahlzahn hat durch seine Kleinheit Aehnlichkeit mit dem der bärenartigen Thiere, mit welchen diese Thiere auch den we- niger verlängerten Kopf und den schwerfälligen en ge- mein hatten.

A. major Bl., womit nach Blainville wahrscheinlich Canis gi- ganteus Cuv. (Oss. foss. 4e ed. VII, 481 .nach Pictet) zusammenfällt, stammt von Sansans bei Auch.

A. minor, Bl., ebendaher, nur 3 gröfser als der Dachs.

12. G. Hyaenodon Layser. (Hyaena,; odwv, Zahn.)

Im Unterkiefer stehen 3 höckerige Backzähne, von denen der letzte der gröfste ist und durch seine schneidige Form sehr an den Fleischzahn der Hyänen erinnert. Eine solche Form an dem letzten Zahne kommt in der jetzigen Schöpfung nicht mehr vor. Uebrigens sind $ Bckz. (3 Mahlz., 4 Fischz., 3 Lckz.), 4 Eckz. und 3 Schdz. vorhanden.

H. leptorhyncus. Layser, Compt. rend. VII. p. 1004, ist nach einem Unterkiefer aus den tertiären Gebilden der Auvergne und H. brachyrhynchus Blainv., Compt. rend X. 134, nach einem ganzen Kopfe, der an der Tarn gefunden worden war, bestimmt.

Mit dieser Gattung vereinigt Pomel die Gattungen Taxoihe- rium und Pterodon de Blainville (Jahrb. 1845. p. 124). T. Pari-

16 ; :SÄUGETHIERE.

siense stammt aus den ältesten Tertiärgebilden von Paris. (Pictet,

tb. 4. f. 2.)

13. G. Hyaena Brisson. Hyäne. Hyene.

Bekz. 2 (3 Lekz.). Alle Fülse. mit 4 Zehen.

Die Hyänen, welche bekanntlich gegenwärtig nur Afrika und das südliche Asien bewohnen, erscheinen in Europa bei Beginn der tertiären Epoche und waren in der Diluvialzeit häufig in Deutsch- land, Frankreich und Belgien zu finden.

H. spelaea Gold, Höhlenhyäne. v., Meyer, Pal. p. 50. Keferst;, :p... 213. ——. Bietet, p. 180. —. Taf, IV. £ 4. a. h.

In. ihrer Zahnbildung den noch lebenden Hyänen sehr ähnlich, übertraf sie dieselben an Gröfse.

Sie ist die gewöhnlichste unter den fossilen Arten. Im Diluvium von Westeregeln bei Magdeburg, Köstritz, Cannstadt, Eichstädt, Abbe- ville, Valdarno u. a. O. in den Knochenhöhlen von Gaylenreuth, Lunel-Vieil, Pondres, Sundwich, Kirkdale u. a. O. und nach von Meyer in der tertiären Muschelnagelflue des Moliereberges.

In den Höhlen haben sich nicht selten sogar noch die Excre- mente von ihr versteinert erhalten, und nach Bronn pflegen da, wo Hyänen-Reste einigermalsen zahlreich sind, die von Bären zu ver- schwinden.

H. Perrieri Croiz. et Job., ausgezeichnet durch einen zwei- lappigen Höckeransatz an dem Fleischzahne, übrigens der gelleckten Hyäne ähnlich und

H. arvernensis Cr. et Job., welche der gestreiften Hyäne sich nähert, sind dem terliären Sande in Puy de Döme entnommen, und, während Cautley und Falconer aus den oberen tertiären Gebil- den am Himalaya Hyänen nachwiesen, wurden sie durch Lund aus Bra- siliens Höhlen bekannt.

14. G. Felis L. Katze, Luchs, Leopard, Panther, Tiger, Jaguar, Löwe u. s. w.

Ihr starker, gedrungener Körperbau, der sich besonders in dem rundlichen Kopfe ausspricht, verbunden mit grolser Biegsam- keit, macht die katzenartigen Thiere zu den stärksten und zugleich gewandtesten aller Raubthiere. Sie haben auf jeder Seite des Kie- fers einen Backzahn weniger als die Hyäne, also $ Bckz., von denen % Lckz. sind. Nur der obere der sehr grofsen Fleisch- zähne ist mit einem sehr kleinen Höckeransatze versehen, und nur in dem Oberkiefer steht dahinter noch ein kleiner höckeriger

RAUBTHIERE. | 17

Mahlzahn, im Unterkiefer fehlt dieser gänzlich. 5 Zehen an den Vorderfüfsen und 4 an den Hinterfüfsen zeichnen durch ihre zu- rückziehbaren Krallen sie besonders noch aus.

In der‘ früheren Welt traten sie zuerst in der mittleren Ab- theilung des Tertiärgebirges auf, waren in der Diluvialzeit aber von einer noch grölseren Entwickelung als die der jetzigen Zeit.

Aus dem tertiären Sande von Eppelsheim bestimmte Kaup 3 Arten: |

F. aphanista Kaup, (Karst. Arch. Bd. 5. p. 152.'tb. 2. f. 3 5; All. aus Oss. foss. lovr. 2. tb. 2. f. 1.), glich dem Löwen und der F. spelaea am mehrsten.

F. ogygia Kaup, (Karst. Arch. Bd. 5. p. 156. tb. 2.1.6— 8; Atl. auz Oss. f. livr. 2. tb. 1 f. 6. u. tb. 2. f. 3.), war dem Cuguar (F. concolor) oder dem Gepard (F. jubata) an Gröfse gleich.

F. antediluviana Kaup, (Karst. Arch. Bd. 5..p. 157. tb. 2. f. 9 12; All. aux Oss. f. lior. 2. ib. 2. f. 5:), war beinahe von der Grölse der vorigen, allein von schlankerer Gestalt.

Lartet fand 2 Arten von Katzen zu Sansans.

F. arvernensis Croizet et Jobert, welche die Gestalt des männ- lichen Jaguar hatte.

F. pardinensis Cr. et Job., ähnlich dem Cuguar,

F. brevirostris Cr. et Job., von der Gröfse des. Luchses,

F. issödoriensis Cr. et Job., etwas kleiner als der Leopard und

F. megantereon Bravard (Pictet, Pal. p. 184), stammen aus dem Sande in der Auvergne.

Die letzte Art zeichnet sich dadurch besonders aus, dafs ihr dritter Schneidezahn viel grölser ist, als bei allen anderen Katzen- arten. Ebenso ist das Kinn mehr verlängert und das Kinnloch steht weiter unten als bei anderen Arten.

Bravard errichtete, auf diese Charaktere fufsend, dafür seine Gattung Stenodon, und Kaup vereinigte diesen ganz ähnliche Zähne zu seiner neuen Gattung Machairodus, (uszaoa, Schlachtmes- ser; ödovg, Zahn.). (Pictet, Pal. p. 185.)

M. cultridens Kaup, Atl. aus Oss. foss. kor. 2. 1b. 1. f. 5. (Vgl. H. v. Meyer p. 128 über Fels (Ursus) cultridens).

F. spelaea Goldf. Höhlenlöwe. Chat fossile grande espece Cuv. H. v. Meyer, Pal. p. 52. Keferst. II. p. 209.

Der Höhlenlöwe war dem lebenden Löwen sehr ähnlich, über- traf ihn: jedoch an Gröfse und näherte sich in seinem Kopfbau etwas dem Panther. Goldfufs beschrieb ihn zuerst aus den "Muggendorfer

Geinitz, Versteinerungskunde, 2

18 | SÄUGETHIERR,

Höhlen; seine Reste finden sich häufig in vielen Knochenhöhlen von Deutschland, 'England und Frankreich.

F.'antigua Cuv., der sich dem Tiger sehr näherte, ward aus den Höhlen von Gailenreuih bekannt.

Aus Indien sind durch Cautley und Falconer, aus den Höhlen Brasiliens durch Lund noch mehrere Arten bekannt gemacht worden, welche den gröfseren, noch lebenden Katzenarten mehr oder weniger ähneln. |

+ 15. G. Cynailurus Wagler, (zöov, Hund; «ailovgog, Katze), mit der amerikanischen Art C. minutus Lund, schliefst sich an die Katzen eng an und ist nur als Untergattung von Feks zu be- trachten. Kleiner noch als die Hauskatze, unterscheidet sie sich von allen anderen Geschlechtsverwandten durch den gänzlichen Mangel eines inneren Höckeransatzes an dem oberen Fleischzahne.

(Pietet, p. 187.)

16. G. Mustela L. Marder, Iltis, Wiesel. Marte, Putois.

Zierliche Thiere mit langgestrecktem Leibe, kurzen Beinen und einem Höckerzahne hinter jedem Fleischzahne.

M. plesictis Layser, aus den oberen tertiären Schichten am Puy-de-Döme,

M. genettoides Blainv., von Sansans, (Pictet p. 174) und

M. martes fossilis (Beleite Cuv.; Keferst. p. 221), aus den Muggendorfer.. und Lütticher Höhlen, sowie aus dem Diluvium von Genf, ähneln durch ® Bekz. (2 Lekz.) den eigentlichen Mardern, während

M. antigua v. Meyer p. 54. (-Putoös. Cuv.; Pict. p. 175) aus den Höhlen des südlichen Frankreichs, besonders von Lunel-Vieil, aus denen von Lüttich und Kirkdale durch $ Bcekz. (3 Lckz.) sich mehr dem Iltis nähert.

17. G. Mephitis Cuv. Stinkthier. Moufette.

Vor der Auffindung einer Art in den brasilianischen Höhlen durch Lund, kannte man noch keinen fossilen Repräsentanten die- ser Gattung.

18. G. Luira Ray. Fischotter. Loutre. j

:Ein dicker, platter Kopf mit $ Bekz. (3 Lekz.), kurze Beine, deren fünf Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind, machen ‚diese Gattung leicht kenntlich.

L. antiquwa v. Meyer, p. 55, aus den‘Knochenhöhlen von Lunel- Vieil, und den Bohnerzgruben von Würtemberg (Jäger, foss. Säug. Würt. tb. 3. fi 25, 26), scheint etwas stärker als die gemeine Fisch- otter gewesen zu sein.

ROBBEN. BEUTEL THIERE. 19

L. clermontensüs führt Pictet p. 176 aus der Auvergne an.

L. Valletoni Geoff. St. Hilaire, aus dem Süfswasserkalke von St. Geran (Dep. Allier), diente dem Entdecker zum Typus der (nach Piciet p. 176) noch nicht hinreichend charakterisirten

19. G. Potamotherium G. St. Hil. (norauös, Flufs; Jnotov wildes Thier.)

C. Pinnipedia. Schwimmfüfser, Robben.

Ihr ganzer Bau ist vorzugsweise zum Schwimmen bestimmt, welshalb ihre hinteren Beine einander genähert und nach hinten ge- richtet und die Zehen aller vier Fülse durch Schwimmhäute ver- bunden sind. Sie haben alle drei Arten von Zähnen und. sind, ihrer Zahnbildung nach, ächte Fleischfresser.

Die wenigen fossilen, noch nicht genauer bestimmten Arten, welche man bisher von ihnen gefunden hat, beschränken sich auf die beiden Geschlechter PhRoca L., Robbe, Phoque, und Tri- chechus L., Wallrofs, Morse.

> Ordn. Marsupialia. Beutelthiere.

Zwei platte Knochen, zur Stütze eines häutigen Beutels oder zweier Hautfalten an dem Ende des Bauches, welche die Saug- warzen des Weibchens umgeben, sind für sie charakteristisch.

Bestätiget sich die jetzt allgemeine Annahme, dals die in dem Schiefer von Stonesfield aufgefundenen Unterkiefer Beutelthie- ren angehören, womit sie auch nach Owen’s neuesten Untersuch- ‚ungen am meisten übereinstimmen, so lebten Thiere dieser Ord- nung schon zur Zeit der Jura-Epoche, und sie sind die ältesten Repräsenianten der Säugethiere. Nach Agassiz aber erinnern diese Reste ebenso gut auch an Wassersäugethiere. (Br. Leth. p. 543.)

a. Fleischfressende Beutelihiere. 1. Gatt. Didelphys L. Beutelratte. Sarique.

Eine amerikanische Gattung, mit 's° Vdz., grofsen Eckz. und 7 spitzhöckerigen Bekz.; welche schon in den ältesten Zeiten der Tertiärbildungen in Europa gelebt hat, wie die aus dem Gypse des Montmartre bekannte Art

D. Cuvieri, (v. Mey. p. 56), welche der in Brasilien leben- den D. murina am mehrsten gleicht, und eine von Owen beschriebene Art von Suffolk es herausstellen. |

Die Existenz dieser Thiere in Brasilien, welche Lund in mehreren fossilen Arten aus dem Diluvium und den Höhlen nachwies, ist weniger auffallend.

2%

20 SÄUGETHIERE.

+ 2. G@. Phascolotherium Broderip. (gEoxwAog, Mantelsack ; Inolov, wildes Thier.)

Unterkiefer mit 3 Lekz. und 4 wahren Bekz. Ph. Bucklandi Brod. Didelphys aus dem Oolith von Stones- field. : ‘Buckl. Geol. Pl. 2. Fig. A. Hiernach Taf. MM. f. 13.

+ 3. G. Thylacotherium Owen. Heterotherium oder Am- phitherium Blainv. ($öAozog, Beutel; $nolov, wildes Thier.)

Unterkiefer mit 6 entfernten Schneidezähnen, 1 mittelgrofsen Eckzahn, 6 Lückenzähnen und 6 dreizackigen Backenzähnen.

T. Prevostii Cuv. Didelphys (?) Prevostii v. Meyer p. 55. Pictet, Pal. 17. f. 1, 2.

T. Broderipii Owen. Pictet, Pal. 17. f. 3.

Alle drei stammen aus dem Schiefer von Stonesfield.

Von den beiden in Neu-Holland noch lebenden Gattungen, Dasyurus Geoffr. und Thylacinus_ Temm., kennt man. Reste in den Knochenbreccien und in den Höhlen jenes Welitheiles.

(Pictet, p. 331.)

b. Fruchtfressende Beutelthiere.

Die zugleich auch fossilen Gattungen Halmaturus I. (Ma- cropus Shaw., Känguruh), Hypsiprymnus Ill., das Hacken- thier oder die Känguruh-Ratte und Pkascolomys Geofir., der Wom- bat, als einziger Repräsentant der wurzelfressenden Beutel- thiere, scheinen auch früher ihr jetziges Vaterland nur inne ge- habt zu haben, denn von ihnen finden sich fossile Reste nur in den Knochenhöhlen und der Knochenbreccie Australiens.

6. Ordn. Glires. Nagethiere. Hongeurs.

Mit ihren beiden langen, meilselförmigen Vorderzähnen . in . jedem Kiefer, welche auf ihrer äufseren Seite mit Schmelz bedeckt sind und von der hohlen Wurzel aus nachwachsen, benagen und . zerfeilen sie die oft harte vegetabilische Kost, welche sie zu sich nehmen. Zu diesem Zwecke kommt ihnen die eigenthümliche Be- wegung des Unierkiefers von hinten nach vorn zu Statten. Da die Eckzähne fehlen, so ist zwischen Vorderzähnen und Backen- zähnen eine grofse Zahnlücke. Aufserdem ' befördern noch quer- stehende Falten und Höcker auf der Oberfläche der Backenzähne die Zerkleinerung der Nahrung. Füfse meist fünfzehig und bekrallt.

Sie waren in der Vorwelf seltener‘ als in der jetzigen an- zutreffen.

NAGETUHIERE. 21

1. G. Sciurus L. Eichhörnchen. Bow reikil,

Mit 2 Bekz. und spitzen, zusammengedrückten Schneidezäh- nen. Die im Gypse von Montmaritre, in Spalten bei Köstritz und in einigen Höhlen aufgefundenen Knochen von Eichhörnchen lassen noch keine nähere Bestimmung zu.

% 2. G. Spermopkhilus Cuv. Ziesel.

Mit 2 Backenzähnen.

S. superciliaris Kaup, welche von Pictet zu Arctomys, dem Mur- melthiere, gerechnet wird, aus dem Sande von Eppelsheim, ist die ein- zige fossile Art.

Mes Myozus Schb. Siebenschläfer. Haselmaus. Loir.

Mit & Bcekz.; Vorderfüfse wie hei den Eichhörnchen, mit 4 Zehen und einem Daumenstummel.

Man kennt 2 fossile Arten aus dem Gyps des Montmartre, eine dritte,

M. primigenius v. Meyer (p. 61), Arctomys primigenius Kaup, aus dem Sande von Eppelsheim, und M. spelaeus fand Fischer in Rufsland.

4. G. Dipus Gmel. Gerbillus Desm. Meriones lllig. Spring- hase. Springmaus. Schenkelmaus. Gerboise.

Diese jetzt meistens in Afrika und Asien vorherrschende Gatt- ung wiels Jäger in den Bohnerzgruben von Würtemberg und Fi- scher in Kufsland nach.

9. G. Lagostomus brasiliensis Lund.

Aus den Knochenhöhlen Brasiliens, am mehrsten der in den Ebenen von Buenos-Ayres häufigen Viscacha gleichend.

t 6. G. Megamys d’Orb. (u£yas, grols; wös, Maus.)

Mit einer tertiären Art aus Patagonien, welche nur auf eine tibia und eine rolula gegründet ist. (Pictet. p. 194.)

Einige andere, zum Theil in Amerika noch lebende Gattungen, welche in ihrer Form den Ratten gleichen, £ Bckz. haben und sich durch die spitze Verlängerung der hinteren Ecke des Unter- kiefers auszeichnen, lebten in Europa während der Tertiärzeit. v. Meyer und Pictet führen von ihnen: auf:

1 7. @ Archaeomys Layser (deyaiog, alt; uög, Maus.)

mit 1 Art aus Süfswassergebilden der Auvergne;

22 SÄUGETHIERE.

8. G. Aulacodon Temm. («ülaE, Furche; ödwv, Zahn.)

wovon Lund eine Art aus Brasiliens Höhlen als Nelomys sulcidens bezeichnete;

‘9. @ Nelomys Jourdan (vnAeng, grausam; uög, Maus.) mit einer Art aus Brasiliens Höhlen; 10. G. Loncheres Nlig. (Echimys Geoffr.) Stachelratte,

aus Brasiliens Höhlen und aus tertiären Süfswasserschichten der Auvergne und

+ 11. G. Lonchophorus Lund,

eine der vorigen verwandie Gattung, mit einer Art, aus den Höh- len Brasiliens.

12. G. Mus L. Maus. Ratte. Rat.

Sowohl in den Knochenhöhlen als in den Knochenbreecien Europas, Brasiliens und selbst in Indien werden Theile von Ske- leiten gefunden, welche denen noch lebender Ratten und Mäuse sehr ähnlich sind. Eine Art aus dem Schiefer von Oeningen soll der Hausmaus gleichen.

13. G. Cricetus Pall. Hamster.

Eine tertiäre Art aus dem Sande von Eppelsheim nennt Kaup C. vulgaris fossilis.

14. G. Hypudaeus ll. Miete Lacep. Lemnus Link. Was- sermaus. Feldmaus. Lemming. Campagnol.

Früher, wie jetzt noch, ebenso häufig als die Mäuse, werden mehrere Arten von ihnen in den Knochenhöhlen von Deutschland, England, Frankreich und Belgien, so wie in der -‚Knochenbrececie von Nizza, Corsica und Sardinien gefunden.

t 15. G. Omegadon Pomel.

Nach der Form der Schmelzfalten in den Backenzähnen so genannt. Tertiär im Puy-de-Döme.

16. G. Castor L. Biber. Trogonterium Fischer.

Die Schwimmhäute an ihren Hinterfülsen zeigen, .dals diese Thiere zum Leben am Wasser bestimmt sind. Schwanz nieder- gedrückt und mit Schuppen bedeckt. Bekz. 2.

Die Biber erschienen zuerst mit dem Ende der tertiären Epoche, und die ältesten Arten scheinen aus der Molasse der Schweiz, aus

NAGETHIERE. 23

den sandigen: Schichten im Puy-de-Döme und aus dem Crag von Essex zu sein. (v. Mey. p. 57.) Exemplare aus Torfmooren, die man hier. und da fand, scheinen von noch lebenden Bibern wenig verschieden zu sein. C. spelaeus nennt Münster eine Art aus der Gailenreuther Höhle, C. Cuvieri und C. Werneri, woraus Fischer seine Gattung Trogonthe- rium schuf, kamen aus dem Sande von Rufsland. Cautley fand einen fossilen Biber auch in den Siwalik-Bergen. 17. G Myopotamus Cuv. Bibermaus. (wös, Maus; norauöc, Fluls.) Nur durch einen cylindrischen Schwanz vom Biber verschie- den und an Flüssen Süd-Amerikas wohnend. 1 Art in den Höhlen Brasiliens. | \ 7 18. G. Gergoviamys Croizet. Neue Gattung aus dem Puy-de-Döme. 1.19. G. Steneofiber Geoflr. (orewög, eng; fiber, Biber.) Eine auf einen tertiären Schädel aus der Auvergne_ er- richtete Gattung, welche den Bibern verwandt gewesen zu sein scheint. Ebenso standen denselben sehr nahe: r 20. G. Palaeomys Kaup, (nuAcıög, alt; wös, Maus.) + 21. G. Chalicomys Kaup (ya), Kies; uög, Maus.) und + 22. G. Chelodus Kaup, früher Aulacodon typus Kaup, (...; ödwr, Zahn), welche Gattungen nach Kieferbruchstücken aus dem Wr NareR Sande von Eppelsheim bestimmt wurden. 23. G. Hystrix L. Stachelschwein. Porc-epiec. Bckz. 2; Vorderfüfse mit 4 grofsen Grabkrallen, Hinterfülse fünfzehig. Sie leben in Erdhöhlen der warmen Erdstriche. Von ihnen kennt man nur aus dem Diluvium des Val d’Arno und aus tertiären Sehichten am Himalaya fossile Reste. Hieran schliefsen sich nach Pictet: 24. G. Synetheres F. Cuv. mit 2 fossilen brasilianischen Arten und

+ 25. 6. Theridomys Jourdan. (Ine&dıv, kleines wildes Thier; wög, Maus.)

mit 1 Art aus tertiirem Sülswasserkalke der Auvergne.

24 SÄUGETHIERE.

26. G. Lepus L. Hase. Kaninchen. Lieore.

Am Berge Perrier gefundene Knochen zeigen, dals die Ha- sen in der letzten Zeit der Tertiärepoche erschienen. Zur Dilu- vialzeit waren sie ‚häufiger, und man unterscheidet:

L. diluvianus KCuv., welcher dem gemeinen Hasen sehr nahe stand, aus den Knochenhöhlen von Kirkdale, Sundwich u. a. O.,

L. priscus, dem fossilen Kaninchen aus der Knochenbreccie in Corsica, bei Nizza, Cette und Westeregeln bei Magdeburg (Keferst. p- 215), und eine dritte der vorigen ähnliche Art aus den Höhlen von Lüttich und Lunel-Vieil. Ü

Die Höhlen Brasiliens bergen einen dem dort noch lebenden L. Brasiliensis ähnlichen Hasen.

27. G. Lagomys Cuv. Pfeifhase. Hasenmaus. (Awyög, Hase; wög, Maus.) Wie die Hasen, mit denen sie auch zugleich vorkommen, mit $ gefurchten Vorderz. u. $ Bckz.

‚Die ältesten Reste scheinen die aus dem Oeninger Schiefer und am Puy-de-Döme zu sein. L. corsicanus Bourdet, aus- der Knochenbreecie von Corsica und L.. Sardus Wagner, aus der von Sardinien zeigen, dals diese jetzt nur in Sibirien lebenden Thiere früher über ganz Europa verbreitet waren.

+28. G. Titanomys H. v. M. (L. Br. J. 18435. p. 390.) Mit einer. tertiäiren Art von Weifsenau bei Mainz.

29. G. CaviaL. Anoema Fr. Cuv. Meerschweinchen. Cobaye. Vorderfüfse mit 4, Hinterfüfse mit 3 Zehen, deren Nägel dick und hufartig sind. Bekz. 32. | Das bei uns jetzt einheimische M. stammt bekanntlich aus Bra- silien, wo auch einige fossile Ärten durch Lund entdeckt wurden. Anoema Üeningensis König, ist eine noch zweifelhafte Art aus dem Schiefer von Oeningen. An diese Gattung schliefsen sich durch ihre hufartigen Nä- gel an:

30. G. Kerodon F. Cuv. (xloas, Horn; ödwr, Zahn.)

mit 2 fossilen Arten aus Brasilien und Patagonien,

31. G. Dasyprocta Ill. (dagunewxrog, hinten dicht behaart.) Chloromys F. Cuv. Agouti,

mit einigen‘ fossilen Arten aus Brasiliens Höhlen und einer, nach Pictei noch zweifelhaften, Art vom Puy-de-Döme,

. ZAHNLOSE. 25

32. G. Coelogenys F. Cuv. Paka, Backenthier, (zoo, hohl; y&vvs, Kinn.) |

nur in Brasilien, sowohl lebend als fossil und

33. G. Hydrochoerus Briss. Wasserschwein, Cabiai, (ödwe, Wasser; yoloog, Ferkel.)

wovon eine Art an den Flüssen Amerikas lebt und 2 Arten durch Lund in Brasilien entdeckt wurden.

6. Ordn. Edentata. Zahnlose. Bruta L. Fischer.

Die Unvollkommenheit ihrer Zähne, welche häufig auch fehlen oder die Wurzeln und das Schmelz entbehren (die Vorderzähne im Unterkiefer fehlen immer), grofse klauenartige, abwärtsgebeugte Krallen, welche meistens in einer Scheide stecken, und die Lang- samkeit ihrer Bewegungen stellen diese Thiere niedriger als die der vorigen Ordnungen.

Sie leben vorzugsweise von Blättern, einige von Insecten oder von beiden zugleich und bewohnen in der jetzigen Welt nur tropische Gegenden, besonders Süd-Amerika. Fossile Arten zeigen ihre Existenz während der Tertiär- und Diluvial-Epoche auch in Europa an. |

Ueber die Phyllophagen oder die Blätterfressenden verdanken wir Owen, dem berühmten englischen Anatom, in neuester Zeit eine Monographie *), aus welcher abermals hervorgeht, wie die in der jetzigen Schöpfung zwischen vereinzelten Formen bestehen- den Lücken durch Gestalten der Vorwelt ausgefüllt werden.

Sie zeichnen sich durch das Vorhandensein weniger Zähne aus, welche aus einer gefälsreichen und einer cämentartigen har- ten Zahnsubstanz bestehen, wovon die erstere den breiten, mitt- leren Theil des Zahnes einnimmt. Ein Fortsatz des Jochbeines steigt gegen den Unterkiefer herab. Schulterhöhe und Raben- schnabelfortsatz sind mit einander verwachsen.

Die erste Familie, welche die Faulthiere oder die Tar- digrada umfalst, hat keinen Repräsentanten in der früheren Welt.

*) Description of the Skeleton of ‘on extinct gigantic Sloth, Mylodon robustus Owen, by Richard Owen. London, 1842. und: Zoological Summary of the Extinet and Living Animals of the Order Edentata, by Prof. Owen in Jameson’s Edinburgh new philos. Journ. 1843. p. 353.

26 SÄUGETHIERE.

Dagegen war eine andere Familie, von ihrem schwerfälligen Gange Gravigrada genannt, welche durch ihre Charaktere die Faulthiere und die noch lebenden Edentaten mit längerem Kopfe verbindet, in gigantischen Gestalten sehr entwickelt. Ihre Beine sind kurz und stark, gleich oder fast gleich;. Hände fünf- oder vier- zehig, Fülse vier- oder dreizehig; 1—2 abgestutzte äufsere Zehen zum Unterstützen und zum Schreiten, die übrigen gekrümmten zum Greifen bestimmt. Jochbogen geschlossen, Schlüsselbeine voll- kommen, Schwanz mittelgrofs, dick und zum Unterstützen bestimmt.

+ 1.G. Megalonyz Jefferson. (ufyas, grols; ovv&, Klaue.)

2” fast elliptische, in der Mitte der Krone ausgehöhlte Backen- zähne mit vorstehenden Rändern. Die Vorderbeine sind die länge- ren. Tibia und fibula sind von einander geirennt; die Ferse ist lang, zusammengedrückt und hoch, und die Krallen sind ‚grofs und zusammengedrückt.

M. Jefferson: Cuv. (Megatherium Jefferson: Desm., Fisch.) ist die einzige sicher bestimmte Art, deren Grölse etwa die eines grolsen Ochsen erreicht haben mochte und demnach die des grölsten jetzt lebenden Edentaten um das Dreifache übertraf. Es gehört dem Dilu- vium oder noch jüngeren Gebilden von Nord- und Südamerika an. Die ersten Knochen davon wurden 1796 5’ tief im Boden einer Höhle der Grafschaft Green Briar in West-Virginien aufgefunden. Döllinger wiels es zuerst in Südamerika nach, Spix und Martius, sowie Lund fanden Reste von dieser oder einer neuen Art in den Knochenhöhlen Brasiliens.

+ 2. G. Megatherium Cuv. (u£yas, grols; $nglov, wildes Thier.)

Mit 2+ an einander siofsenden, viereckigen Bekz., deren Krone queergefurcht ist; Hände vierzehig, Fülse dreizehig; die beiden äulseren Zehen sind abgestutzt. Von den grofsen, verschieden ge- stalteten Krallen sind die mittelsien Zehen zusammengedrückt und die grölsten. Oberschenkel mit ungetheiltem Kopfstück, tbia und fibula an beiden Enden zusammenhängend; astragalus oben an seiner vorderen Seite ausgehöhlt; die Ferse ist lang und dick.

M. Cuvieri Desm. Bradypus giganteus Pander und: d’Alton. Riesenfaulihier. Parkinson, Organ. rem. P. 3. Pl. 22. ra, PAARE Buckl. Geol. and Min. Pl. 5. Br. Leth., Tb. 44. f. 4. Pictet, Pal. Fr Bist |

Hiervon findet sich ein vollständiges Skelett in dem Museum von Madrid, welches 1789 3 Meilen südwestiich von Buenos -Ayres entdeckt wurde. Ein zweites wurde 1795 in Lima, ein drities in Paraguay

ZAHNLOSE. | 27

und verschiedene unvollständige später an verschiedenen Orten Ameri- kas aufgefunden, welche wohl alle ein gröfseres Alter als die der vorigen Gattung haben. Alle Zähne des Megatherium sind verhält- nilsmäfsig breiter als die von Megalonyz, Mylodon und Scelidotherium.

Das Madrider Skelett hat eine Länge von 1% und übertrifft eine Höhe von 6. Nach Owen erreicht das Megatherium die Länge von 18 engl. Fuls, vom Kopf bis zum Ende des Schwanzes, die Biegung des Rückens mit gemessen. Mit Megatherium-Resten wurden öfters auch Theile eines knochigen Panzers gefunden, welche man lange für die Bedeckung der Megatherien gehalten hat, nach den Ansichten von Owen und Pictet würden dieselben aber eher von G/yptodon herrühren. Sellow brachte solche Panzer-Fragmente aus der Banda-oriental in Bra- siien nach Berlin, wo sie noch jetzt unter den Schätzen des dor- tigen Musei aufbewahrt werden. Sie wurden in den Abhandlungen der Berliner Akademie 1827, 1828 und 1834 von Weils und d’Alton beschrieben und abgebildet.

+ 3. G. Mylodon Owen. (Orycterotherium Harlan.) (vn, Mühle; odwv, Zahn.) Taf. I. M. röbustus Owen.

Von 2 getrennten Backenzähnen ist der vorderste des Ober- kiefers fast elliptisch und von den übrigen mäfsig entfernt; die übrigen dreieckigen sind auf der inneren Seite gefurcht. Der vordere Zahn des Unterkiefers ist gleichfalls elliptisch, der vor- letzte viereckig und der leizte, welcher der gröfste ist, zwei- lappig. Die Beine haben gleiche Länge, die Hände sind fünfzehig, die Füfse vierzehig, an beiden der zwei äufseren Zehen abgestutzt, und die übrigen bekrall. Die Krallen sind grofs, ungleich und halbkegelförmig. Das obere Ende des Schenkels zeigt einen Ein- druck von einem runden Bande; Hbia und fibula sind getrennt; der astragalus ist oben auf der vorderen Seite flach und die Ferse lang und dick. Owen unterscheidet in seinem Prachtwerke über das Mylodon robusitus drei Arten:

M. Darwinid Ow., von Darwin in Patagonien,

M. Harlani Ow., (Megalonyz laqueatus Harlan, Oryctoiherium Missouriense Harlan) von Koch in Benton-County in Nordamerika ent- deckt und später von Parkinson aus dem Oregon -Staate beschrieben und

M. robustus Owen, worüber der englische Anatom das oben angezeigte vortrefflliche Werk schrieb. Es unterscheidet sich von M. Darwinii durch ein kürzeres Kinn und dadurch, dafs der letzte Zahn dreifurchig ist, von M. Harlani aber dadurch, dafs ‘die mittlere dieser Furchen gerundet und der 2te Backzahn fast dreiseitig ist.

28 SÄUGETHIERE.

Das auf Tafel I. abgebildete Skelett milst von dem vorderen Ende des Kopfes bis zu dem Ende des Schwanzes, wenn.man den Krümm- ungen der Wirbelsäule folgt, 11 engl. (10,32 Par.) Fufs. Der Kopf des Mylodon ist länger aber schmäler als der eines Ochsen, und endet in eine abgestumpfte Schnauze. Der Rumpf ist kürzer als der eines Flufspferdes, und das Becken gleicht an Breite dem eines Elephanten, welches es an Tiefe sogar noch übertrifft. Dieses ruht auf starken aber kurzen Hintergliedern, die mit rechtwinkelig dagegen stehen- den Füfsen enden, welche die Länge des Oberschenkels erreichen. Man sieht, wie dieselben: vorzugsweise zum Unterstützen des ganzen Thie- res bestimmt waren, wozu auch zugleich der lange kräftige Schwanz mit beitrug, während das Thier mit dem vorderen Körper sich an den Bäumen emporrichtend, dieselben entblätterte. Zu diesem Zwecke mochten die Vorderfülse ihm theils als Stütze, theils zum Herablangen eines frischen, mit üppigen Blättern bedeckten Zweiges gedient haben. Jedenfalls ist aber die frühere Ansicht, nach welcher das Mylodon ein kletterndes Thier gewesen sein soll, durch Owen gründlich widerlegt

worden.

+ 4. @. Scelidotherium Owen. Platonyx Lund. (ox&:s, Schinkenbein; $notov, wildes Thier.)

Bckz. 2, die oberen dreieckig; von den unteren ist der vor- dere dreieckig, der zweite und dritte etwas zusammengedrückt, auf seiner äulseren Seite gefurcht‘, und der letzte sehr grofs und zweilappig. Der Kopf des Oberschenkels zeigt den Eindruck eines stielrunden Bandes; tbia und fibula sind getrennt; astragalus vorn mit 2 Aushöhlungen; Ferse lang und dick, Krallen grofs und halbkegelförmig. |

S. leptocephalum Ow., welches grofse Thier in Südamerika lebte;

S. Bucklandi (Megatherium B.) Lund, von der Gröfse des Megalonyz, wurde wie die folgenden in den Höhlen Brasiliens entdeckt.

S. Cuvieri (Meg. C.) Lund, von der Gröfse eines Ochsen und

S. minutum (Meg. m.) Lund,-von der Gröfse eines Schweines.

An diese Gattungen schlielsen sich folgende noch nicht ge- nau gekannten Gattungen an: + 5. G. Platyonyz Lund; (nAvrös, platt; ovv&, Klaue.) 6. G. Coelodon Lund; (xoıog, hohl; ödwv, Zahn.)

nach Owen mit $ Bckz., nach Pictet mit 5 Bckz., dessen einzige Art die Grölse des Tigers hatte, und

ZAHNILOSE, 29

7. G. Sphenodon Lund. (op9v, Keil; öö«r, Zahn.)

Mit & Bckz., nach einer Art aus Brasilien von der Gröfse eines Schweines bestimmt.

Die Gürtelthiere, welche die dritte Familie bilden und ihren Namen einem knochigen Panzer von Gürteln verdanken, un- terscheiden sich durch eine grölsere Anzahl von Backenzähnen, eine verlängerte Schnauze und kürzere Fülse von den übrigen Edentaten. Sie sind jetzt nur auf Südamerika beschränkt, hatten indefs in der Diluvialzeit auch eine viel nördlichere Verbreitung.

+ 8. G. Glyptodon Ow. (yAvunrög, geschnitten; ödwv, Zahn.)

Ihre $ Bckz. nähern sich durch ihre Structur denen der Ar- madille, sind aber auf beiden Seiten mit zwei tiefen Längsfurchen versehen. Die massiven Füfse haben kurze und niedergedrückte Klauenglieder; durch den abwärtsgehenden Theil des Jochbogens ist es den megatherienartigen Thieren noch sehr verwandt.

G. clavipes Owen (Pictet, p. 228. tb. 8. f. 1.), die einzige Art, mochte nur 3 so grofs sein als das Megatherium und lebte in der Diluvialzeit in Nordamerika.

Dieser Art werden nach Pictet jene Panzerfragmente. zuge- schrieben, welche bei Megatherium p. 27 Erwähnung fanden und von Weils auf Taf. 2. F. 4—6 abgebildet worden sind. Diese Pan- zer bestehen aus etwa 13” breiten und sehr dicken, meistens sechs- seitigen Stücken, welche mit breiten, rosettenförmigen Rändern an einander gränzen und auf ihrer unteren (inneren) Fläche flach vertieft sind. |

+ 9. G. Hoplophorus Lund. (ör%ov, Waffe; g0gw, tragen.) Mit einigen Arten aus Brasilien, etwa von der Gröfse eines Ochsen, nähert er sich durch das abwärtsgehende Ende des Joch- bogens und die plumpe Gestalt den Megatherien, durch seine ver- kürzten Fülse aber dem Glyptodon und war, wie diese Gattung, mit einem ähnlichen Panzer bedeckt. (Pictet, p. 229.)

+ 10. G. Pachytherium Lund. (zuyvs, dick; 97oiov,

wildes Thier.)

Ist nur unvollkommen gekannt.

+ 11. G. Chlamydotherium Lund, früher Oryctotherium ”) (xAauvs, ein Reiterrock; $notov, wildes Thier.)

In der Bildung der Knochen und des Panzers, sowie auch

durch das Vorhandensein kleiner Schneidezähne dem Armadill ähn-

*) Später brauchte Harlan diesen Namen für einen andern Edentaten

30 SÄUGETHIERE.

lich, durch die Backenzähne aber an die Faulthiere und Mega- therien erinnernd, bildet es mit seinen 2 brasilianischen Arten, wovon die eine an Gröfse dem gröfsten Rinozeros gleicht, einen Uebergang zu der jetzt noch lebenden Gattung:

12. G. Dasypus L. Gürtelthier, Armadill, Tatu,

von welcher Lund mehrere in Brasilien gefundene fossile Arten ‚anführt, die den dort noch lebenden Arten ähnlich sind.

Die aus dem Sande der Auvergne cilirte Art und D. mazimus und antiquus, 2 grolse fossile Arten aus Nordamerika, gehören, nach Pictet, wohl zu anderen Gattungen.

+13. G. Euryodon Lund. (edoög breit; öd@v, Zahn.) und + 14. G. Heterodon Lund. (Ereoog verschieden; ödwv, Zahn.)

weichen von Dasypus durch einige Veränderung in der Zahnbild- ung ab. \

Auch die Ameisenfresser oder Myrmecophaga fehlten nicht in der früheren Welt, und sie sind nach Pictet die ein- zigen Edentaten, von welchen man wahrscheinlich fossile Reste auch in Europa fand. Diese bestehen in einem Klauengliede aus dem tertiären Sande von Eppelsheim, welches von Cuvier einem gigantischen Pangolin (Schuppenthier, Manis L.) zugeschrieben wurde, nach Kaup jedoch vielleicht zu dem Deinotherium gehört und von Lartet mit einigen bei Sansans im D£p. du Gers auf- gefundenen Ueberbleibseln zu der |

+ 15. G. Macrotherium Lartet (uaxgög, grols; $noior, wildes Thier.)

erhoben wurde, deren Klauen demnach denen des Schuppenthie- res glichen und deren Zähne ohne Wurzeln und Email wie bei den Faulthieren waren. (Pictet, p. 253. tb. 8. f. 3.)

+ 16. G. Glossotherium Owen. (yAwooo, Zunge; Ynolov, wildes Thier.)

Ist nur nach dem oberen Theile eines Schädels aufgestellt worden, an welchem der scharfsinnige Anatom Beweise entdeckt zu haben glaubt, dals die Zunge sehr entwickelt gewesen sei. Owen fand diesen Schädel in der Banda oriental.

aus dem Missouri, welchen er O. Missouriense nennt. (Leonh. Br. Jahrb.

1843. p. 117.)

DICKHÄUTER, 3l

2. Ordn. Pachydermata. Dickhäuter. (Vielhufer und Einhufer.)

Wir sehen diese Ordnung während der Zeit der tertiären und diluvialen Bildungen in Europa eine hochwichtige Rolle spie- len. An Zahl und Mannichfaltigkeit und selbst auch an Gröfse die heut noch lebenden Typen bedeutend übertreffend, füllen die untergegangenen Geschlechter dieser Ordnung fühlbare Lücken aus, welche nicht nur zwischen einzelnen lebenden Gattungen, sondern zwischen ganzen Ordnungen der lebenden Säugethiere stattfinden.

Sie erschienen in Europa gleich mit Beginn der Tertiär- epoche, also früher noch als die Raubthiere, deren späteres Auf- treten, wie Germar sehr pafsend bemerkt, schon das Vorhandensein einer grölseren Anzahl von Thieren voraussetzte.. Wollte man hieraus einen Schlufs für das Alter der knochenführenden Bild- ungen Nordamerikas ziehen, in welchen, nach Koch, die Raub- thiere gänzlich zu fehlen scheinen, so würde es der sein, dafs jener Erdtheil erst später als die alte Welt von Säugethieren be- völkert worden sei.

1. Fam. BRüsselthiere.

Ein langer Rüssel, grolse Stolszähne, emailirte Backenzähne mit einer breiten Kaufläche, und fünf von einer dicken Haut um- hüllete Zehen an allen Fülsen, aus welcher nur die hufartigen Nägel hervorragen, sind Charaktere, welche die einzige noch le- bende Gattung dieser Familie, Elephant, mit den jetzt ausgestor- benen verwandten Geschlechtern gemein zu haben scheint.

1. G. Elephas L. Elephant.

Die Backenzähne bestehen aus verticalen Leisten, von denen eine jede aus Knochensubstanz und aus einer dieselbe umgeben- den Schicht von Email gebildet ist, welche durch ein steini- ges Cäment mit einander verbunden sind. Diese Zähne, welche sich durch das Kauen, und zwar vorn am mehrsten, bedeutend abnutzen, werden durch neue, von hinten hervortretende, wieder ersetzt, so dafs man auf einer Seite des Kiefers bald einen Zahn, bald zwei Zähne antrifft. Ueber die Bildung dieser Zähne s. wei- ter unten bei Mastodon.

E. primigenius Blumenb. Mammuth. Mammont. H. v. Mey., Pal. p. 64. E. mammonteus Cuv. Fischer, Oryctogr. du Gouv. de Moscou. 1837. tb. 1. Eichwald, de Pecorum et Pachyderm. comm., Act. Ac. C. Leop. Nat. Cur. Vol. 17. tb. 52. Hiernach Taf. II. Fig. 2, in & natürlicher Gröfse.

32 SÄUGETINERR.

Der Mammuth war wenig gröfser als der noch lebende asiatische Elephant, welchem er übrigens auch am nächsten verwandt war. Wesent- liche . Unterschiede. von diesem finden sich jedoch in dem Bau seines Kopfes... Es liegt nämlich der Jochbogen gegen die Längenaxe des Kopfes viel schiefer, und der Unterkiefer ist vorn gerundeter und stumpfer als bei dem lebenden Elephanten. Die Backzähne sind aus einer . grölseren Anzahl von Leisten zusammengesetzt, die Höhlungen, in welchen die Stolszähne salsen, sind tiefer, und die Stofszähne selbst sind länger und ihre Krümmung macht, anstatt in eine Ebene zu fallen, eine schwach spiralförmige Biegung.

Ein fast noch unversehrtes Mammuth wurde 1799 an dem: Aus- flusse der Lena, in einer ungewöhnlich aussehenden Eisscholle ent- deckt. Das Eis schmolz in dem Laufe der Zeit darüber hinweg, und es zeigte sich später, dafs man hier mit einem Mammuth zu thun ‚habe, das noch mit Fleisch, Haut und Haaren bedeckt war. Als Adams 1806 das, was Füchse, Eisbären und andere Raubihiere da- von noch übrig gelassen hatten,’ sammelte, zeigte es sich, dafs diefs Thier ein kurzes, hellgelbes Wollhaar und ein braunes, 12 15 Zoll langes, gerades Haar, welches letztere eine Mähne bildete, ge- tragen hatte. Das Skelett, welches aufser den Stofszähnen, die früher aus Unkenninifs des kostbaren Fundes abgesägt worden waren und einer Beschädigung an dem einen Fulse vollständig ist, ziert jetzt das Pe- tersburger Museum.

Ein glücklicher Zufall führte im Februar 1841 zu einer ganz ähn- lichen Entdeckung, indem Motschulsky an den Ufern .des Tas ebenfalls einen vollständigen Mammuth mit Fleisch, Haut und Haaren in der vom Wasser losgespülten, gefrorenen Erde auffand, wovon die Reste durch die Bemühungen des Staatsrathes Ladyschevsky nach Tobolsk geschafft worden sind. Darin soll sogar der Magen mit einigen zurückgeblie- benen Nahrungsstoffen noch erhalien gewesen sein. (Leipz. Zeit. 1843, No. 121.) | |

Aus der Körperbedeckung dieses Thieres geht aber hervor, dafs der Mammuth nicht für ein warmes , sondern für ein kaltes Klima bestimmt- war, wofür auch die ungemein häufigen Reste sprechen, welche in nördlichen Gegenden, besonders in‘ Sibirien, davon aufgefunden wor- den. Stofszähne sieht man dort so häufig, dafs man. annehmen kann, dafs 3 des im Handel vorkommenden Elfenbeines von Mammuthen her- stamme. Darüber aber, dafs diese Thiere wirklich in jenen Gegenden ge- lebt haben und nicht erst durch Wasserfluthungen hingeführt seien, läfst die gute Erhaltung der Knochen und ganzer Skelette kaum einen Zweifel mehr übrig. |

DICKHÄUTER. 33

1817 entdeckte Kotzebue Mammuthknochen in den im atlantischen Meere umhergetriebenen Eisschollen. Ueberhaupt aber gehören die Reste der Mammuüthe zu den häufigsten Erscheinungen im Gebiete des Diluviums.

Man kennt’ sie aus Europa (Deutschland, England, Frankreich), Asien und Nordamerika. Je weiter nach Norden man vorschreitet, um so mehr nimmt, nach Koch’s Mittheilungen, in Amerika das Mammuth vor allen anderen Zeitgenossen die Oberhand. Ausgezeichnete Fundgru- ben für Deutschland sind Thiede, Canstadt und Burgtonna. Germar fand Kiefern und Zähne bei Westeregeln und Halle, v. Braun bei Bern- burg *), v. Holger einen Backzahn bei Eggenburg in Oesterreich, Glocker in Mähren, ‘und bei Gernsheim wurde 1844 aus dem Rheine ein Unter- kiefer gefischt. Sein Gewicht betrug 53 Pfund, und ein Backzahn daran war 1“ lang und 33° breit. (Nürnb. Corr. 206. 1844.)

E. priscus Goldf. v. Meyer p. 69.

Er gleicht durch die rautenförmige Bildung der Schmelzleisten mehr dem afrikanischen Elephanten.

Im. Diluvium am Rhein, bei Thiede und Wittenberg.

Es werden noch andere Arten genannt, deren Bestimmung in- dessen weniger sicher ist.

Guyon sammelte fossile Reste von Elephanten in Algerien, und Cautley und. Falconer in den jungen tertiären Schichten am Fufse des Himalaya.

+ 2. G. Mastodon“*) Cuv. Zitzenzahn. Mastotherium Fisch. (uoorog, Zitze; ödwv, Zahn).

Während die Backenzähne der Elephanten aus einzelnen mit ‚einer Lage von Schmelz bedeckten Platten oder ‚Leisten bestehen, welche durch einen steinigen Cäment (Crusta petrosa) zusammen verkittet werden, so zeigen die der mastodonartigen Thiere nur eine Knochensubstanz (Elfenbein), ihre Krone ist mit einer dicken Schmelzschicht und nur die Wurzel mit einer steinigen Schicht (Crusta petrosa ===) bekleidet, welche nach Koch dem Cämente

*) Vergl. auch Gäa v. Sachsen. p. 136.

**) Ich folge bei der Auseinandersetzung der Gattungen Mastodon, Te- tracaulodon, Dinotherium und Missourium den Ansichten des Herrn Dr. Koch, welche derselbe vor seiner Abreise nach Amerika im Mai 1844 mir noch mitzutheilen die Güte hatte; denn diese Thiere sind es gerade, auf deren Studium der unermüdliche Koch die gröfste Sorgfalt verwendet hat. Die Richtigkeit der Koch’schen Ansichten wird auch durch Grant bestätigt. (Lond. Dubl. Edinb. phil. Mag. 1843. p. 464.)

*k*) Ueber die Zusammensetzung der Crusta petrosa s. Bischoff in Leonh. Br. Jahrb. 1842. p. 147.

Geinitz, Versteinerungskunde, 3

34 SÄUGETHIERE.

zwischen den einzelnen Leisten des Mammuthzahnes entspricht. Die Krone der ersteren Zähne hat im Querschnitte mehr eine ver- längert eiförmige, die der lefzieren mehr eine verlängert viereckige Form. ‚In Bezug auf das Hervortreten neuer Zähne befolgen beide dasselbe Gesetz. Es bilden sich nämlich die neuen Zähne in Kapseln, welche sich im hinteren Theile des Kiefers vorfinden, und treten sofort hervor, wenn die älteren Zähne durch den Ge- brauch nutzlos geworden sind und aus dem Kiefer herausfallen, so dafs es diesen Thieren, welche zu einem langen ‘Leben be- stimmt waren, nie an dem nöthigen Gebisse fehlen konnte.

Die Elephanten erhalten nach und nach auf jeder Seite des Kiefers S, im Ganzen also 32 Backenzähne, Alastodon und Te- tracaulodon aber 6, und im Ganzen daher nur 24.

So lange der Elephant noch saugt, sind auf jeder Seite je- des Kiefers nur 3 Zähne vorhanden, von denen aber nur 2 sicht- bar sind, während der dritte in der Kapsel verborgen ist. Mit dem zunehmenden Alter erhält das Thier noch 5 andere Zähne; immer jedoch findet man höchstens 2 auf jeder Seite in Gebrauch, da der nächstfolgende noch in der Kapsel eingeschlossen und in seiner Bildung begriffen ist. Aeltere Individuen lassen nur einen ausgebildeten Zahn auf jeder Seite des Kiefers erkennen.

Mastodon und. Tetracaulodon erhalten zuerst 2 Milchzähne, welchen mit zunehmendem Alter nach und nach 3 andere Zähne und im alten Zustande ein sechsler. folgen.

Bei Mastodon nehmen die Zähne an Grölse zu, von dem ersten bis zum sechsten. Die Milchzähne sind vorn, die letzten, Zähne umgekehrt hinten am schmälsten. -Die Zähne des Ober- kiefers sind breiter und kürzer als die des Unterkiefers und haben, mit Ausnahme des M. Cuvieri, eine Abtheilung weniger als die letzteren. Es zerfallen die Zähne nämlich in mehrere quere Haupt- abtheilungen, welche der Länge nach durch eine starke Vertiefung in eine doppelte Menge warzenförmiger Erhöhungen getrennt wer- den, denen auf der unteren Seite ebenso viele Wurzelenden ent- sprechen. Ebenso ist auch die Gestalt der Zähne des Tetra- caulodon, welche Gattung wiederholt mit Masiodon vereinigt worden ist; Koch zeigte jedoch, dafs an dem hinteren Ende der Zahnkrone eines wirklichen Mastodon noch ein hackenförmiger Ansatz vor- handen ist, welchem gleichfalls ein Wurzelende entspricht.

Mastodon hat nur im Oberkiefer 2 Stofszähne von Elfen- bein, die mit einer dünnen Lage der steinigen Kruste bedecks

DICKHÄUTER. 35

werden; Tetracaulodon hatte aber auch noch im ee 2 kleine Stolszähne. td

Mastodon giganteus Cuv. Taf. Il. Fig. 3. D- M. mazimus Cuv.; Mammonth Ohioticum Blumenb.; Amerikanischer Mammuth: Ohio- Thier; Harpagmotherium Canadense Fisch.; Fleischfressender Elephant Hunter.

«oh. v2 Mey. 9270. Br. Detk.' p: 1235. tb. 2.

Die Krone seiner ersten beiden Milchzähne ist etwas länger als breit und zerfällt durch eine Längs- und eine Quer-Vertiefung in 2 zwei- warzige Haupterhöhungen, und an beiden Enden befindet sich daran noch der kleine höckerförmige Ansatz. Die 3 nachfolgenden Zähne zerfallen in 3, der sechste Zahn in 4 und im Unterkiefer sogar in 5 zweiwarzige Hauptabtheilungen. Der höckerförmige ' Ansatz ist an dem letzten Zahne am grölsten.

Ein vollkommenes Skelett davon ist in Philadelphia, welches Koch untersuchte, und ein anderes in Baltimore. Es hat bei dem ersten Anblicke mit dem eines Elephanten grolse Aehnlichkeit, doch ist es noch robuster als jenes gebaut, indem alle einzelnen Knochen des Masto- don kürzer und dicker sind. Die Augen des Thieres waren klein, die Geruchsorgane hingegen sehr ausgebildet. Aus der Beschaffenheit der Zähne schliefst Koch, dafs seine Hauptnahrung in Baumzweigen, Rohr und anderen Pflanzen bestanden habe, welche es sich, wie der Elephant, durch seinen langen Rüssel verschaffte. Diefs stimmt allerdings auch mit dem Vorkommen seiner Ueberreste, welche am häufigsten in einer sumpfigen Gegend des Staates Kentucky, welche den Namen Big-Bone Lick führt, gefunden werden, so dafs es wahrscheinlich einst die Moräste und Urwälder der vereinigten Staaten Nordamerikas, besonders Ken- tucky und Ohio, bewohnt hat.

M. angustidens Cuv., v. Mey. p. 71.; Br. Leth. p. 1238.

Die Zähne. sind verhältnifsmäfsig viel schmäler und länger als die der vorigen Art; der erste Milchzahn besitzt noch 2, der zweite hingegen schon 3 Hauptabtheilungen. Bei ihrer Abnutzung stellen die Warzen Flächen von der Form eines dreiblätterigen Kleeblaltes dar.

Man hat ihn öfters in tertiären Schichten des südlichen Frank- reichs, Deutschlands’ und der Schweiz gefunden, nach Koch scheint aber sein Lieblingsaufenthalt Brasilien gewesen zu sein.

M. longirostris Kaup, Atlas aux oss. foss. lor. 3. tb. 16 18. Hiernach: Taf. II. Fig. 4. (3). Br. Leth. p. 1237. tb. 43. 5. M. Avernensis Croiz. et Job. il

Diese Art mochte die Höhe von 11’ und die Länge von 18° erreicht haben. Ihre Backzähne waren noch schmäler als die der vorigen

3%

36 SÄUGETHIERE.

Art, an der Krone in mehr Querabtheilungen zerlegt, und die ein- zelnen Warzen zeigten nach ihrer Abnutzung ähnliche Kleeblatiflächen wie bei der vorigen. In mittleren tertiären Bildungen von Eppelsheim bei Mainz, Georgens- gmünd, in jüngeren am Puy-de-Döme in der Auvergne und zu Sansans. Koch unterscheidet, aufser den von H. v. Meyer aufgeführten

Arten, noch:

M. Cuvieri Hays und M. rugadens Koch, eine noch un- beschriebene Art, welche beide aus der Nähe des Missouri stammen. Der Name der letzteren Art ist wegen der dichtstehenden kleinen Falten gewählt, welche das ganze Email überdecken.

+ 3. G@. Tetracaulodon Godman. (Tirea, vier; zaviög, Stiel; odwv, Zahn).

Der vorigen Gattung höchst ähnlich, allein mit 2. kleinen Stolszähnen im Ober- und im Unterkiefer und Backenzähnen ohne einen hackenförmigen Anhang (s. u. Mastodon). Nach Koch ist der Unterschied beider Geschlechter auch durch mikroskopische Untersuchungen ihrer Fangzähne dargethan worden. Diese Stofs- zähne (Fang- oder Schneidezähne) tragen unverkennbare Spuren, dafs sie beim Wühlen zum Ausroden der Nahrungsmittel gebraucht worden ‚sind. Von feinem Elfenbein gebildet, siecken sie fast bis zur Hälfte in der Kinnlade verborgen, so dafs sie mit grolser Kraftäufserung angewandt werden konnten, und sind an ihren freien Theilen, von der Mitte an bis zu dem äufsersten Ende, mit einer sehr dicken steinigen Rinde (crusta peirosa) bedeckt. Es scheint daher, als haben diese Thiere die früheren Binnenseeen und grö- fseren Flüsse bewohnt und an deren schattigen Ufern von den dort wachsenden Wurzeln, Knollen und üppigen Gewächsen aller Art sich genährt. Koch schliefst aus einem Unterkiefer, welchen er auffand, dafs die weiblichen Individuen des Teiracaulodon zu der Zeit ohngefähr, wo sie den zweiten Milchzahn verloren, auch die Stofszähne im Unterkiefer eingebüfst haben.

T. Godmani Hays. Diefs ist die Art, welche von vielen Sei- ten für identisch mit Mastodon. giganteus und zwar für ein junges In- dividuum ' desselben gehalten worden ist.

Die Stofszähne des Unterkiefers sind nur 4 ihrer Länge äufser- lich sichtbar. Sie laufen ganz geradlinig und nach beiden Enden spitz zu. Das Wurzelende ist ohne Markhöhle und statt dieser erkennt man hier nur eine Oeffnung von der Dicke einer Stecknadel, welche. den

DICKHÄUTER. 37

Zahnnerv empfing. Das entgegengeseizte emailirte Ende des Zahnes ist etwas kolbenartig. Die oberen Stofszähne biegen sich hingegen von oben nach unten und nach der Seite. An den Spitzen dieser 4 Zähne zeigt sich durch Abreibung der härteren Rinde ihr langer Gebrauch.

Im Diluvium ‘oder in vielleicht noch jüngeren Gebilden von New- York und Missouri.

T. Kochii Grant. Von dieser einen Art entdeckte Koch 3 alte Individuen und 1 Junges in Missouri. Sie besitzt ebenfalls 2 Stofs- zähne im ‘Oberkiefer, aber nur einen (?) etwas links stehenden im Unterkiefer, und sollte daher eher Trecaulodon heilsen. Die oberen sind an ihrem hervorragenden Theile kolbig und am Wurzelende spiiz; der untere ist überall fast von gleicher Dicke und hat eine sehr grolse Markhöhle. Allen 3 Zähnen fehlt die Email-Schicht, und sie sind nur mit einer dicken Lage der steinigen Kruste bedeckt.

T. Haysii Grant, aus ähnlichen Bildungen Nordamerikas wie die vorigen beiden, steht dem Denotherium am nächsten.

Die oberen Stofszähne sind gerade und in der Mitte ihrer Länge am dicksten. Alveolen im Unterkiefer zeigen, dafs die unteren zu- sammengedrückt waren und sich abwärts bogen. Statt der Emailschicht sind die ersteren auch nur mit jener steinigen Rinde bedeckt. Die Krone der Backenzähne ist jedoch emailirt.

“aba tapiroides Koch, wurde 1840 und T. Bucklandi Grant, 1842 von Koch im Missouri - Staate entdeckt.

r74.G. Dinotiherium (Deinotherium) Kaup. Taf. Il. Fig. 7. (dewös, fürchterlich; 97oiov, wildes Thier).

Diese von Klipstein “) im tertiären Sande von Eppelsheim ent- deckte Gattung weicht durch ihre zwei grolsen, abwärts; und rückwärts gebogenen Stolszähne im Unterkiefer so sehr von den bisher bekannten Thierformen ab,, dafs die Ansichten, ob Dinotherium ein. Land- oder Wasserthier war, noch ‚immer getheilt sind.. Kaup rechnet es den Landthieren zu und vermuthet, dafs die von Cuvier einem gigantischen Pangolin ”")_ zugeschrie- bene Klaue von Deinotherium herrühre, _ Nach seiner, ‚Ansicht mochte das Thier die Gestalt haben, wie es Taf. I. Fig. 7 zeigt, und ihm. scheint seine Lebensart die gewesen zu sein, dafs es sich auf der Erde langsam fortbewegte und mit den ungeheueren

x) Beschreibung u. Abbild. von dem in Rheinhessen aufgefundenen co- lossalen Schädel des Dinotherii gigantei, von Eu u. Kaup. Darın- stadt. 1836.

**) S. u. Ameisenfresser.

38 SÄUGETTHIERE.

Stofszähnen die Erde nach Wurzeln und Knollen aufwühlte, um dieselben mit seinem Rüssel zum Munde zu führen.

Nach Buckland war es ein Wasserthier, wofür der wallfisch- ähnliche Bau seines Hinterkopfes spricht. Pictet bildet das- selbe hiernach in seiner Paleontologie auf Pl. 16 mit einem wall- fischartigen Körper ab und rechnet es zu den pflanzenfressenden Fischsäugethieren.

Durch Arten der vorigen Gattung bestimmt jedoch Koch wohl mit allem Rechte als Siellung des Deinotherium die, welche es hier. einnimmt.

D. giganteum Kaup. All. aux Oss. foss. livr. 1. tb. 1—)5. Hiernach: Taf. II. Fig. 5 und 6, Backzähne; 7, ideale Zeichnung nach Kaup. Br. Leth. p. 1231. Dieser Art gehört der ausgezeich- nete Schädel von 3’, Pariser Länge an, welcher 1836 in Eppels- heim ausgegraben wurde. Er zeichnet sich, nach Kaup, durch die un- geheueren Schläfengruben, welche mit einem gewaltigen Schläfenmus- kel zur Bewegung des kolossalen Unterkiefers erfüllt gewesen waren; durch kleine nach hinten sich‘ öffnende, über den beiden vorderen Backzähnen liegende Augenhöhlen; durch schwache Jochbeine und eine ungeheuere Grube für den Rüssel; durch 2 ganz hinten und hoch lie- gende Gelenkköpfe für den Atlas; durch Mangel der Nasenbeine; kurze Stirnbeine und eine quere Hinterhauptsgrube, die vielleicht auch zur Aufnahme eines den grofsen Rüssel des Thieres bewegenden Muskels diente, vorzüglich aus. j

Das Denotherium scheint im ganzen 24 Backenzähne gehabt zu haben, von denen jederseits 5 stehen, vor welchen aber ein ande- rer wahrscheinlich schon ausfiel. Ihre Krone hat eine viereckige oder länglich viereckige Gestalt, und ist in 2, bei dem zweiten obe- ren Milchzahne und dem dritten, mittleren Backzahne in 3 dachförmige Quererhöhungen abgetheilt, deren Schärfe gekerbt ist.

Das Thier mag zum grölsten Theile in Binnenseeen oder grö- fseren Flüssen, ähnlich dem Tapir, wohin es auch Cuvier stellte, gelebt und seine Nahrung in Wurzeln, Knollen und Wassergewäch- sen bestanden haben, indem ein Unterkiefer von so bedeutendem Gewichte, welches durch 2 grofse Stofszähne noch vermehrt wurde, einem Landthiere nur Beschwerde und Hindernifs sein mufste. Es mochten aber seine Stofszähne nicht nur zum Ausroden der Nahrung dienen, sondern wohl auch als furchtbare Waffe und als Anker, so dals sich das schwimmende Thier mit ihnen an dem Ufer einhakte, um ohne Gefahr schlafen und athmen oder sich besser an das Land ziehen zu können. |

DICKHÄUTER. 39

Aufser Eppelsheim hat man Zähne und Knochen im ‚Sülswasser- kalke des Gers-Dept. bei Auch und bei Sansans gefunden, im Tegel bei Wien, in. tertiären Schichten der Schweiz, in den Bohnengruben Wür- tembergs und im Thone über der Braunkohle bei Altenburg.

Dem D. medium Kaup von Eppelsheim und D. Bavaricum v. Mey., ebendaher, aus Baiern und Frankreich, wurde von Koch noch eine vierte Art, D. angustidens Koch, aus Ostindien hinzugefügt, von wo ein Unterkiefer im brittischen Museum und ein halber Unterkiefer in den Händen des Herrn Kammerherrn v. Ende in Dresden sich befindet. D. australe nannte Owen eine fossile Art aus Australien.

+5. G. Missourium Koch.

Einzige Art; M. theristocaulodon Koch. Taf. 1. Fig. 1. Aus Diluviam oder Alluvium im Staate Missouri.

Dies ist das gröfste unter allen bis jetzt bekannten fossilen Säuge- thieren, 30° lang und 15° hoch. Es mochte noch an dem. Anfange unserer jetzigen Weltepoche gelebt haben, da Dr. Koch unter diesem Gerippe eine Pfeilspitze fand, welche aus Feuerstein gearbeitet und denen sehr ähnlich ist, welcher die Indianer sich jetzt noch bedienen.

Im Allgemeinen ist diels Skelett dem eines Teiracaulodon höchst ähnlich, weflshalb es, sowie Tetracaulodon selbst, von Owen für ein Mastodon giganteum gehalten worden ist”).

Zahl und Form der Backenzähne ist fast gänzlich wie bei Teira- caulodon, nur sind sie relativ kleiner und mit einer dickeren Lage von Email bedeckt. Wesentlich weicht es jedoch davon ab durch 2 ungeheuere (10° lange) Stofs- oder Fangzähne im Oberkiefer, welche viel fester und tiefer in dem Kiefer eingesetzt sind als bei Mastodon und dem Elephanten. Die steinige Rinde, welche dieselben bedeckt, ist hier über $3” dick, bei dem Mastodon kaum 15“. Ganz eigen- thümlich ist auch die horizontale Krümmung dieser Zähne, welche “englische Anatomen einer zufälligen ovalen Verdrückung zuschrieben. Ist diese aber schon bei der Gestalt des Zahnes, dessen Querschnitt 63” hoch und 6” breit ist, nicht wohl anzunehmen, so versichert auch Koch, dafs er bei dem Ausgraben den rechten Zahn noch ganz un- versehrt in dem Schädel habe sitzen sehen und dafs derselbe: erst in St. Lowis durch einen unglücklichen ‚Fall abgebrochen sei.

‘u Der ganze Bau des Hissouriums weist, nach Koch, darauf hin, dafs es mehr in dem Wasser als auf dem Lande gelebt hat. Der Kopf ist sehr flach, dem des Nilpferdes ähnlich und war, anstatt mit

*) London, Edinb., Dubl. Phil. Mag. 1843. p. 56. etc.

40 SÄUGETHIERE.

einem Rüssel, vermuthlich nur mit einer verlängerten Schnauze ver- sehen. Der erste Halswirbel besitzt mächtige Querfortsätze. Die - vorderen Rückenwirbel haben Dornfortsätze von 18—27’” Länge. Die Rippen sind verhältnifsmälsig dünn und kurz und stehen mit. ihren schar- fen Kanten nach- innen und aufsen. Das Schulterblatt ist 1“ lang und 2’ 7” breit; der Schulterknochen 5% lang und der Umfang seines dicksten Theiles beträgt 3“. ;

Alle Knochen des M. endlich, die Wirbel nur ausgenommen, zei- gen keine Markhöhlen, sondern nur eine knöcherne zellige Masse, welche im lebenden Thier wahrscheinlich mit Fett erfüllt war.

Nach dem geringen Raume für das Gehirn zu schliefsen, mufste das M. ein träges Thier sein, welches sich nur wenig bewegt zu haben scheint und mit seinen Sichelzähnen eine grolse Menge Rohr oder andere Gewächse, die es zu seiner Nahrung brauchte, auf einmal zusammen- raffte. Letztere dienten ihm ferner zum Bahnen des Weges durch dicht stehendes Rohr, zum Schutz für seine Augen und seine dünnen Rippen, sowie auch zum Ankern am Ufer.

2. Fam. Eigentliche Dickhäuter.

Stofszähne fehlen, und die Füfse sind 4-, 3- oder 2zehig.

Sie spielen schon am Anfange der tertiären Epoche eine wichtige Rolle. y

6. G. Hippopotamus L. Flufspferd. Nilpferd.

Plumpe. Thiere mit fast gleich langen Gliedmafsen, 4zehigen Füfsen und # Backz. Die vorderen derselben sind kegelförmig, die hinteren grölseren sind aus 2 Paaren dreiseitiger Zacken gebildet, welche durch Abnutzung kleeblattförmige Kauflächen entstehen las- sen (Taf. IV. Fig. 11.). Die Eckzähne im Oberkiefer sind gerade, die im Unterkiefer rückwärts gekrümmt und sehr dick.‘ Vdz. 3, die oberen kegelförmig und zurückgekrümmt, die unteren lang, eylindrisch, gerade und liegen fast horizontal.

Die einzige lebende Art, das Flufspferd, ist nur auf Afrika beschränkt, wo es die Flüsse bewohnt, 2 fossile Arten waren über einen grofsen Theil von Europa verbreitet.

H. major Cuv. v. Mey. p. 73; Keferst. p. 21i; Br. Leth. p. 1218. tb. 46. f. 1. Hiernach ein hinterer Backzalın Taf. IV. Fig. 11. (2)

Es war wenig grölser als die lebende Art, hatte jedoch etwas niedrigere Beine.

In den jüngsten tertiären Bildungen am Puy-de-Döme, im Dilu- vium von England, Frankreich, Italien und Sicilien, und nach Kefer- stein auch in Deutschland. |

DICKHÄUTER. 41

H. minutus Cuv., aus der Knochenbreccie von Dax, hatte die Gröfse eines Ebers. | Zwei Arten aus den Siwalikbergen, mit $ Vdz. und # Bekz.,

vereinigen Cautley und Falconer zu der er Besapihl todon. (Wiegm. Arch. 1839. Bd. 2. p. 413.)

+ T. G. Potamohippos Jäger.

Aus den Bohnerzgruben Würtembergs, ist nach wenigen Zäh- nen bestimmt, welche denen des Hippopotamus am ähnlichsten sind. (Jäg. Foss. Säugeth. Würt. tb. 4. f. 51. 52. 64—75.) |

8. G. Sus L. Schwein. Cochon.

Vdz. &; Eckz. j, dreikantig; Bckz. 7.

Fossile Reste kennt man nur aus den jüngeren tertiären und diluvialen Schichten.

S. palaeochoerus Kaup. Atl. aus Oss. foss. lior. 2. tb. 9. f- 1 —46. Taf. IV. Fig. 9, Backzahn nach Jäger, foss. Säug. Würt. tb. 10. f. 27. Ihre Backzähne sind durch den gekerbten Rand, wel- cher die Höcker. umgiebt, leicht kenntlich.

Aufserdem kennt man noch mehrere Arten aus dem Sande von Eppels- heim, am Puy-de-Döme u. v. a. O. Die aus den Knochenhöhlen von Deutsch- land, Frankreich und England, aus der Knochenbreccie und den Torfmooren bekannten Reste scheinen dem wilden Schweine $. scrofa anzugehören.

Cautley und Falconer trennen die in tertiären Lagen am Hi- malaya gefundenen Reste unter dem Namen Chaerotherium von Sus ab.

9. G. Dicotyles Cuv. Pekari.

Zwei Arten leben noch in Südamerika, mehrere fossile zeigt

Lund aus Brasiliens Höhlen an.

+ 10. G. Choeropotamus Cuv. (xoioog, Ferkel; zorauös, Fluls).

#5 Bekz., denen des Nilpferdes ähnlich, indem die hintersten 4 im Quadrate stehende Haupthöcker, aufserdem aber noch einen kleinen Höcker zwischen den vorderen,‘ einen zwischen den hin- teren und einen zweilappigen, in der Mitte stehenden zeigen.

C. Parisiensis Cuv., (Br. Leth. p. 1222. tb. 46. f. 5.) um- falst ein Schädel- und ein Unterkieferstück aus dem Gypse des Mont- martre und aus tertiären Schichten von. England.

+ 11. 6. Hyotherium H. v. Mey. Br. Leth. p. 12a (ös, Schwein; 9oiov, wildes Thier.)

Eine“ Art aus’ tertiären Süfswasserschichten von Georgensgmünd:

H. Sömmeringii v. Mey. (Br. Leth. tb. 46. f. 7.)

42 SÄUGETHIERE.

H. medium H. v. Mey. (Leonh. Jahrb. 1843, p. 385) ist häufig in Tertiärschichten des Mainzer Beckens.

+ 12. 6. Hyracotherium Owen (üea&, Maus; Inoiov, | wildes Thier).

Zwei Arten, aus dem tertiären London-Thone und zu NET in Suffolk. (Pictet, Pal. p. 258.)

+ 13. G. Anihracotherium Cuv. Kohlenthier (av$oas, Kohle; Inetov, wildes Thier).

Bekz. 7, von denen die unteren mit stumpf kegelförmigen, jedoch nicht gerundeten Spitzen, die oberen viereckigen mit 4 stumpfen Haupterhöhungen und einer verschiedenen Anzahl von kleinen Erhöhungen versehen sind. Eckz. denen des Tapir ähn- lich; die 4 unteren Vdz., wie bei dem Schweine, nach vorn liegend. (Pictet, p. 259.)

Man kennt von dieser Gattung mehrere Arten, welche den tertiären Gypsen und Braunkohlen angehören.

A. Alsaticum Cuv. Taf. IV. Fig. 12. (Der zweite Backzahn des Unterkiefers nach Br. Leth. tb. 46. Fig. 4, aus einem Braunkoh- lenlager von Böchelbrunn im Elsafs.)

Andere Arten kommen in der Braunkohle von Cadibona im Pie- montesischen, in der Auvergne und in Bengalen vor.

Vor kurzem wurde der letzte Unterkieferzahn einer Art in der Braunkohle zu Rott, östlich des Siebengebirges, entdeckt. (Leipz. Zeit. 1844. No. 188.)

14. G. Rhinoceros L. Nashorn. Aceratherium Kaup. Coelodonta Bronn.

Vdz. verschieden, Eckz. fehlen, Bekz. $#. Diese sind, aufser dem dreiseitigen hintersten Zahne, vierseitig und fast quadratisch. Ihre eigenthümliche Gestalt geht aus den Abbildungen auf Taf. Ill. hinreichend klar hervor. Der lange Schädel steigt nach hinten zu allmählig empor und fällt hinten wieder senkrecht ab. Die von den Zwischenkieferbeinen seitlich getrennten Nasenbeine sind lang und stark, oben gewölbt und vereinigt, und tragen 1—2 aus Haarsubstanz gebildete Hörner. Fülse dreizehig, aufser bei R. in- cisivus, dessen Vorderfülse vierzehig sind. Nur Asien und Afrika beherberget die noch lebenden :Arten, in ‘der jüngeren Tertiär- und in der Diluvialzeit hingegen spielten die fossilen Rhinoceros- Arten auch in Europa eine mächtige Rolle, und hatten so ziem- lich dieselbe Verbreitung wie der Mammuth.

DICKHÄUTER. 43

Köpfe fossiler Rhinoceros-Arten hielt man lange für die Köpfe des Greifen, Gryphus antiquitatis Schubert, und die Hör- ner des Nashorns wurden für die Klauen dieses fabelhaften Vogels

gehalten, welche Ansicht jedoch von Fischer widerlegt worden ist ").

R. tichorhinus Cuv. Taf. II. Fig. 5, 9, 10, 11, 2. R. antiquilatis Blum. R. Pallasiü Desm. Fischer, Oryct. du Gouv. de Moscou. tb. 2 u. 3. Br. Leth. p. 1211. tb. 43. f. 7. tb. 47. f. 3.

Schon im Jahre 1771 wurde im gefrorenen Sande am Ufer des Flusses Wilhui bei Irkuzk, ein vollständiges Cadaver dieser Art gefun- den, von welchem Pallas berichtet, dafs es mit langem Haare, beson- ders an Kopf und Fülsen, bedeckt gewesen sei. Daher mochte auch dieses Thier, gleich dem Mammuthe, mehr für nördlichere als südlichere Gegenden bestimmt sein. Es war dem afrikanischen Nashorn ähnlich und trug, wie dieses, zwei lange Hörner. Von allen anderen fossilen und lebenden Arten unterschied es sich vorzüglich durch die Bildung des Nasenbeines, welches sich in der Spitze niederbeugt und sich mit dem vorderen Theile des Oberkiefers verbindet, welcher bei allen an- deren Arten frei steht. Auch sind die Nasenlöcher durch eine kno- chenartige Scheidewand von einander getrennt, Die Backzähne ähneln denen des ostindischen Nashorns; die Schneidezähne, welche noch unbekannt sind, scheinen sehr bald ausgefallen zu sein oder ganz zu fehlen.

Sehr verbreitet im Diluvium von Sibirien, England, Deutschland, Ober- Italien und in den Knochenhöhlen von Franken (Schneiderloch), Sundwich, England. Ein sehr vollständiges Individuum, von Ober-Gebrau bei Nord- hausen, ist in dem Halle’schen min. Museum. Die auf Taf. III, abgebil- deten Zähne wurden bei Oelsnitz im sächs. Voigtlande vom Herrn v. Gutbier aufgefunden, welchem ich auch die Zeichnungen derselben ver- danke. Im vorigen Jahre wurden auch Zähne und Knochen im Sande der Lösnitz bei Dresden entdeckt.

R. Schleiermacherd Kaup. Atl. aur Oss. foss. lor. 3. tb. 10. f! 1. %. 11, 12. f. 1—T7.tb. 13. Hiernach: Taf. Ill. Fig. 6, 7, Backzahn und Oberschenkel. |

Es steht dem in Sumatra lebenden am nächsten, ist auch zwei- hörnig und hat % stehen bleibende Schneidezähne. ‘Es übertraf es jedoch durch seine bedeutendere Gröfse, durch kürzere und stumpfere Nasenbeine, durch eine‘ scharfkantige Erhöhung auf der Oberfläche des Schädels über ‘den Schläfengruben u. s. w. Den starken seitlichen Fortsatz am Oberschenkel zeigt Taf. II. Fig. 7. : In

*) Fischer de Waldheim, sur le Gryphus Antiquitatis. Moscow. 18836.

44 SÄUGETHIERE.

Tertiär bei Eppelsheim, Georgensgmünd, Egeln (n. Germar) und? in den Bohnerzgruben der würtembergischen Alb,

R. ineisivus Cuv. Aceratherium incisivum Kaup. Atl. aus Oss. f. lor. 3. tb. 10. f. 2. und td. 14, 15. Taf. II. Fig. 8. a, Backzahn und 8. b, Schneidezahn.

Bei aller Aehnlichkeit mit R. Schleiermacheri, welches jedoch gröfser ist, mit 3 Schneidezähnen, unterscheidet ‘es sich von diesem durch glatte, dünne, schmale und Sich emporrichtende Nasenbeine, welche gar kein Horn trugen, und durch seine vierzehigen Vorderfülse.

Mit der vorigen Art ist sie für die Tegelbildungen der Tertiär- formation bezeichnend, und kommt, nach Bronn, im Tegelkalke zu Oppenheim und Budenheim, im Sande von Eppelsheim bei Alzey, zu Mombach, zu Westeregeln bei Magdeburg, im Wiener Becken, zu Georgensgmünd bei Nürnberg und in Frankreich zu Sansans im Gers Dep. u. a. O. vor. 4

Aufser einigen anderen weniger wichtigen Arten, die in Europa noch vorkommen (H. v. M. Pal. p. 76, 77), wiesen ‚Cautley und Fal- coner Rhinocerosresie an den Ufern des Jrawadi in oberen tertiären Schichten am Himalaya, Andere dieselben in diluvialen Bildungen Nord- amerikas nach.

+ 15. G. Elasmotherium Fischer ($uoue, Platte; Inodlor, wildes Thier).

Diese Gattung, welche einige Verwandtschaft mit dem Nas- horn und dem Pferde zeigt, ist nur nach einem ‘halben Unterkiefer mit 4 Backenzähnen bestimmt. v. Meyer nennt diese Art aus Si- birien: E. Fischeri, und Fischer einen Zahn aus der Nähe des caspischen Meeres: E. Keyserlingü.

16. G. Tapirus L. Tapir.

Nase in einen kurzen Rüssel verlängert; vordere Füfse mit 4, hintere mit 3 Zehen; Vdz. $; Eckz. }; Bekz. €. Die‘ Aehn- lichkeit der letzteren mit denen des Dinoiherium wurde dort schon hervorgehoben.

Man kennt nur drei lebende Arten, zwei an den Flüssen Amerikas und eine an denen. von Indien.

Die wenigen bekannten fossilen Arten hatten in der Diluvial- zeit dieselbe Verbreitung, aufserdem wiefs Kaup durch T. priscus (Atl. aus Oss. f. lor. 2. tb. 3.) ihre frühere Existenz in Eppels- heim nach, und T. arvernensis gehört den tertiären Bildungen des Puy-de-Döme an. |

DICKHÄUTER. 45

+:17. @. Lophiodon Cuv. Taf. IV. Fig. 10. nach Jäger (}ögıov, Hügel; öodwv, Zahn).

Eine durch ihr Gebifs dem Tapir sehr verwandte Gattung, mit $ Vdz., + Eckz. und £ Bcekz. Der gröfsere Theil der letz- teren zeigt ebenfalls Querhügel, welche aber schiefer als bei dem Tapir stehen und von welchen an den ersten des Oberkiefers nur einer vorhanden ist, während die hinteren Backenzähne deren 3 und die übrigen 2 zeigen.

Zahlreiche Reste von diesen Thieren, welche man besonders in den mittleren Bildungen der Tertiärformation findet, zeigen ihre früher häufige Existenz besonders in Deutschland und Frankreich.

L. Isselense v. Mey. (p. 87), ist die gröfste Art und übertraf den indischen Tapir. wohl noch um ein Drittiheil an Gröfse,

Tertiär bei Issel, Argenton, Soissons.

L. giganteum v. Mey. Palatotherium gig. Cuv. Fast ebenso grols, bei Montabusard und Gamat.

L. Buzovillanum v. Mey. p. 87. Br. Leth. p. 1217. tb. 46. f. 3. Fast von der Gröflse des indischen Tapirs._ Im tertiären Süls- wasserkalke zu Buschweiler im Elsals.

v. Meyer führt im ganzen 11 bestimmte und einige unbestimmte . Arten an, welche meistens von Issel, Argenton, Soissons, Buschweiler und Eppelsheim stammen. Fischer fand eine Art in dem Kalkstein von ÖOrenburg und Koch entdeckte ein Lophiodon auch in Nordamerika.

+ 18. G. Palaeoiherium Cuv. (nuluög, alt; Iyolov, wildes Thier).

Dem Tapir ähnliche Thiere, mit beweglichem Rüssel‘ an einem dicken Kopfe, ziemlich langem Halse, kurzem Schwanze und drei- zehigen Fülsen. Ihr Gebifs besteht aus 44 Zähnen, als: & Vdz., 7 spitzen Eckz., etwas länger als die ersteren, und 7 Bckz.

Gleich bei dem Anfange der Tertiärzeit traten sie auf und man kennt von ihnen allein aus dem Gypse des Montmartre 7 —8 Arten, von denen man öfters fast vollständige Sklelette darin auf- fand. Noch in wenigen Arten nur sind sie in den mittleren Schich- ten dieser Epoche, wie bei Georgensgmünd, Issel und Argenton zu finden; in jüngeren tertiären Bildungen scheinen sie fast gänz- lich zu fehlen. | En

P. magnum Cuv. Br. Leth. p.. 1206. tb. 4. f. 3.: Von der Gröfse eines Pferdes, aus dem Gypse des Montmartre,

46 SÄUGETHIERRE.

>

:P. medium Cuv. Taf. IV. Fig. 7, Backzahn. Fig. 8, Eckzahn, nach Jäger, f. Säug. Würt. tb. 7. f. 21 und tb. 8. f. 17. Br. Leth. p. 1207. tb. 46. f. 9.

Von der Gröfse eines Schweines, mit schlanken, ziemlich langen Beinen, sehr kurzen Nasenbeinen und verhältnifsmäfsig grolsen und dicken Eckzähnen.

Im Gypse des Montmartre, in der Molasse zu Bonsac im Gironde- Dep. und in den Bohnerzgruben von Würtemberg ziemlich häufig.

P. minimum Cuv., von Montmartre, scheint nur die Grölse eines Hasen erreicht zu ‚haben.

+.19, G. Anchitherium H. v. M.

Zu dieser neuen Gattung erhebt v. M. das Palaeoth. Aure- lianense Cuv., welches aus den mittleren tertiären Schichten von Montabusard, Orleans, Monipellier und Georgensgmünd bekannt ist. (H. v. M. in Leonh. Br. J. 1844. p. 298.)

+20. G. Chalicotherium Kaup (yalı&, Kies; Ir7olor, wildes Thier).

Nach einigen Zähnen von Eppelsheim aufgestellt, welche eine Uebergangssiufe vom Lophiodon zu dem Tapire vermuthen lassen.

+ 21 G. Anoplotherium Cuv. (üvonAos, wehrlos; InoLov, wildes Thier).

$ Vdz., 3 Eckz. und # Bckz. stehen in einer ununterbroche- nen Reihe, ein Charakter, welchen man nur bei dem Menschen und den Affen zu erblicken gewöhnt ist. Die vorderen Bckaz. sind zusammengedrückt, die hinteren des Oberkiefers sind vier- eckig, die des Unterkiefers mit 2 sichelförmigen Falten. versehen. Ihre Beine sind schlank, die Fülse haben 2 entwickelte Zehen, denen sich bei einigen Arten noch eine verkrümmte Zehe beigesellt.

Die Thiere dieser Gattung lebten nur an dem Anfange der tertiären Epoche.

a. Die eigentlichen Anoplotherium-Arten waren stark und plump gebaut und hatten einen langen, dicken Schwanz. Zu ih- nen gehört:

A. commune Cuv. Taf. IV. Fig. 6. nach Kaup. Br. Leth. p. 1200. tb. 44. f. 2. tb. 47. f. 4 Pictet, tb. 12.

Von der Gröfse eines Esels, mit einem dicken Schwanze von der Länge des ganzen Körpers.

Zu Paris, auf der Insel Wight und in den Bohnerzgruben der Alb.

ER . DICKHÄUTER. { 47

b. Xiphodon Cuv. (Siypos, Schwert; ödwr, Zahn). Schlanke Arten mit kurzem und dünnem Schwanze. (Br. Leth. tb. 47. £. 5. Pictet, Pal. tb. 13.) |

A. gracile ‚Cuv., fast von dem Ansehen einer Gazelle.

Zu Paris und in den Bohnerzgruben der Alb.

c. Dichobune Cuv. Kleine Arten, von der Grölse der Hasen oder Kaninchen.

Drei Arten im Gypse des Montmartre.

+ 22. G. Microtherium H. v. M. Oplotherium de Layser u. Parieu (örAor, Waffe; $nolov, wildes Thier).

Den Dichobunen ähnlich, doch mit hervortretenden und ge- krümmten Eckzähnen. Zähne und selbst das Skelett bieten, nach H. v. Meyer, einige Aehnlichkeit mit den Wiederkäuern, Fleisch- fressern und selbst Nagern dar. (L. Br. Jahrb. 1841. p. 461 u. 1842. p. 487.) Ä

In tertiären Schichten zu Weisenau und Hochheim in dem Mainzer Becken, in der Molasse der Schweiz und im Dep. de l’Allier.

7 23. G. Adapis Cuv.

| Obere Vdz. wie in Anoplotherium, Eckz. wie in Oplotherium, Bckz. theilweise mit Querhügeln, einen. Uebergang vom Anoplo- therium zum Tapire andeutend.

Eine Art im Montmartre.

r 24. @. Cainotherium Bravard (zumwös, ungewöhnlich ; 3notov, wildes Thier),

aus tertiären Schichten der Auvergne, und

t 25. @. Choerotherium Cautley et Falconer (xoioog, Ferkel; 3netov, wildes Thier),

aus Schichten am Himalaya, sind noch sehr wenig gekannt. + 26. G. Macrauchenia Owen (uazoös, grols; auchenia).

soll einen Uebergang von den Palaeotherien zu dem Kameele bil- den, indefs ist der Kopf der einzigen, im Sande von Patagonien gefundenen Art noch nicht gekannt. (Pictet, p. 280.)

+ 27. G. Tozodon Owen (toSor, Bogen; odwr, Zahn).

Ein Schädel des T. platensis Ow., welcher in einem. tertiären Thone an dem Ufer des Sarandis, eines kleinen Nebenflusses des

.

48 SÄUGETHIERE.

Rio Negro, ‚120 engl. Meilen NW. von Monte-Video gefunden wurde, ist das Einzige, was man von dieser merkwürdigen Gatt- ung mit Sicherheit kennt. (Pictet, Pal. p. 282. tb. 14.)

Durch ihren besonders am Hinterhaupte niedergedrückten Schä- del mit einem kleinen Gehirne und nach oben weit offener Nase den 'Cetaceen verwandt, von welchen sie sich durch die Gröfse der Stirnhöhlen und ihre Schneidezähne entfernt, durch ihre schwerfällige Form einem gigantischen Edentaten sich nähernd, jedoch durch das Vorhandensein von £ Schneidezähnen, denen der Nagethiere ähnlich, davon unterschieden, und durch # Bckz., de- ren Email einen unregelmälsig zusammengedrückten Cylinder bildet, gleichfalls den Nagethieren nahe stehend, verbindet diese Gattung zugleich mehrere Ordnungen der Säugethiere mit einander.

3. Fam. Einhufer.

Mit der einzigen noch lebenden Gattung Pferd, deren Fülse nur mit einem einfachen Mittelfufsknochen und mit einem einzigen starken, grofshufigen Zehen enden.

28. G. Equus L. Pferd.

Vdz. &, Eckz. klein; Bckz. '&.

„Während der letzteren Zeit der tertiären Epoche und in der ganzen Diluvialzeit war Europa schon von Pferden bewohnt, welche den lebenden Arten sehr glichen. Pictet macht darauf aufmerk- sam, wie auch in Amerika, welches bekanntlich seine Pferde erst der Einführung durch die Spanier zu danken hat, lange vorher schon, während der Diluvialepoche , Pferde gelebt hatten.

E. fossiles. E. adamiticus Schl. Es war dem lebenden

Pferde höchst ähnlich und haite etwa die Grölse des Zebras. Von seinen Ueberresten ist das Diluvium (Sand und Lehm) von Europa und Asien, wo es gröfstentheila mit dem Nashorn und Mammuth zusammen- lebte, oft ganz erfüllt”). Auch in den Knochenhöhlen von Frankreich, in der südeuropäischen Knochenbreccie und in den Torfmooren sind sie nicht selten, und E. sövalensis vertritt diese Art in tertiären Schich- ten am Himalaya.

*) Von Berlin aus wird unter dem 2. Mai 1843 (Leipz. Ztg. 1843. No. 105.) berichtet, dafs sich bei den Füfsen eines, bei den Erdarbeiten der Bonn-Cölner Eisenbahn im Sande bei Roisdorf gefundenen präadamitischen Pferdes, Beweise für eine Knochenkrankheit dieses Thieres herausgestellt hätten,

WIEDERKÄUER ODER ZWEIHUFER. 49

E. asinus fossilis, der fossile Esel soll in Knochenhöhlen von Frankreich und Belgien vorgekommen sein.

+ 29. G. Hippotherium Kaup (inmos, Pferd; Io).

Bei aller Aehnlichkeit mit den Pferden unterscheiden sich die Hippotherien durch ihre Backenzähne, deren Schmelzschicht viel zahlreichere, zickzackartige Falten bildet, als es bei Pferden und Eseln der Fall ist. Während bei den letzteren nur die Ru- dimente von zwei kleinen Zehen an dem Hufe erkennbar sind, so zeigt sich. bei der fossilen Gatiung selbst noch eine vierte. Man: kennt. deren zwei Arten:

H. gracile Kaup. Equus mulus prömigenöus, H. v. Mey., Pal. p. 79, welches dem Maulthiere an Grölse glich, und H. nanum Kaup. E. asinus primigenius H. v. M., welches

etwas kleiner als der Esel war, beide aus terliärem Sande von Eppelsheim.

8. Ordn. Auminantia. Wiederkäuer oder Zweihufer.

Eine scharf begränzte Ordnung von Säugethieren mit 4 Magen und zweihufigen Füfsen, an welchen letzteren gewöhnlich noch 2 verkümmerte Zehen, sogenannte Afterklauen, vorhanden sind. Bei den meisten fehlen die Vdz. im Oberkiefer, so wie auch die Eckzähne, und es gilt für die Wiederkäuer die Formel: Vdz. & (2); Eckz. $ (4); Bekz. & (£) (2). Die letzteren sind theils aus 2 halbmondförmigen Schmelzröhren gebildet, wie an den 3 hin- teren, oder nur aus einer, wie an den vorderen Zähnen, welche Röhren durch eine gemeinschaftliche Schmelzschicht eingefalst wer- den. Tiefe Rinnen finden sich auf beiden äufseren Seiten.

Die fossilen Formen aus dieser Ordnung schliefsen sich eng an die noch lebenden an, und es giebt unter ihnen nur wenige Gattungen, welche nicht auch noch jetzt existiren. Sie beginnen erst in den mittleren tertiären Bildungen und nehmen in den dar- überliegenden jüngeren Schichten an Häufigkeit zu.

a. Ungehörnte Wiederkäuer.

1. G.. Camelus L. Kameel. Chameau.

Vdz. $; Eckz. 4; Bekz. 2. Zwei Arten kennnt män bis jetzt nur aus den jüngeren tertiären Gebilden der Siwalik-Berge am Fufse des Himalaya,. von denen ©. Sivalensis Caut. et Falc. dem Dromedare sich nähert.

Geinitz, Versteinerungskunde. 4

50 7 SÄUGETINERE.

7 2. @. Merycotherium Bojanus. Einige Backenzähne, von mehr trapezoidischer Form, ähneln übrigens sehr denen der vorigen Gattung.

‚M. Sibiricum Boj., ist die einzige Art. ae 3. G. Auchenia Ill. Lama.

Bckz. 2, die übrigen Zähne wie bei Camelus. Lund wies ihre Existenz in Brasiliens Höhlen nach.

Die nächstfolgenden drei Gattungen schliefsen sich eng an die Hirsche an, doch mögen sie hier ihren Platz finden, da ihnen ‚Geweihe oder Hörner fehlen.

4G. Moschus L. Moschusthier. Chevrotain.

Ydz. $; Eckz. des Oberkiefers lang hervorragend; Beck. *.

Man kennt hiervon nur wenige fossile Arten: A

Mm. antiquus Kaup, aus dem Sande von Eppelsheim, und M. Bengalensis Peniland, aus Bengalen. H. v. Meyer nennt als andere Fundorte noch die rauhe Alb und die Insel Wight, und neuerdings wurde eine sehr kleine Art: in den Braunkohlengruben zu Rott, östlich ‘am Siebengebirge entdeckt. (Leipz. Zeit. 1844. No. 188.)

+ 5. G. Dorcatherium Kaup,

Hirschartige Thiere mit 7 Bckz. und langen Eckzähnen im 'Oberkiefer. D. Aurelianense (Cervus Aurelianensis v. Mey.) glich dem Rehe. Aus dem Süfswasserkalke von Montabusard.

16. G. Palaeomeryx H. v. M.

Von den Hirschen durch Mangel eines Geweihes, durch her- vortretende Eckzähne und. durch die etwas abweichende Art der Faltung im Schmelze der Backenzähne verschieden. (Br. Leth. p. 1186.)

H. v. M. führt drei Arten dieser Gattung aus tertiären Schich-

ten des Mainzer Beckens von Weisenau an. (J. 1843. p. 337.) .

7 7. G. Dremotherium Geoftr.

Aus tertiären Bildungen der Auvergne, ist noch wenig ge- kannt.

WIEDERKÄUER ODER ZWEIHUFER. Sl

b. Gehörnte Wiederkäuer. 8. G. Cervus L. Hirsch. Reh. Cerf.

Die Hirsche unterscheiden sich von anderen Wiederkäuern durch ihre soliden, meistens ästigen Geweihe, welche sie jährlich abwerfen, durch $ Vdz., $ oder % Eckz. und $ Bckz., welche letztere an der mittleren Vertiefung der äufseren Fläche einen kurzen und spitzen Anhängsel: haben.

Die ältesten Hirsche, welche man kennt, sind: die aus den ‚mittleren tertiären Schichten Frankreichs, besonders bei Auch. Aus einer der hier vorkommenden Arten schuf Lartet seine Untergatt- ung Dicroceras. Die oberen tertiären Bildungen aber. und das Diluvium von Deutschland und Frankreich besonders zeigen, dafs in vormaligen Zeiten die Arten dieser Gattung ebenso mannich- faltig waren, als sie es noch in der jetzigen. Weltepoche sind.

C. megaceros Hart; C. eurycerus (Aldr.) fossilis; C. g- ganteus Bl.; Riesenhirsch; Irisches Elenn; Fossil Elk. Taf. IM. Fig. 1. Annales d. sciences natur. Aoüt 1826. Pl. 39 (vorzüglich Ab- bildung). Br. Leth. p. 1181. tb. 4. f. 5.

Der Riesenhirsch oder vielmehr das Riesenelenn war nicht grölser als das gemeine Rennthier, schlofs sich durch sein flaches, schaufel- arliges und an dem Rande zackiges Geweih mehr an das Elenn an, von welchem es sich aber durch seine Gröfse und durch eine geringere Anzahl von Zacken unterscheidet, deren nicht über 10 (bei dem Elenn bis 15) vorhanden, und welche immer auf beide Ränder vertheilt zu sein scheinen.

Eine Stange dieser Geweihe erreichte nicht selten die Länge von 6‘, und man kennt Geweihe, deren entfernteste Enden beider Stangen 12— 13’ von einander abstehen. War das Thier in den damaligen Ur- wäldern zu leben bestimmt, so läfst sich diefs wohl nur mit der An- nahme vereinigen, dafs die gröfsere und üppigere Entwickelung der einzelnen Bäume auch eine gröfsere Entfernung derselben von einan- der zur Folge hatte, jedenfalls aber bewohnte das Thier die Torf- moore und Brüche, denn fast in allen Ländern Europas, am häufig- sten aber in Irland, hat man sie nur in Süfswassergebilden, besonders im Kalktuffe, in Knochenhöhlen und im Torfe gefunden. Auch glaubte man, sogar noch Beweise für ihr Leben in geschichtlichen Zeiten zu haben, und Goldfufs erkennt in dem „‚grimmen Schelch‘‘ der. Nibelungen den Riesenhirsch wieder.

C. Guettardi Kaup; C. Tarandus. priscus. Taf. I. Fig. 2. a. b. ec. d. e. Altersfolgen der Stangen.

4%

52 SÄUGETHIERE,

Er war dem lebenden Rennihiere höchst ähnlich. Schottin fand Geweihe von ihm in dem Diluvium von Köstritz, v. Gutbier bei Oelsnitz und Schmerling in Belgien.

C. priscus Kaup in Leonh. Br. Jahrb. 1839. p. 297. tb. 3. fig. 2. Hiernach: Taf. IU. Fig. 3. |

Diese Art war unserem Edelhirsche sehr. ähnlich, doch zeigt ihr Geweih unter der Krone 4 Sprossen, der Edelhirsch nur 35 beide Stangen stehen selbst viel weiter noch als bei dem Damhirsche aus- einander; endlich ist das ganze Geweih bis zu der letzten Sprosse von oben nach unten zusammengedrückt und sein unteres Dritttheil ist auf der oberen Fläche flach, auf der unteren gerundet und vorn etwas schmäler als hinten.

Aus dem Diluvium (Lös) bei Bensheim.

Kaup vermuthet, dafs der gröfste Theil der aus dem Diluvium und den Knochenhöhlen Deutschlands stammenden Edelhirsch - Geweihe zu dieser oder zu der folgenden Art gehören möchten.

C. primigenius Kaup in Leonh. Br. Jahrb. 1839. p- 168. tb. 2.

Nach Kaup ist sein auffallendstes Unterscheidungszeichen vom Edel- hirsche, dafs das Geweih unter der Krone bis zur dritten Sprosse stark zusammengedrückt ist. Auch ist die dritte Sprosse um % höher ge- stellt, als es bei dem Edelhirsche der Fall ist. Mit Mammuth und Rhinoceros tichorhinus zusammen im Diluvium bei Eberstadt, und mit Ursus spelaeus bei Fürth im Odenwalde.

Die zahllosen anderen Arten fossiler Hirsche, welche zum Theil noch einer Revision bedürfen, zu nennen, würde dem Zwecke dieses Grundrisses nicht entsprechen.

Auch aus den tertiären Schichten am Himalaya, von den Ufern des Irawadi im Reiche der Birmanen, in Nord- und Südamerika hat man fossile Arten dieser Gattung entdeckt. (Pictet, p. 305.)

9. G. Camelopardalis L. Giraffe.

Diefs Geschlecht, jetzt nur noch in Afrika repräsentirt, war in früheren Zeiten auch in Frankreich zu finden, wo man in der Nähe von Issoudun einen Unterkiefer “) fand.

Falconer entdeckte ferner 2 Arten Giraffen in den oft genann-

ten Schichten der Siwalik-Berge am Himalaya ”*) mit Anoplotherium Sivalense Falc. und Camelus Sivalensis Falc. zusammen.

*) Duvernoy, Compt. rend., 29. Mai 1843. **) Phil. Mag. Vol. 25. No. 165. 1844. p. 212.

u u

WIEDERKÄUER ODER ZWEIHUFER. 53

+ 10. 6. Sivatherium Cautl. u. Fale. (Siwalik. 9elov, wildes Thier).

Der Kopf dieses Thieres, den man nur kennt, ist höchst eigenthümlich.. An Gröfse dem eines Elephanten gleich, mit sehr entwickeltem Hinterkopfe, kurzer Gesichtsfläche und sehr stark ge- neigter Stirn, mit Nasenknochen, welche sich eigentlich zu einer spitzen Wölbung über den äufseren Nasenlöchern erheben, mit Hörnern, welche über den Augenbrauen entspringen, gewinnt das- selbe ein sehr ungewohntes Ansehen. Die Bildung der 6 oberen Backenzähne stellt das Thier zu den Wiederkäuern, wiewohl es auch einige Aehnlichkeit mit Pachydermen hatte. Es wurde die- ser Kopf am Himalaya gefunden. (Pict. p. 294. th. 15. f. 5.)

11. G. Antilope Pallas. Antilope, Gazelle, Gemse u. s. w.

Thiere dieser Gattung zeichnen sich bekanntlich durch hohle, gerade oder gebogene, drehrunde oder geringelte Hörner aus, welche sie nicht abwerfen können. Ihre Backenzähne, welche in der mittleren Furche der äufseren Fläche weder eine Leiste, noch ein Anhängsel haben, haben grofse Aehnlichkeit mit denen der Schafe und Ziegen.

Wir sehen diese Gaitung in der Vorwelt nur sehr schwach vertreten.

Fundorte, wie die Umgebungen von Montpellier, Moliere-Berg, Sansans und die Siwalik-Berge, von welchen man Reste dieser Gattung eitirt, gehören der mittleren und oberen Tertiärformation an; ebenso kennt man auch Ueberbleibsel aus dem Diluvium und den Knochenhöh- len von Südfrankreich, Belgien, England und Brasilien.

+ 12. G. Leptotherium Lund (Aenrög, dünn; Inolov, wildes Thier),

mit zwei Arten aus den Höhlen Brasiliens, schliefst sich hier an.

13. G. Ovis L. Schaf, Mouton, und 14. G. CapraL. Ziege, Chevre,

sind hier und da in Knochenhöhlen und in der Knochenbreccie auf- gefunden worden, jedoch ist die Bestimmung ihrer Reste wegen der grofsen Aehnlichkeit beider Gattungen sehr schwierig, sobald nicht Schädel oder Hörner von ihnen vorhanden sind.

Capra Rozeti macht Pomel aus tertiären Schichten des Puy- de-Döme bekannt. (Compt. rend. 1844. 19. p. 225.)

54 SÄUGETHIERE.

15. G.\Bos L. Rind, Ochs, Stier, Kuh. Boeuf.

Die Hörner dieser grofsköpfigen Wiederkäuer sind ebenfalls hohl und sitzen auf knochigen, seitwärts gerichteten Kernen. Ihre Backenzähne zeichnen sich durch kleine Leisten aus, welche sich längs der Vertiefung zwischen den beiden Haupttheilen des Zahnes erheben. |

Sie erschienen in Europa zuerst an dem Ende der Tertiär- zeit, und man findet sowohl in den da entstandenen als in den späteren Schichten von ihnen zahlreiche Ueberbleibsel.

Keine Thiergattung zeigt besser als die der Ochsen, wie in historischen Zeiten manche Art durch Verfolgung des Men- schen auf einen immer kleineren Raum zurückgedrängt wird und endlich gänzlich erlischt. So war der europäische Auerochs noch vor 2000 Jahren in allen gröfseren Waldungen Europas zu Hause, gegenwärtig hat er sich in geringer Anzahl in einen Win- kel Liithauens und in einige Thäler des Kaukasus geflüchtet, und nur der Schutz des Gesetzes hat seine gänzliche Ausrottung noch verhindert "). j

Auch die wilde Stamm-Race unseres Hausochsen scheint von der Erde jetzt gänzlich verschwunden zu, sein ”*).

Dürfte man der Sage trauen, so, hätte in der historischen Zeit in Europa aulser diesen beiden Arten noch eine dritte wilde Ochsenart gelebt, der Bison der Alten, und Herbensiein drückt die angeblich frühere Verwechselung beider Arten in folgenden Worten aus: |

„Bison sum, Polonis Zubr, Germanis Bisont, ignari Uri nomen dederunt. |

Urus sum, Polonis Tur, Germanis Auerox, ignari Bison- is nomen dederunt‘“ "*""). |

Mit grolser Gelehrsamkeit sucht indes Pusch in Polens Pa- laeontologie die Identität des europäischen DisoR mit dem Auer- ochsen zu beweisen. | |

Bei der Unsicherheit, die selbst bei der Unterscheidung ei- niger lebenden Ochsenarten noch herrscht, ist es wohl nicht zu verwundern, dafs zum- Theil eine noch gröfsere unter den aus- gestorbenen Arten lange Zeit obwaltete. Cuvier und Bojanus wie-

*) Pusch, Polens Paläontologie, Stuttgart. 1337. p. 196.

*+4) In keinem Falle kann man den Auerochsen als Stammrace des Haus- ochsen betrachten, wie diefs von Pusch gründlich gezeigt worden ist.

*++) Rerum Moscovitiearum comment. Sigism, lib. bar. de Herbenstein,

\ WIEDERKÄUER ODER ZWEIHUFER. FISCHSÄUGETHIERE. 53

sen von letzteren zuerst drei verschiedene Species nach, welche ich nach den vom Pusch ausgesprochenen Ansichten hier anführe:

B. priscus Bojanus. Riesenbüffel. (B. Caesaris v. Schl!:'B. urus priscus Cuv.; B..latifrons Harl. u. Fischer; B. Pallasit : Bär; B. colossus; Bison fossilis. Pusch, Pol. Pal. tb. 15. f. 2.)

Diese Art, welche sich am mehrsten den Bisons, sowohl dem amerikanischen Bison, als dem litthauischen Auerochsen nähert, ist die häufigste unter allen fossilen Ochsenarten, und man findet ihre Schädel und Hörner in denselben Diluvialschichten, in welchen die Knochen der Mammuthe, Mastodon- und Rhinoceros-Arten vorkommen. Vorzüg- lich zeichnen sich die Hornkerne dieser Ochsen durch ihre beträcht- liche Länge und die viel bedeutendere horizontale Entfernung der bei- den Enden von einander aus.

B. primigenius Cuv. und Bojanus. B. taurus priscus vel -fos- siis Cuv. früher; B. urus priscus Schloth. Pusch, P. P, Tab. 14. f. 6.a. b.

Er ähnelte mehr unserem zahmen Rinde, ist aber von ihm doch speciell verschieden. Nach Pusch stehen die Hörner an den Enden der zu beiden Seiten nur sehr wenig eingebogenen Scheitelkante zwi- schen Hinterhaupt und Stirn mit ihr in einer Richtung; ‘die Stürn ist viereckig platt, fast so hoch als breit und nach der Stirnnath merk- lich concay eingedrückt; die Ebene des Hinterhauptes macht mib (der Stirn einen Winkel von 55 Grad, und die Fläche des Hinterhauptes ist ebenfalls viereckig.

Im Diluvium, am gewöhnlichsten aber in Torfmooren und: ande- ren oberflächlichen Alluvionen.

B. Pallasii Dekay. B. moschatus fossiks?; B. canaliculatus Fischer, Oryct. du Gouv. de Moscow. tb. 3. b.

Die in Sibirien und bei Neu-Madrid in Nordamerika aufgefunde- nen Theile zeigen einen dem im Norden Amerikas lebenden Bisamstier, B. moschatus, sehr ähnlichen, wenn nicht vielleicht ganz gleichen Ochsen an.

B. trochocerus H. v. M. gehärt dem Diluvium Ober-Italiens an.

Auch in Amerika (Kentucky), in Asien (an den Siwalik-Bergen und am Irawadi) und in Afrika sind Reste fossiler Ochsen entdeckt worden. fi

9. Ordn. Cetacea. Fischsäugethiere.

An ihren fischähnlichen Körpern sind die Vorderfülse in Flos- sen und die Hinterfüfse in eine horizontale Schwanzflosse umge- wandeli. Durch ihr. Gebils nähern sich einige den Pachydermen

56 SÄUGETHIERE.

Die fossilen Reste dieser Thiere sind im Ganzen nicht ‚häufig und noch wenig gekannt, blieben indessen schon den älteren ter- tiären Schichten nicht ganz fremd.

Die Angaben über fossile Arten der Gattungen

1. G. Manatus Cuv. Lamantin, und

2. G. Halicore Il. Dujong,

beziehen sich, wie es scheint, auf die neue, zwischen beiden stehende

t 3. @. Halianassa H. v. Meyer. (Halitherium Kaup, Cheirotherium Bruno),

von welcher Gattung fossile Reste in der Molasse zu Baldringen in Oberschwaben mit denen von Metaxytherium zusammen aufge- funden worden sind. (Leonh. Br. Jahrb. 1842. p. 101.)

+ 4 G. Metazytherium Christol. (uere&dv, dazwischen; 3nolov, wildes Thier),

welche die Backenzähne des Lamantins und das Skelett der Dujongs besals. (Leonh. Br. J. 1841. p. 862. u. 1842. p. 622.)

Die Backenzähne hatten mit denen von Hippopotamus grolse Aehnlichkeit, und Cuvier gründete daher auch auf solche Zähne seine Arten Hippopotamus medius und H. dubius, welche indels nun mit der neuen Gattung vereint worden sind. Auch die Rippe und der Wirbel, welche Cuvier einem Lamantin und dann einem Wallrosse zuschrieb, gehören aulser anderen Resten zu dieser Gatt- ung, von welcher 1840 in einem festen Kalksteine bei Beaucaire ein vollständiges Gerippe entdeckt wurde.

Die mittleren und: oberen Tertiärbildungen von Frankreich! besonders die oberen von Montpellier, schlossen Ueberbleibsel von Metazytherium, welches nach Pictet wahrscheinlich zu den Pflan- zenfressern gehörte, ein.

+9. G. Zeuglodon Owen. Zygodon Owen. Jochzahn. Basi- losaurus Harlan (Leöy%n7, Joch; odwr, Zahn).

Die Backenzähne dieser Gattung sind in der Mitte einge- schnürt, so dafs sie aus zwei, durch ein schwaches Stielchen ver- einigten Theilen bestehen. Ihr Unterkiefer ist innen Aausgehöhlt, wie bei den Cachelots, und ihre kurzen und niedergedrückten Glie- der verweisen sie in die Ordnung der ÜCetaceen.

Z. cetoides Owen, wurde durch Harlan in tertiären Schich- ten von Louisiana und Alabama in den vereinigten Staaten entdeckt, und

FISCHSÄUGETHIERE. 97

in dem letzteren Staate fand Buckley einige Jahre später ein ganzes Skelett dieser Art von 70 Fufs Länge *).

6. G. Delphinus L. Delphin.

Ihre Nasenöffnung ist in ein Spritzloch verwandelt, um das mit ihrer Nahrung eingeschluckte Wasser wieder auszuspritzen. In beiden Kiefern stehen 9—50 kleine, gleich grolse kegel- förmige Zähne.

Auch in tertiären Meeren lebten Delphine, und in den Schich- ien von Dax, Angers, an den Apenninen und zu Calvert in Ma- ryland hat man mehrere fossile Arten von ihnen schon aufgefunden.

+ 7. G. Arionius H. v. Mey.

Dieses den Delphinen verwandte Meer-Säugethier wird von H. v. Meyer **) so charakterisirt:

„Kopf dem Typus der delphinartigen Thiere ähnlich, die Hinterhauptsfläche nach oben concav; Stirnfläche platt, horizon- tal und von namhafter Breite; unmerklicher Uebergang vom Schä- del zur Schnauze; der Zwischenkiefer in der Gegend des Spritz- Apparates erhaben; weit klaffender‘Nasencanal lüngs der Schnauze; langschnauzig ; geringe Unsymmetrie in der Gegend des. Spritz- Apparates; die Symphysis des Unterkiefers nicht unter. 3 von. der Totallänge des Schädels; der Rachen mit vielen Zähnen bewaff- net, welche im Oberkiefer nicht früher ausfallen; die Zähne von pyramidaler Bildung, die Krone derselben nach oben flacher wer- dend, vorn und hinten mit einer scharfen Kante versehen, sonst leicht gestreift, die Kanten und Streifen nicht ausschliefslich der Schmelzbekleidung eigen. Das vollständige Thier wird nicht unter 12‘ Länge gemessen haben.“

A. servatus, die einzige Art, aus der Molasse Baldringens im würtembergischen Oberschwaben.

8. G. Monodon L. Narwall.

Mit 2 horizontalen, sehr langen und schraubenförmig gewun- denen Eckzähnen im Oberkiefer, von denen der rechte meistens verkümmert ist.

Ihr Vorkommen im fossilen Zustande ist zweifelhaft.

7 9. G. Ziphius Cuv.

Nach Cuvier eine den Delphinen verwandte, jetzt ausgestor- bene Gattung mit drei Arten, von welchen zwei aus terliären

*) Edinb. new. philos. Journ. 1843. p. 77. **) Leonh. Br. Jahrb. 1841. p- 330.

58 SÄUGETHIERE. VÖGEL.

Schichten der Provence und von Angers stammen. Nach de Blainville hat diese Gattung aber ihren lebenden Repräsentanten in Delphi- nus micropterus Cuv.

10. G. Physeter L. Pottwall. Cachelot.

Nach Marcel de Serres gehören einige Knochen aus den obe- ren tertiären Gebilden von Montpellier, und nach Owen und Char- lesworth einige aus dem Crag von Felixstow dieser Gattung an. (Pictet, p. 320.)

+ 11. G. Cetotherium Brandt. Mit diesem Namen belegte Brandt Cetaceen-Reste von Anapa, welche sehr an Balaenoptera erinnern.

12. G. Balaena L. Wallfisch.

Auch die gigantischen Bewohner unserer Meere felılten nicht ganz in der früheren Schöpfung.

B. Cortesi Desmoulins, etwa von 12’ Länge, wird aus jungen tertiären oder noch jüngeren Schichten Italiens und j | B. Cuvierö Desm., ungefähr von 21’ Länge, aus ähnlichen Schichten der Lombardei angeführt. Ä

Unbestimmte Reste yon Wallfischen werden aus der Dauphine, von Montpellier, aus Schottland, England und anderen Orten eitirt.

II. Klasse. Aves. Vögel.

Rückgraththiere mit rothem, warmem Blute, welche Eier legen und mit Federn bedeckt sind. [

Die in Flügel umgebildeten Vorderglieder, die schiffartige Gestalt ihres Rumpfes "), in dessen Innerem grofse Lufizellen vor- handen sind, und die markleeren, hohlen Knochen der meisten Vögel zeigen unverkennbar, dafs die Vögel: ihrer ganzen Organi- sation nach zu dem ‚Athmen in ‘der Luft und vorzugsweise zu dem Fliegen bestimmt sind.

Die Zahl ihrer Halswirbel variirt von 9 bis zu 28. Ober- und Unterkiefer, welche sich zu einem Schnabel verlängern, sind beide beweglich und zahnlos ““). Anstatt: des Fufswurzel- und Mittelfulsknochens besitzen sie nur einen Knochen, den Lauf, an welchem die Zehen unmittelbar befestiget sind.

*) Nur bei einigen, nicht mit Flugfertigkeit begabten Vögeln ist das

Brustbein flach. **) Der sogenannte Zahn auf dem Rande des Schnabels einiger Vögel

ist nur eine eckige Erhöhung desselben.

VOGELFÄHRTEN IN ÄLTEREN GESTEINEN. 59

Bei der grolsen Einförmigkeit in dem Baue der Vögel bieten die Fülse, Schnäbel und Flügel die Hauptanhaltepunete für ihre Classification dar.

Während die Klasse der Vögel in der jetzigen Schöpfung eine so bedeutende Rolle spielt *), so scheint sie in früheren Zeiten gerade am untergeordnetsten gewesen zu sein, und die Kennt- nifs von fossilen Arten aus dieser Klasse ist leider noch sehr gering.

Das Vorkommen der Vögel und der Säugethiere setzt eine Atmosphäre voraus, welche nicht zu reich an Wasserdämpfen und an Kohlensäure ist, und gerade diese Bedingung scheint in früheren Epochen unseres Erdballs nicht so erfüllt gewesen zu sein, wie jetzt. Bei ihrer flüchtigen Lebensweise konnten die Vögel sich wohl auch eher den Fluthen entziehen, in welchen andere Thiere das Grab. fanden, und bei der Leichtigkeit ihres Körpers, welcher selbst nach dem Tode des Thieres noch einige Zeit auf der Oberfläche der Gewässer umhergetrieben wurde, mufsten die meisten von ihnen wohl die Beute marinischer Raubthiere werden. |

1. Vogelfährten in älteren Gesteinen. (Taf. V. Fig. 1, 2, 3.)

Der bunte (neu-rothe) Sandstein ist es gewöhnlich, in wel- chem Fufseindrücke von Thieren und Abdrücke dieser Fährten **) aufgefunden werden. 1836 wies Hitchcock in einigen Schichten dieses Gesteines von Massachusetts und Connecticut zahlreiche Ein- drücke nach, welche theilweise denen von Vogelfülsen glichen, theilweise aber auch von Reptilien herrühren mochten.

Hitchcock nennt die ersteren Ornithichniten, von ögrıs, Vo- gel und ?%v:ov, Fährte, und unterscheidet von ihnen mehrere Arten,

Ornithichnites Hitche. (L. Br. J. 1836. p. 467. tb. 5.)

O0. giganteus H. Buckl. Min. and Geol. Pl. 6 b. fig. 1.

Die Fährten zeigen einen dreizehigen Fufs an und sind ganz ähn- lich denen von ©. tuberosus. Die Zehen bleiben ziemlich gleich dick und enden in eine gerade dünne Klaue. Die Länge eines Fulses ohne Klauen beträgt 15” engl., die mit Klauen 16” —17”; die Dicke einer Zehe 14°, die Breite derselben 2”. Innere Zehe mit 2, mittlere mit

3 Gliedern. Die Schrittweite war 4 —6’.

*) Nach Leunis (Synopsis der drei Naturreiche, 1844) beträgt die An- zahl der bekannten Arten über 6000. **) Vergl. Fährten von. Sauriern im bunten Sandsteine,

60 VÖGEL.

O0. tuberosus H. Taf. V. Fig. 2.

Nur halb so grofs als die vorigen Fährten und mit relativ länge- ren Klauen. Schrittweite 24 33”.

O0. ingens H. Mit drei schmalen, lang zugespitzten Zehen. Länge des Fulses 15” 16. Ein —9'' langer Anhang hinter der Ferse rührt vermuthlich von Federn her, welche über der Ferse stan- den und sich im Schlamme mit abgedrückt haben. Schrittweite 6’. Hiervon findet sich auch eine kleinere Varietät.

O0. diversus H. Taf. V. Fig. 1.

6‘ lange Fährten mit drei langen, schmalen Zehen und einem Federbüschel hinter der Ferse. Schrittweite 8” —21”. Sie kommen am häufigsten vor und gehören vielleicht nur jüngeren Individuen der vorigen Art an.

O. tetradactylus H. Drei Zehen stehen nach. vorn, eine vierte, welche nicht mit der Ferse zusammenhängt, ist fast unter einem rech- ten Winkel nach innen und hinten gekehrt. Länge 237 3%. Schritt- weite 10” 12". |

O. palmatus H. Taf. V. Fig. 3.

Mit vier nach vorn gerichteten freien Zehen und breiter Ferse. Die beiden äufseren Zehen sind die kürzesten, und die beiden inneren sind von einander am meisten getrennt. Länge 23° —3. Schritt- weite 8”,

Solch eine Stellung der Zehen kommt bei keinem lebenden Vogel vor, und es scheint, als ob diese Fährten eher den Reptilien zuzu- rechnen seien.

O. minimus H. Hat nur 3 kurze, breite Vorderzehen. Länge 3'— 1%". Schrittweite 3’ 5".

Auch diese Fährten dürften eher von Reptilien als von Vögeln abstammen.

Die meisten . dieser Fährten, wenigstens O0. ingens und O0. diversus, scheinen von Sumpfvögeln herzurühren, wiewohl die er- steren und O0. giganteus sich ihrer Gröfse halber mit keiner der lebenden Arten passend vergleichen lassen. Selbst die Fulslänge des Straulses, des gröfsten aller lebenden Vögel, beträgt bei sinem 8 hohen Individuum nur 10”. Indessen stimmen auch alle neue- ren Beobachtungen dahin überein, dafs diese Fährten von Zwei- füfsern entstanden sind ”).

—fnnm

*) In einem Briefe an Mantell sagt Deane: ‚Die Fährten sind unab- änderlich die eines Zweifülsers und auf der oberen Seite der Schichten, während die untere den Convex- Abdruck zeigt. Zuweilen kann man bis

VOGELKNOCHEN IN DER KREIDEFORMATION. 61

Der von Koch am Missisippi angeblich in silurischen Schich- ten entdeckten Spuren von reiherartigen Vögeln geschah schon bei menschlichen Fufseindrücken (p. 9.) Erwähnung.

2. Vogelknochen in der Kreideformation.

Rechnet man das von Mantell in dem Hastingssande des Wal- des von Tilgate aufgefundene und von Owen als der Tarso- Meta- tarsal-Knochen eines dem Reiher ähnlichen Sumpfvogels bezeich- nete Knochenfragment ab, so ist das Vorkommen von Vogelknochen in Schichten der Kreideformation das älteste.

Escher von der Linth fand in dem zu ihr gehörigen Schiefer von Glaris ein Skelett, welches H. v. Meyer für das eines Vogels erkannte und als solches beschrieb *).. Da die Fülse dieses Vo- gels nicht zum Waten eingerichtet waren, so gehörte er nicht zu den Sumpfvögeln, palste hingegen am belsten in die Ordnung der Sperlingsvögel und besals ungefähr die Gröfse der Lerche.

-Owen zeigte in drei Knochen, besonders in einem derselben von engl. Länge, aus der Kreide von Maidstone, welche er durch Lord Enniskillen erhielt, die grofse Aehnlichkeit mit dem Oberarmknochen des Albatros, von welchem sich der fossile Kno- chen durch drei schärfere Kanten unterscheidet “*).

Gervais bezeichnet Vogelknochen mit dem Gattungsnamen Osteornis (Knochenvogel) und nennt den von Mantell aufgefun- denen O. ardeaceus, den von Meyer bestimmten Vogel O. sco- lopacinus und den von Maidstone O. diomedeus. (L. Br. J. 1844. p. 877.)

3. Vögel in tertiären und jüngeren Schichten.

Schon Cuvier bewies, dafs der Gyps von Montmartre wenig- stens 11 Arten Vögel einschliefse, unter welchen 3 Raubvögel (Haliaetos, Buteo, Strix), 1 Hühnervogel: (Coturniz), 4 Sumpf- vögel (Ibis, Scolopaw, Pelidna und Numenius gypsorum) und 2 Schwimmvögel (Pelecanus) waren”””), und noch 1842 zeigte Geoffroy- St.-Hilaire in der Akademie zu Paris das fast vollständige Skelett

über 10 auf einander folgende Fährten eines Individuum zählen.“ (L. Br. J. 1844. p. 248, 635.) | *) L. Br. J. 1839. p. 683. **+) L. Br. J. 1841. p. 856. *+*) L. Br. J. 1844, p. 877.

62 VÖGEL.

eines ganzen Vogels aus den Kalkbrüchen des Montmartre vor. (Compt. rend. Tome 14. p. 219.)

Nach einigen Vogelknochen aus dem London-Thone schuf Owen die neue Gattung Lithornis (Steinvogel) und nannte die Art L. vulturinus. König bezeichnete den Schädel eines Schwimm- vogels aus dem London-Thone von Sheppey zu Ehren des ver- dienten Buckland: Bucklandium.

Nach H. v. Meyer umschliefst das Tertiärgebilde von Wei- senau Ueberreste von wenigstens einem Dutzend Vögeln verschie- dener Art, welche sich auf zwei Raubvögel, auf sperlingsartige, hühnerartige, Sumpf- und Schwimmvögel vertheilen lassen *).

Im Süfswasserkalke des Cantal-Dep. glaubt Jourdan, Knochen eines Cathartes entdeckt zu haben, an dem Moliere-Berge kom- men, nach Bourdet, Knochen von Hühnern vor, und Karg und Schinz zeigen eine sehr grofse Schnepfe aus dem Schiefer von Oeningen an. (Pictet, Pal. p. 347.)

Unbekannter sind die Nachrichten über die in jüngeren ter- tiären Bildungen der Auvergne aufgefundenen Vogelreste, von denen

Aufserdem sind aus dem diluvialen Sande, aus den Knochen- breccien und den meisten Höhlen Knochen aus allen Ordnungen der Vögel bekannt geworden, welche jedoch entweder keine Be- stimmung zulassen oder noch einer genaueren Untersuchrng be- dürfen. Lund allein zeigt aus den Höhlen Brasiliens 33 fossile Arten aus 26 Geschlechtern an, worunter 1 Raubvogel, 18 Sing- vögel, 6 Kletter-, 4 Hühner- und 5 Sumpfvögel sind. Sie ge- hören fast alle im die dort einheimischen und zum Theil Süd- amerika eigenthümlichen Gattungen. Nur eine jener Arten ist von jetzt lebenden Vögeln gänzlich verschieden und deutet auf eine ausgestorbene Form aus der Familie der Hühnerstelzen (Alectori- den). Sie hatte die Gröfse des amerikanischen Straufses ***).

Selbst Eier und Federn fossiler Vögel fand man in ter- tiären und jüngeren Gesteinen noch eingeschlossen, erstere in dem Sufswasserkalke der Auvergne und leiziere in .den Kalken des Monte-Bolca und in dem Gypse von Aix Fr).

*) L. Br. J. 1843. p. 398.

**) L. Br. J. 1844. p. 877. ? *#*) L. Br. J. 1843. p. 337.

+) Pictet, p. 348. Jalırb. 1844. p. 877.

VÖGEL IN TERTIÄREN UND JÜNGEREN SCHICHTEN. 63

Aber zu .den interessantesten Auffindungen in neuester Zeit gehören ohnstreitig die riesenhaften Vögel im Schlamme der Flüsse Neuseelands.

Owen’s Vermuthungen bei Untersuchung eines grofsen Ober- schenkel-Bruchstücks aus Neuseeland, dafs dasselbe einem riesen- haften Vogel angehört habe, welcher die meiste ‚Verwandtschaft mit dem dort noch lebenden Apieryx habe *), fanden schon 1843 eine glänzende Bestätigung. Es wurden nämlich. durch dem Mis- sionär Revd. Williams aus Neuseeland zwei Kisten Knochen, nach London gesendet, welche durch Buckland, Broderip und Owen untersucht wurden.

Die Knochen der ersten Kiste bestanden in Oberschenkeln, Schienbeinen, Becken, Halswirbeln, Rabenschnabelbeinen und einem Tarsalbeine und liefsen auf einen sehr starken Vogel von etwa 14 Fufs Höhe schliefsen.

Der Charakter dieses Riesenvogels geht im Allgemeinen aus nachstehendem Briefe hervor:

(An Dr. Buckland. Nach Aufstellung einer Liste von 23 Knochen.)

Es ist genug des Angekommenen, um zu zeigen, dafs diese Knochenreste dem nämlichen Vogel angehören, von welchem ich schon 1839 ein Bruchstück beschrieben habe. Er ist verschieden vom Straufse, weil er dreizehig, verschieden von den dreizehigen Struthioniden durch ‚die Abwesenheit der Luft im Femur und durch die Kürze des Meta- tarsal (Mittelfufsknochens) gegen die Tibia (Schienbein). In diesen Charakteren zeigt der grolse Vogel eine bedeutende Verwandtschaft mit Apteryz, der unter allen lebenden Vögeln ihm theilweise am näch- sten steht, aber einen vierten Zehen besitzt. Ich habe ihn daher als Megalornis Novae Hollandiae bezeichnet. Er ist vollkommen stark genug, um Fulstapfen so grofs wie Ornithichnites giganteus Hitchcock und noch gröfser zu machen, und alle noch vorhandenen e Zweifel, ob diefs Eindrücke von einem grolsen dreizehigen Vogel seien, sind durch den Anblick dieser Knochen aus meinen Gedanken verschwunden. _ | |

R. Owen.“ (L. Br. J. 1843. p. 335.)

*) Lond. Ed. D. phil. Mag. V. 22. p. 558. Apteryx, mit der einzigen, etwa 32” hohen Art, A. australis Temk. oder dem Kiwi, ist bisher immer unter die straufsartigen Vögel gezählt worden, gehört jedoch, nach Reichen- bach, zu den schnepfenartigen Vögeln, unter welchen er die straufsartigen vertritt.

64 VÖGEL. VÖGEL IN TERTIÄREN UND JUÜNGEREN SCHICHTEN.

Dinornis Owen (dewög, ungeheuer; oovıs, Vogel).

Unter diesem Namen falst Owen die früher als Megalornis bezeichneten und die anderen, später von ihm beschriebenen Ar- ten neuseeländer Riesenvögel zusammen. _

D. Novae Zealandiae Ow. (Megalornis Novae Hollandiae.)

Der vollständigste Unterschenkel jener Sendung ist 2’ 43° engl. lang und entspricht einem 14° langen Oberschenkel. Der Umfang des ersteren dieser Knochen ist am Binnenende 15 und in der Mitte 5“. Die Länge des Tarsal-Beines (Laufes) beträgt 12”, sein Umfang in der Mitte 4 5 seine Breite am Aufsenrande 3” 10°. Durch diese verhältnils- mälsige Kürze und Stärke dieses dreitheiligen Knochens steht der Vogel dem Apteryr näher als den anderen lebenden Siruthioniden, von welchen letzteren, ebenfalls dreizehigen Vögeln er sich durch das Verhältnifs der Beinknochen und die dichtere Structur, wie bei Apteryz ohne Luftröhre, genügend unterscheidet. Der Mangel einer Hinterzehe trennt ihn von Apteryz und Didus, der Dronte oder dem Dudu, welcher auf der Insel Rodriguez, wahrscheinlich gleichzeitig. mit diesem auf der nördlichen Insel von Neuseeland lebenden Vogel, er loschen ist. Sein Becken hatte grölsere Aehnlichkeit mit dem der Trappen als mit dem der straufsartigen Vögel. (Jahrb. 1844. p. 242.)

Später unterscheidet Owen nach dem ihm zugekommenen Vogelknochen von den Ufern der Wairon, die in die Armuths- Bai ausmündet, fünf ausgestorbene Dinornis-Arten Neuseelands "):

D. giganteus: eine von Williams aufgefundene, 10” ;lange Tibia (Unterschenkel) entspricht einem 10° hohen Vogel;

D. struthioides: war 7’ hoch;

D. didiformis: war dem Dudu, Dedus öneptus, am meisten verwandt;

D. dromaeoides: mochte hoch sein;

D. otideiformis: von der Gröfse des gemeinen Trappen.

Keiner dieser Knochen besafs eine Luftröhre, wefshalb auch keiner jener Vögel zum Fliegen bestimmt war, zweifelsoline die Veranlassung zur baldigen. Ausrottung derselben.

Im Dinornis Novae Zealandiae oder. D. giganteus erblickt man den. grölsten ”“): aller bis jetzt bekannten Vögel, welcher,

*) L. E. D. phil. Mag. Vol. 24. p. 378. Jahrb. 1844. p. 381.

**) Fast unbegreiflich ist es, wie man noch häufig selbst in den neue- sten Schriften den Riesengreifen, Gryphus antiquitatis Schub., unter den Vögeln aufgeführt findet, da es doch längst erwiesen ist, dafs dieser in das Reich der Fabeln gehörende Vogel durch menschliche Phantasie aus Hörnern und anderen Theilen fossiler Rhinocerosse entstand.

REPTILIEN. Be 65

wie es auch mit den anderen’ Arten dieser Gattung der Fall zu sein scheint, wahrscheinlich unserer jetzigen Weltepoche noch an- gehört hat.

IE Klasse. Reptilia. Amphibia. Reptilien. Amphibien.

Rückgratthiere mit kaltem Blute, welche durch Lungen ath- men, Eier legen, mit Schuppen oder Schildern bedeckt, oder nackthäutig sind. Einigen fehlen die Beine gänzlich, andere ha- ben 2, die meisten jedoch 4 Beine. |

Beide Kiefern sind nur bei den Schlangen beweglich. Aufser bei den Schildkröten und der Pipa oder Wabenkröte sind diese mit spitzen ‚scharfen Zähnen bewaffnet, welche theils in Höhlungen eingekeilt sind, wie bei den Säugethieren, theils mit dem Kiefer- rande verwachsen und theils an der Innenseite des Kiefers ange- . wachsen sind, wo. sie bisweilen in Längsrinnen stehen. Selbst im Gaumen sind. bei ihnen oft Zähne befestigt. Die Zahl der Wirbel und Rippen ist sehr verschieden. Den Fröschen fehlen die letzteren ganz, und den Schlangen mangeln das Becken und die Schlüsselbeine. Gegenwärtig kennt man an 800 lebende Arten. (Leunis, Synopsis der drei Naturreiche, p. 125.) | Wie in der Geschichte der Menschheit gewisse Entwickelungs- stufen nicht zu verkennen sind, wie der Bebauung der Wissen- schaften immer die Ausbildung der Kunst vorausging, und wie die einzelnen Völker berufen waren, einen immer höheren Zweig der Kunst und später der Wissenschaft zu cultiviren, während von ihnen die Stufe oft nicht erreicht ward, welche -ihre Vorgänger in Bezug auf, das niedrigere Stadium einnahmen, ganz so geschah es auch bei, der allmählich emporsteigenden Entwickelung der thier- ischen Schöpfung, die unseren Erdball bewohnte. Kaum giebt es hierfür einen schöneren Beweis, als uns die Geschichte der. Rep- tilien darbietet. Zuerst in dem Kupferschiefer und Zechsteine mit einer der jetzigen Welt ganz fremden Form beginnend, bezeugen die Fährtenabdrücke im bunten Sandsteine und die Knögkken und Zähne im Muschelkalke . schon die grofse Entwickelung einer nur dem Trias eigenthümlichen Saurier-Familie. In der Juraformation aber erkennt man, dafs diese Ordnung gerade hier durch die Grölse. und hohe Ausbildung ihrer Organismen einen Glanzpunkt er- reichte, welchen man füglich mit der Höhe vergleichen. kann, auf

Geinitz, Versteinerungskunde. a

66 REPTILIEN.

welcher einstens Athen und Rom in Bezug auf die Künste standen. Nur in der gleich darauf folgenden Kreideformation erscheinen ähnliche, wenn auch wenige, grofsarlige Gestalten; den spüteren Weltepochen blieben diese fremd.

Die Reptilien zerfallen in 4 Ordnungen: Schildkröten, Saurier, Schlangen und Frösche.

1. Ordn. Testudinata. Ohelonii. Schildkröten.

Ein kurzer breiter vierbeiniger Leib ist von einem mit Hornmasse umgebenen Knochenpanzer bedeckt; die Kiefern sind zahnlos. Der Knochenpanzer besteht aus Rücken- und Brust- schild, welche eniweder nur durch eine Haut- oder Knorpelmasse zusammenhängen oder zu einem Stücke verwachsen sind.

Die am Rande des Rückenschildes stehenden Hornplatten heilsen Randplatten, die von diesen eingeschlossenen Scheibenplatten; von diesen liegen die Wirbelplatten auf den Wirbeln, die Sei- ten- oder Rippenplatten diesen zu beiden Seiten auf den Rippen, und die Brustplatten bedecken das Brustschild.

Bei den Land- und Süfswasserschildkröten sind alle vier Beine gleich lang, bei den Seeschildkröten sind die Vor- derbeine die längeren. (Leunis, Synopsis der drei Naturreiche, p. 129.)

Die älteste Spur einer Schildkröte ist ein durch Owen bestimm- ter Oberschenkel aus dem neu-rothen Sandsteine zu Elgin.

1. 6. Testudo L. Landschildkröte. Tortue.

Rücken- und Brustschild sind mit einander verwachsen, das erstere ist hoch gewölbt und erlaubt, dafs der kurze, runde Kopf und die Beine unter dasselbe zurückgezogen werden können. Hinterfüfse mit 4, Vorderfüfse mit 5 Zehen, welche bis an die stumpfen Nägel verwachsen und daher unbeweglich sind.

Die ‘ältesten Landschildkröten kommen in tertiären Bildungen vor und wurden durch H. v. Meyer in dem Gypse von Aix, in den Schichten von Weisenau bei Mainz, in der Molasse der Schweiz”) und durch Marcel de Serres bei Montpellier “”) nachgewiesen.

Eine riesenhafte Schildkröte aus den tertiären Schichten der Siwalikberge im nördlichen Indien bezeichnen Cautley und Fal- coner als

*) 1. Br. Jahrb. 1843. p. 392 und 69. **)1L. Br. Jahrb. 1841. p. 735.

SCHILDKRÖTEN. 67

+ 2. G. Colossochelys (20400005, Kolofs; y&ivc, eine Schildkröte),

und betrachten dieselbe als Untergattung von Testudo *), womit’ sie durch die Wölbung des, Schildes und die Beschaffenheit ihrer ko- lossalen Bewegungsorgane übereinstimmt.

€. Atlas C.u. F., soll die Länge von 18° und aufrechtstehend die Höhe von 7’ engl. erreicht haben.

Das ganze Schild mochte bei ihr 12° lang und breit gewesen sein. Am vorderen Ende verengt es sich zu nur 8‘ Breite, erhält bei ausgewachsenen Individuen hier die Dicke von 63, ist an dem vorderen Ende zweispaltig und auf der unteren Seite mit einem dicken keilförmigen Kiele unterstützt. Nach Vergleichen mit. der lebenden Testudo Indica war der Kopf gegen lang.

Als # 3. G. Testudinites Sellowii beschreibt. ‚Weils "*) den Panzer einer Schildkröte aus dem südlichen Brasilien, wo der- selbe mit den unter. Glyptodon beschriebenen Edentaten-Panzern zusammen vorkam,

4. G. Emys Schweig. Süfswasserschildkröte.

Rückenschild ziemlich flach und mit dem Brustschilde durch Knorpel verbunden. Längs des Rückens liegen 5 Schuppen, welche aber nicht bis zu dem Vorderrande gehen. Zwischen ihnen und den 12 paarigen Randschuppen liegen 4 paarige Seitenschuppen. Au- fserdem ist am Vorderrande, am Ende der Rückenlinie, gewöhn- lich noch eine kleine unpaarige Kandschuppe vorhanden, welche indessen selbst bei einer und derselben Art öfters fehlt oder noch von einer zweiten begleitet wird. Kopf und Rumpf sind nicht ganz unter das Schild zurückziehbar. Vorderfüfse mit 5, Hinter- füfse mit 4 Zehen, welche, wie die aller Süfswasserschildkröten, beweglich und mit Schwimmhäuten und Nägeln versehen: sind.

‚Die ältesten Arten von Emys kennt man aus der Waldfor- mation (Wealdenformation) und aus der Kreide “**).

E. Bensteti Mantell, aus der Kreide von Maidstone in: Kent, war der E. Ewropaeas nahe‘ verwandt.

E. Menkei (H. v. Mey. in L. Br. J.; 1841. ıp. 445.) gehört der Waldformation von Schaumburg- ‚Lippe an.

*) Lond. Ed. Dubl. phil. Mag. Vol. 25. p. 532. **) Abhandl. der Berliner Akademie 1827 u. 1828. tb. 4. f. 1, 2. *+*) Jahrb. 1841. p. 729, 857.

5:

68 REPTILIEN.

Die Existenz dieser Gattung in tertiären Schichten ist durch H. v. Meyer von Weisenau bei Mainz und in dem Molassesandstein der Schweiz *), durch Owen bei Sheppey und durch Marcel de Serres **) bei Montpellier dargethan worden. Aus den Torfgebilden von Enk- heim und Dürrheim beschreibt v. Meyer “**) eine Art, welche mit Bos primigenius und mit Knochen noch lebender Thiere zusammen dort häufig gefunden wird, womit vielleicht auch die von Nilfson in Schoo- nen gefundenen Schildkröten 7) übereinstimmen.

Auch andere der noch lebenden Gattungen von Sülswasser- schildkröten waren in der Vorzeit vertreten.

5. G. Clemmys Wagl.

glaubt H. v. Meyer in den Tertiärgebilden von Weisenau bei Mainz und bei Wiesbaden erkannt zu haben fr);

6. G. Chelydra Schweig. Alligator-Schildkröte (z&öivs, Schildkröte; ödeon, Wasserschlange),

wegen des langen, mit Hornstücken bedeckten Schwanzes, wurde durch denselben Forscher in dem Schiefer von Oeningen 17) auf- gefunden, und

7..G. Triony® Geofl. Weich-Schildkröte (zo:, drei; ovv&, Klaue),

so genannt wegen des weichen Schildes und ihrer nur die drei Innenzehen bedeckenden Klauen, ist von mehreren Orten bekannt. T. Parisiensis Cuv., aus dem Gypse des Montmarire, und meh- rere andere tertiäre Arten aus Frankreich wurden schon von Cuvier beschrieben, drei Arten bestimmte Owen aus dem Londonihone von Sheppey tt7+7), und auch in der Molasse des Waadt-Landes u. a. O. der Schweiz deuten eigenthümliche Panzerfragmente ihre Existenz an.

' Mit den letzteren fanden sich Rippenplatten zusammen, welche mit Grübchen bedeckt sind und zugleich, wie die Platten auf an- deren Schildkröten, mit Eindrücken oder Rinnen zur Aufnahme der Schuppengrenzen versehen sind. H. v. Meyer bildet daraus sein

neues Genus

*) Jahrb. 1843. p. 393 u. 1839. p. 4.

**) Jahrb. 1841. p. 737. . *+*) Museum Senckenbergianum. Bd. 2. Hft. 1.

+) Jahrb. 1843. p. 123 u. 391.

++) Jahrb. 1843. p. 391, 586.

t++) Jahrb. 1844. p. 329.

4112) Jahrb. 1842. p. 49.

SCHILDKRÖTEN. 69

+ 8 G. Trachyaspis H. v. Mey. (rouyvs, rauh; donis, runder Schild).

An diese Gattung schliefsen sich noch mehrere ausgestorbene an: + 9.G. Cimochelys Owen (? xeiucı, liegen; x&Avg, Schildkröte), aus der Kreide von Maidstone;

+ 10. G. Eurysternum Miün. (Zvoüs, breit; or£ovov, Brust),

_ mit einer Art, E. Wagleri Mün., aus dem lithographischen Schie- fer von Solenhofen, worüber H. v. Meyer in Münster’s Beitr. z. Petref. Hfi. 1. p. 89 eine genaue Beschreibung gab, und

+ 11. @. Idiochelys H. v. Mey. (idıos, eigenthümlich; yekvg, Schildkröte).

I. Fitzingeri H. v. Mey. Taf. VI. Fig. 15. Nach Münst. Beitr. z. Petr. Hft. 1. tb. 7. f. 1. (3). Aus dem jurassischen Kalk- schiefer von Kelheim an der Donau.

12. G. Chelonia Brong., See-Schildkröte (zeAwrn).

Das schwach gewölbte Schild ist zu klein, um Kopf und Füfse darunter verbergen zu können. Die vorderen Beine sind länger als die hinteren, und die Zehen durch eine Haut zu Ruderfülsen fest verbunden. Mund mit sehr starker, am Rande gezähnter Horn- bedeckung.

Während die Thiere dieser Gattung, zu der auch die 7’ lange Riesenschildkröte gehört, jetzt nur noch die wärmeren südlicheren Meere bewohnen, so hatten sie in früheren Epochen unserer Erde auch eine viel nördlichere Verbreitung. Wie wir fast überall die Meeresthiere sich früher entwickeln sehen als die der süfsen Ge- wässer oder die des Landes, so waren auch die Meerschildkröten die älteren. |

Cuvier führt Reste von ihnen aus dem Muschelkalke von Luneville auf, Münster aus dem Lias von Bristol und Altdorf bei Nürnberg, Man- tell aus dem Hastingssande (Waldform.) von Tilgate, v. Meyer aus. dem Jura-Schiefer von Solenhofen, aus dem Kreide-Schiefer von Glaris, der Kreide von Mastricht (Palaeol. p. 103), Owen bestimmte drei Arten aus dem Londonthone von’ Sheppey, v. Meyer mehrere aus der Molasse der Schweiz (Jahrb. 1839. p. 6.), und Fischer wiels diese‘ Gattung im verhärteten Thone Sibiriens nach.

*) Jahrb. 1843. p. 69.

70 REPTILIEN.

2. Ordn. Sauria. Saurier.

Der Körper der Saurier ist lang gestreckt, entweder mit Schildern oder mit Schuppen, welche nie emaillirt sind, ausnahms- weise wohl auch nur mit Haut (Pleurosaurus) bedeckt. Sie ha- ben meistens 4 Beine. \

In dieser Gattung treten zahlreiche Formen auf, welche nicht allein als Uebergänge von den Saurien zu den drei anderen Ord- nungen der Reptilien zu betrachten sind, sondern auch auf die Klassen der Säugethiere, der Vögel und der Fische hinführen.

Um so schwieriger und gewagter muls daher auch eine Sy- stematik der fossilen Saurier sein, zumal manche ihrer Gattungen zur Zeit nur nach einzelnen Zähnen bekannt sind. Seitdem H. v. Meyer’s Palaeologica zur Geschichte der Erde und ihrer Geschöpfe, 1832 erschienen u. p. 201 desselben Werkes von diesem Gelehr- ten ein System der fossilen Saurier nach der Entwickelung ihrer Bewegungsorgane gegeben worden war, ist die Wissenschaft mit einem so grolsen Schatze- von neueren Entdeckungen bereichert worden, dafs das gesammte Material eine neue Anordnung bedurfte.

Bronn’s Eintheilung *) in Wasserbewohner und Land- bewohner, von denen die ersteren in Zehenfüflser und Flos- senfüfser, die letzteren in Zehenfülser und Flederfüfser zerfallen, ist auf die ganze Organisation, die natürlichen Verwandt- schaften und die wahrscheinliche Lebensweise dieser Thiere ge- gründet: Eine neue Klassilication der gesammien Reptilien wurde im L. Br. Jahrb. 1838. p. 362 von Fitzinger gegeben.

Owen nimmt 8 Ordnungen der Reptilien an, welche folgende sind: Dinosaurier, Enaliosaurier, Krokodilier, Lacertier, Pierosau-

Was von den Besten geschaffen wurde, ist in den nachste- henden Blättern zusammengestellt oder wenigstens angedeutet wor- den, wobei die verschiedenen Gattungen in die nachstehenden 5 Ordnungen vertheilt worden sind:

A. Pterosaurier, welche in der Luft und auf dem Lande lebten ; |

B. Lacertier, welche vorzugsweise das Land bewohnten;

C. Krokodilier, welche vorzugsweise im Wasser sich auf- hielten; |

*) Lethaea, 1837. p. 498 u. a. a. OÖ. **) L. Br. J. 1844. p. 114.

| SAURIER. | 71 D. Enaliosaurier, welche ausschliefslich dem Meere ange- hörten; ah E. Labyrinthodonten, als Anhang.

In den Pterosaurien und Lacertiern erkennt man das Empor- streben der Saurier nach den höheren Klassen des Thierreiches, die Krokodilier sind recht eigentliche Saurier, die Enaliosaurier repräsentiren gewissermalsen in der Ordnung der Saurier die Klasse der Fische, und die Labyrinthodonten scheinen die Saurier, Ba- trachier und Fische zu verbinden, lebten jedoch, wie es scheint, auch vorzugsweise auf dem Lande.

Ueber die. riesenhafte Gröfse einiger dieser Thiere geben die vielfach aufgefundenen Ueberreste von ihren Skeletten ge- nügenden Aufschluls. Fischer v. Waldheim beschrieb in seiner Oryciographie du Gouv. de Moscow einen Saurierzahn von den Ufern der Oca, dessen Krone 9%’ lang und an der Basis 4” breit ist, und ähnliche Zähne, von Länge und 14“ Durchmesser, wurden von Koch im vorigen Jahre bei Gay-Head, auf der Insel Marthas Wingard, in der Nähe von Bedford entdeckt. (Briefl. Mitth.)

Die ältesten Saurier kommen im Kupferschiefer vor (s. Rep- tilien p. 69.)

Die fossilen Saurierknochen aus dem Muschelkalke von Jena be- stehen nach Prof. E. Schmid aus:

6,55 schwefelsaurer Kalkerde,

10,68 kohlensaurer Kalkerde,

0,53 kohlensaurer Talkerde,

65,03 phosphorsaurer Kalkerde,

10,60 Fluorcalcium,

3,11 phosphorsaurer Thonerde. 1,85 phosphorsaurem Eisenoxyd,

98,35 nebst Spuren von Chlornatrium und organischer Materie.

A. Pierosaurier. Flieg- Echsen.

.. Saurier mit Flughaut. Sie lebten in der Luft und auf dem Lande. Einzige Gattung:

T Pierodaetylus Cuv. Ornithocephalus Sömmering. Flieg- Echse (areoöv, Flügel; daxrvAog, Finger). Taf. VI. Fig. 1. -Pt. crassirostris Goldf. aus dem litho- graphischen Schiefer von Pappenheim (3). Diese merkwürdigen Thiere füllen die Lücke aus, welche in der jetzigen Schöpfung die Vögel von den Reptilien trennt... Die

72 REPTILIEN.

Umrisse ihres Kopfes, die geräumige Brust, die langen Flügel und die aufrechte Stellung des Ganzen verkünden den Vogel, womit sich indessen die spitzen Zähne der Kiefern und die Krallen der Zehen in keinem Falle vereinigen lassen, und in einer ebenso lehr- reichen als anziehenden Abhandlung sagt Goldfufs *): ‚Bei diesen sonderbaren Thieren erkennt man die Bahn, die die Natur ver- folgte, als sie bei dem Fortschreiten ihrer animalischen Bildungen vom Reptile zum Vogel und zum Säugelhiere hinaufsirebte. Die wenigen wesentlichen Organe, die der Bewegung, erlitten die gröfste Umwandlung, indem sie theils denen des Vogels, theils denen der Fledermaus ‘ähnlich wurden, dabei aber alle Knochen des Reptils der Zahl nach beibehielten und immer noch ' deren Grundtypus durchblicken liefsen.. ‘Der Schädel, im Schwanken zwischen der Form des Monitor und des Krocodils, versteckt seine Reptiliennatur unter den äufseren Formen des Vogels, konute sich jedoch der Zähne nicht entäufsern, da diese zur Lebensunterhaltung dieser Geschöpfe unentbehrlich waren.

Nur wenige. Verschmelzungen gesonderter Knochen und Schwindungen verschiedener Fortsätze sind indefs zur wirklichen Umwandlung in den Vogelschädel noch nöthig. Die hervortretende und bei verschiedenen Arten abweichende Länge des Halses ist abermals eine Abweichung von der den Reptilien eigenthümlichen Form und deutet auf ein Hinneigen zur Vogelbildung, ohne jedoch, bei veränderlicher Länge, die Zahl der Wirbel zu verändern. Der Grundtypus des Krokodils ist in allen wesentlichen Theilen der Wirbel noch zu erkennen. Der Körper bedurfte eines erweiter- ten Brustkastens und einer starken Befestigung der Vorderglieder. Daher ist das schildförmige Brustbein im Uebergange von den Vögeln zu den Reptilien begriffen.

Vermöge seines Beckens und seiner hinteren Extremitäten konnte das Thier, wie das Eichhörnchen, eine sitzende Stellung ‚einnehmen, während es seine Klauen benutzte, um sich an Fels- abhängen, in Klüften oder an Bäumen änzuklammern und an stei- len Wänden emporzuklettern. Die Zähne dienten dem Thiere, wie es scheint, mehr zum Festhalten als zum Zerkleinern seiner Beute, und diese mochte aus Insekten. und vielleicht auch aus Wasserthieren bestehen, welche es, über. dem: Wasser schwebend, erhaschte.‘*

*) Act. Ac. Cues. Leop. Carl. Nat. Cur. T. XV. P: L, p. 68—112.

SAURIER. 13

.

Am Pt. crassirostris wurde von Goldfuls die interessante Entdeckung gemacht, dafs diese Eidechse, ausnahmsweise von allen anderen Reptilien, mit einem Pelze von Strauflsfedern ähnlichen Haaren bedeckt war.

Die Pterodaciylen gehören nur der Juraformation an. Mit der kleinsten Art beginnend, reihen sie sich, nach H. v. Meyer, folgendermafsen an einander an”):

P. Meyer‘ Münst. in L. Br. Jahrb. 1842. p. 35; H. v. Mey. in Mün. Beitr. Hf. 5. p. 24.

P. brevirostris Sömm., Buckl. Geol. II. tb. 22. f. 0; H. v. Mey. Pal. p. 244. Etwa von der Gröfse des Sperlings.

P. Kochii H. v. Mey. in Münst. Beitr. 5. p. 24.

P. longirostris Cuv., Buckl. Geol. II. tb. 21. nach Cuvier und Goldfuls; H. v. Mey. Pal. p. 243.

P. med«us Mün. in Act. Ac. Leop. XV. 1. p. 5l. tb. 6; H. v. Mey. Pal. p. 247.

P. erassirostris Goldf. in Act. Ac. Leop. XV. 1. p. 68— 112. -ib. 7—10. Hiernach Buckl. Geol. II. Pl. 22; Br. Leth. tb. 26. f. 4. Tau. VE fo. 1,

P. macronyz: Buckl., H. v. Mey. Pal. p. 249; Br. .Leth. p. 541. tb. 27. Fig. 15. Etwa von der Gröfse eines Raben. Aus dem Liasschiefer von Lyme Regis in England und zu Banz und Grötz in Baiern.

.- P. grandis Sömm. Cuv., Goldf. in Act. Ac. Leop. XV. 1. p. 63— 112; H. v. Mey. Pal. p. 251. Mehr als um. die Hälfte grölser als der vorige.

Alle, aufser P. macronyx, stammen aus dem lithographischen Schiefer von Solenhofen, Eichstädt, Kelheim und Monheim.

B. Lacertier. Eidechsen. Echsen.

Saurier, welche unseren lebenden Lacerten oder Eidechsen verwandt und durch ihre deutlich von einander getrennten und be- krallten Zehen (an Vorder- und Hinterfüfsen gewöhnlich 5) vor- zugsweise zum Leben auf dem Lande bestimmt waren. Mehrere ihrer fossilen Gattungen, wie Iguanodon und Megalosaurus, bie- ten durch ihre Zähne und eine’ weite Markhöhle in ihren Glied- mafsenknochen einige Aehnlichkeit mit schweren Landsäugethieren dar. Ihr Kopf ist im Allgemeinen weniger verlängert als bei den Krokodiliern, und die Nasenlöcher liegen am Ende der abgerun-

*) Münst. Beitr. Hft. 5. p. 24.

74 REPTILIEN.

deten Schnauze. Die Augen sind mit einem gegliederten Knochen- ringe versehen, die Zähne nicht in Höhlungen eingekeilt, sondern sind mit ihrer Basis fest auf den Kiefern oder auf dem inneren Rande derselben angewachsen. Ihr Leib ist mit Schuppen bedeckt.

In diese Gruppe gehören, nach Owen, r Thecodon (T’'hecodon- tosaurus) und T Palaeosaurus aus dem conglomeratischen Zechstein- Dolomit von Bristol, und + Cladeiodon aus dem bunten Sandsteine von Warwickshire, als die ältesten Lacertier Englands, . welche von den lebenden Lacerten durch die Einfügung der Zähne in getrennte Höhlungen abweichen, aber doch die Form und Structur ihrer Zähne besitzen *).

1. G. Lacerta L. Eidechse.

Von wirklichen Lacertien hat H. v. Mey. über 400 Wirbel und mehrere Knochen aus den tertiären Bildungen von Weisenau unter- sucht. (L. Br. J. 1843. p. 595.)

Als Lacerta neptunia beschreibt Goldfufs (Nov. Act. Leop. c. N. C. XV. P. 1. p. 115. tb. 14. f. 2.) eine Eidechse aus dem lithographischen Schiefer von Monheim. Sie unterscheidet sich von der gemeinen Lacerta agelis L. durch etwas geringere Gröfse, durch eine geringere Anzahl der Rückenwirbel,, durch breitere Rippen und durch weniger, aber gröfsere Zähne (im Oberkiefer 26). Die Länge dieser kleinen Eidechsen, von deren vermuthlich weicher Hautbedeckung sich

nichts mehr vorfand, war 3 5’.

+ 2. G. Raphiosaurus Ow. (gagıov, Nadel; owögog), wurde nach einem Unterkieferfragmente mit 22 pfriemenförmigen Zähnen und einigen Wirbeln und Backenknochen aus der Kreide von Maidstone bestimmt. |

13.G. Proiorosauraus H. v. Mey. (nowrzog, erster; cuöoog).

Er ist der älteste von allen lebenden Reptilien, welche un- seren Erdball bewohnten, und gehört, mit nur wenigen Zeitge- nossen ””), dem Kupferschiefer oder bituminösen Mergelschiefer

*) L. Br. J. 1842. p. 493.

*%*) Murchison und de Verneuil führen in der Uebersicht der fossilen Arten in den Aequivalenten des Permischen Systems (der Zechsteinforma- tion), aufser Protorosaurus Speneri, von Reptilien noch folgende auf: T’he- codontosaurus (Riley u. Stutchbury) antiquus und Palaeosaurus (Ril. u. St.) Cylindricodon und platyodon aus England (Bristol), Rhophalodon (Fischer v. Waldheim) Wangenheimii (L. Br. J. 1841. p. 607. Anm. bei Hylaeo- saurus), Brithopus (Kutorga) priscus, Orthopus (Ktg.) primaevus und Syo- don (Ktg.) biarmicum aus Rufsland.

-SAURIER. 75

von Deutschland an. In diesen Gesteinen wurden Theile dieser seltenen Versteinerung bei Kupfersuhl, Glücksbrunn, Rothenburg a. d. Saale, im Mansfeldischen und bei Richelsdorf in Hessen auf- gefunden, welche insgesammt gestatten, sich ein Bild von dem ganzen Skelette dieser Eidechse zu verschaffen.

Protorosaurus Speneri, wie M. v. Meyer (Pal. p. 109 u. 208; Münst. Beitr. z. Petr. Hft. 5. p. 1—21. tb. 8.) die Art benannte, welche alle bis jetzt bekannten Theile dieser Skelette zu umfassen scheint, erreichte über 33° Länge. Es wurde von ihr 1706 durch Spener eins der vollständigsten Exemplare in dem Kupferschiefer bei Kupfersuhl entdeckt, welches noch immer das einzige ist, an welchem der Kopf noch erhalten blieb. Dieser war etwa 73 Mal länger als ein gewöhnlicher Rückenwirbel, und daher würde sich, nach H. v. Meyer, die Länge des Kopfes zur Länge des Halses ungefähr wie 2:3, und zur Länge des ganzen Thieres ungefähr wie 1:10 verhalten haben.

Auf jedem Kieferarme safsen 11 hakenförmige Zähne, welche wenig über die Mitte der Kieferlänge zurückführten.

Der Hals, welcher in dem von Meyer beschriebenen Exem- plare (in Münst. Beitr. z. Petr. Hft. 5. p. 1—21. tb. 8.) von Richelsdorf am deutlichsten sichtbar ist, ist, wie gewöhnlich, aus 7 Wirbeln zusammengesetzt. Der erste derselben, oder der Atlas, ist sehr klein und besteht aus getrennten Theilen, der zweite ist nicht viel kürzer als der siebente, der dritte so lang als der fünfte oder nicht viel länger als der sechste, und der längste von allen ist der vierte. Die Stachelfortsätze dieser Wirbel sind sehr breit, nehmen aber von dem relativ längsten an, dem zwei- ten, welcher die doppelte Breite des Körpers erreicht, bis zu den Rückenwirbeln allmählich an Breite ab.

Die Anzahl der Rückenwirbel mochte sich, nach einem von Link beschriebenen Exemplare von Kupfersuhl, bis auf 18 belaufen. Ihre durchschnittliche Breite giebt v. Meyer zu an, und sie zeichnen sich durch ihre hohen und breiten Stachelfortsätze aus. Die Rippen, welche sich an diese Wirbel befestigen, und von wel- chen auch Germar (Verstein. d. Mansfelder Kupferschiefers. 1840. fig. 16.) Bruchstücke von Eisleben beschreibt und abbildet, sind lang, im Querschnitte bei ihrem Anfange rhombisch, verflachen sich nach unten und erhalten durch eine Längsrinne ein zwei- theiliges Ansehen.

Der Schwanz scheint nach dem Link’schen Exemplare nicht unter 30 Wirbel gehabt haben zu können. (H. v. M.)

76 REPTILIEN.

Die ‚hinteren Gliedmafsen waren an dieser Eidechse auffallend länger als die vorderen und verhielten sich zu einander ohngefähr wie 3:2.

An den von Zenker *) beschriebenen Exemplaren, welche auf dem Jenaer Museum aufbewahrt werden, erkenut man noch 2 Reihen, theils runder, theils vieleckiger Handwurzelknochen, und dafs der Protorosaurus, wie die lebenden Lacerten, mit 5 Fingern und 5 Zehen begabt war. Der erste Finger, der Daumen, be- stand aus 3, der zweite und dritte aus wenigstens 4, der vierte, nach H. v. M., wahrscheinlich aus 9 und der fünfte aus 3 Gliedern.

Nach Germar beziehen sich wahrscheinlich die Angaben man-

cher älteren Schriftsteller in Bezug auf die Auffindung vorgeb-

licher Affenknochen und Menschenhände auf diese Eidechse. Link bezeichnete das von ihm beschriebene Skelett als Krokodil, mit welchem jedoch der Protorosaurus seiner Bewegungsorgane halber füglich nicht verwechselt werden kann; Swedenborg hielt 'sein Exemplar, welches 1733 in der Gegend von Glücksbrunn im Mei- ningischen aufgefunden wurde und das jetzt die K. Mineraliensammlung in Wien besitzt, für eine Meerkatze; Cuvier, Zenker und Germar stellten diese Eidechse zu der lebenden Gattung Monitor (Gaea v. Sachsen, p. 93), bis endlich H. v. Meyer ihre Eigenthümlich- keiten nachwies.

74. G. Rhynchosaurus Owen (svyxos, Schnabel; o«@voog).

Knochen und Fährten des R. articeps Owen charakterisiren den oberen neu-rothen Sandstein zu Grinsill bei Schrewsbury **).

Der Schädel ist sehr schmal, vierseitig' pyramidal, seitlich zusam- mengedrückt, und sinkt mit seiner oberen Fläche in einem Bogen ge- gen die Spitze des Maules herab. Die Schläfengruben und Augenhöhlen sind weit, die Kinnladen kurz, zusammengedrückt und abwärts gekrümmt, welche Charaktere, neben anderen, am mehrsten ‚auf die Bildung der Eidechsen hindeuten, wiewohl das. allgemeinere Ansehen des Schädels, so wie auch der scheinbare Mangel der Zähne, mehr noch mit dem Schädel der Schildkröten und Vögel übereinstimmt. Die beiden Endflächen des Wirbelkörpers sind stark vertieft.

Die Fufsspuren, welche mit diesen Knochen zusammen gefunden werden, zeigen aber die Krallen bestimmter, eine undeutliche Spann-

*%) Zenker, de primis anımalium vertebr. et pot. amphib. in terrae strat. vestigis, 1836. | **) L. Br. J. 1842. p. 493 u. 1844. p. 114.

SAURIER. 717

haut und eine kleinere innere Zehe, welche in einiger Entfernung hinter den 3? oder 4? Vorderzehen steht. (L. Br. J. a. a. 0.)

+5.G. Geosaurus Cuv. Erd-Echse. Halilimnosaurus Ritgen. (7, Erde; owvgos).

G. Soemmeringii Dekay. Lacerta gigantes Sömm. H. v. Mey. Pal.. p. 105 u. 206. Br. Leth. p. 533. Tf. 26. F. 10.

Schädel mit kurzer Schnauze, ähnlich dem Monitor, mit grofsen Augenhöhlen und gegliedertem Knochenringe in den Augen. Die Zähne sind flach, spitz, eiwas gebogen, an beiden scharfen Seiten fein ge- zähnelt und an ihrer Basis mit einer Verdickung fest auf dem Kiefer aufgewachsen. Jederseits stehen im Oberkiefer deren 17—18. Die hintere Gelenkfläche der Wirbel ist concav und die Querfortsätze sind grols. Fülse und. Bedeckung sind unbekannt. Diese Eidechse. wurde nur 12° 13‘ grofs und kommt im Schiefer von Solenhofen vor.

t 6. G. Pleurosaurus H. v. Mey. (rAevo&, Rippe; o«doog).

P. Goldfusii H. v. Mey. (Pal. p. 105 u. 205; in Münst. Beitr. z. Petr. Hft. 1. p. 71. ib. 6.) aus dem, dem lithographischen Schie- fer von Solenhofen verwandten Kalkschiefer von Dailing, ist die ein- zige bekannte, nicht viel über einen Fuls lange Art. Das Skelelt, welchem leider Kopf, Hals, Vorderglieder und Brust fehlen, zeigt bei einer grofsen Anzahl von Rippen unverkennbar, dafs von den Bauchrippen 2 hinter‘ emander liegende auf einen Wirbel kommen. Die Rippen sind ziemlich stark und lang. Meyer fand den Rippen- apparat,, womit ‘der. Bauch dieses Sauriers umschlossen war, mehr complicirt als in’ allen anderen bisher von ihm verglichenen Thieren, und schliefst aus demselben auf eine starke Lungenthätigkeit des Thie- res, welches wahrscheinlich mit einer weichen, für Farbenwechsel geeigneten Haut, wie am Chamäleon, bedeckt war. Die vordere und hintere Gelenkfläche der Wirbelkörper war nicht: convex. _ Ober- und Unterschenkel verhalten sich zu einander wie 3:2. Der wohl er- haltene linke Hinterfuls liefs 4 Zehen mit Nagelgliedern erkennen.

7.G. Racheosaurus H. v. Mey. (gayıs, Rückgrat, oavong).

R. gracilis H. v. M. (Pal. p.. 105, 204. Br. Leth. p. 535.), aus dem lithographischen Schiefer von Solenhofen, ist die einzige Art, welche die Länge von 5%’ erreichen mochte. Kopf, Hals, Brust und die Vorderglieder unbekannt. Von den Wirbeln gehören 15 zu dem Rücken, eine viel grölsere Anzahl zu dem Schwanze. Ihre Körper sind doppelt so lang als in Aeolodon, in der Mitte etwas verdünnt, am hinteren Ende concay und, nach Bronn, mit einer schiefen Ge-

78 REPTILIEN.

lenkfläche an beiden Enden versehen. Die Dornfortsätze der Wirbel breiten sich so aus, dafs sie am Rücken sich fast berühren, und neigen sich stark nach hinten. Vor den Dornfortsätzen der Schwanzwirbel erhebt sich ein kleiner Dornfortsatz, welcher spitz und dünn, wie ein wirklicher Dorn, gebildet ist. Achnliches kommt nur bei Fischen vor. Die Länge des Unterschenkels beträgt weniger als ein Drittel von der des Ober- schenkels. Hinterfüfse vierzehig mit dem Rudimente einer fünften Zehe; die Hautbedeckung scheint aus sehr dünnen und leichten Schuppen be- standen zu haben.

+7 8. G. Pholidosaurus H. v. Mey. (goAis, Schuppe von Schlangen und Eidechsen).

P. Schaumburgensis nennt H. v. Meyer (L. Br. J. 1841. p. 443.) das Wirbel-, Rippen- und Schuppengerüste eines eigenthümlichen Sau- riers aus dem Sandsteine der Wealdenformation zwischen Bückeburg und Eilsen im Fürstenthum Schaumburg-Lippe. Er unterschied an diesem Skeleite, welches früher für eine Trionyz gehalten wurde, drei Arten von Schuppenknochen, welche für das Thier sehr bezeichnend sind: Rücken-, Seiten- und Bauchschuppenknochen.

7 9. G. Mosasaurus Conybeare.. Maas-Echse.

Ein riesenhaftes Geschlecht von Sauriern, welches die frühe- ren Meere während der Bildung der Kreide bewohnte. In der Aehnlichkeit seines Kopfes steht das Thier, nach v. Meyer, zwi- schen Monitor und Iguana. Seine Zähne (Taf. VI. Fig. 13.), wel- che auch mit auf den Zwischenkiefern stehen, waren nur Anfangs hohl und füllten sich während ihres Wachsihums aus. Ihre Krone ist rückwärts gebogen, fast halbkegelförmig, und die äulsere, obere Seite derselben besitzt 2 scharfe Kanten. An der Basis ist. sie mit einem Zahnknochen oder Sockel innig verbunden, mit wel- chem der Zahn in gesonderten Höhlen befestigt ist. Der Ersatz- zahn steht daneben in einer gesonderten Höhle und dringt in den knochigen Körper, welcher den Zahn trägt, bald quer, bald von der Seite ein*).

Auf jeder Seite des Unierkiefers sitzen 14 Zähne, auf dem Flügelknochen, wie es scheint, . An den Wirbeln, deren Ge- sammtzahl auf 133 berechnet worden ist, ist die hintere Gelenk-

*) Einige Zähne aus der Kreide von Norfolk, welche denen von Mo- sasaurus ähnlich, aber von ihnen durch die elliptische Basis der Zahn- krone verschieden sind, gaben, nach Bronn (L. Br. J. 1842. P- 492.), zu der Errichtung der Gattung Leiodon Ow. Veranlassung.

SAURIER. 79

fläche convex und nur die vordere concav, wie bei dem Krokodil. Die letzten Schwanzwirbel besitzen gar. keine Fortsätze, und schon in. der Mitte des Rückens fehlen die Gelenkfortsätze, welchen Charakter der Mosasaurus mit dem Delphine gemein hat. Hände und Füfse scheinen flossenarlig, etwa wie die der Pleurosauren, gewesen zu sein. (H. v. Mey., Pal. p. 219.)

M.: Hofmann« Mantell. Taf. VI. Fig. 13. Nach L. Br. Leth. tb. 34. £ 5. d.— Parkinson, Organic Remains, Vol. 3. Pl. 19. f. ı. Mant. Geol. of Suss. Pl. 20.

Das ganze Thier hat, nach Bronn, ‘über 24° Länge erreicht; sein Kopf allein mafs 9”; der Rumpf mit en Schwanze 20’ 6” und der Schwanz allein über 10°.

In der Kreide des Petersberges und zu Seichen bei Mastricht, so wie auch zu Lewes in Sussex.

+ 10. 6. Iguanodon Mantell (Iguana, Leguan; ödwrv, Zahn).

Riesenhafte Eidechsen, deren Zähne am mehrsten an die der in warmen Gegenden Amerikas lebenden Leguane erinnern, aber den Charakter der Pflanzenfresser so auffallend an sich tragen, dafs selbst Cuvier sie erst für Rhinoceroszähne halten konnte. Sie wachsen nicht, wie die Krokodilzähne, aus abgesonderten Höhlen hervor, sondern längs der inneren Seite des Zahnbeines, an dem sie mit einer Seite der Knochensubstanz ihrer Wurzel befestigt sind, und wurden später durch neue, seitlich hervortretende Zähne ver- drängt *). Ihre Form ist spatelförmig, der Stiel des Spatels kantig, oben etwas eingebogen und sich dann in den breiten, oben stumpf zugespitzten Spatel ausbreitend. Dieser breite Theil ist aufsen ge- wölbt, innen flach und mit zwei stumpfen gröfseren und zwei da- mit abwachsenden kleineren Längskanten, vorn und hinten aber mit scharfem sägeförmigem Rande versehen. Durch Abnutzung die- ser Zähne bei dem Kauen bildet sich oben eine ebene Kaufläche, während die Zähne anderer Saurier sich entweder gar nicht ab- nutzen oder dabei immer zugeschärft erhalten **).

Die Knochen, welche man von diesem Thiere kennt, sind kolossal.: Das Bruchstück eines Schenkelknochens, welcher viel sröfser war als der des grölsten Elephanten, mifst an der schmal- sten Stelle 22” im Umfange und mochte 4—5’ lang gewesen sein. Nach H. v. Meyer (Pal. p. 212.) ist ein Mittelhandknochen zwei-

*) Buckland’s Geologie von Agassiz, p. 265. **) Bronn’s Leth. p. 761.

s0 REPTILIEN.

mal so breit als im Elephanten, lang und wiegt 6 Pfund. Aufserdem, schreibt man dieser Eidechse ein Horn zu, welches wie ein kleineres Horn des Rhinoceros, diesem Thiere aufsafs.

Nach einer sorgfältigen Vergleichung dieser und anderer Kno- chen des Iguanodon mit denen der 5’ grofsen Iguana schlielst Mantell, dafs dieses Ungeheuer etwa die Länge von 70‘ engl. (von der Schnauze bis an das Schwanzende) erreicht haben mochte, dals der Schwanz 523° lang gewesen sei und der Umfang des Körpers 143° betragen habe. Seine Zehen waren mit platten Nägeln bedeckt “). '

I. Anglicum Holl, Peirefactenkunde, p. 84. I. Mantel H. y.-Mey. Pal.,p. 110. Buckl. Geol. Pl. 21, =JiBrs:Leihirp:r 1763. tb. 34. f. 6.

Zähne ,„ Wirbel, Schenkelbeine und andere Knochen kennt man aus dem Hastings-Sandsteine und aus anderen Schichten der Wealden- formation des südöstlichen Englands.

11. G. Iguana Daud. Leguan.

I. (?) Haueri H. v. M. in Münst. Beitr. Hft. 5. p. 33. tb. 6. f. 12.

Einige Zähne mit gekerbtem Seitenrande, welche grofse Aehn- lichkeit mit dem Keim-“ oder Ersatzzahne der Leguane haben, besitzt Hr. Geheimerath v. Hauer aus dem Tertiärgebilde des Wiener Beckens von Nufsdorf. |

+ 12. G. Hylaeosaurus Mantel. Wald-Echse (öAn, Wald; owvoog, ‚Eideehse).

Diese Eidechse, welche 1852 in der Wealdenformation von Tilgate Forest in Sussex entdeckt wurde, mochte ohngefähr 25 lang gewesen sein. Mit fast biconcaven Wirbeln, den Hautschilden der Krokodile und den Schulterblattbogen der Plesiosauren, näherte sie ein ungeheuerer Rückenkamm, ähnlich den hornigen Dornen auf dem Rücken der Leguane, den letzteren. Die Knochen, welche jenem Kamme zur Unterstützung dienten, sind zusammengedrückt, bilden ein langes, fast gleichschenkeliges Dreieck, wechseln von 5—17' Länge und von 3—7” Breite an der Basis. (Br. Leth. p- 765. tb. 34. f. 7. Buckl. Geol. v. Ag. p. 261. Owen in L. Br. J. 1842. p. 495.)

Mit diesen Resten zusammen kommen in der Wealdenformation eigenthümliche Zähne vor, welche man früher Jäger's Phytosaurus

*) Owen im L. Br. J. 1842. p. 49.

SAURIER. 81

cylindricodon und neuerlich Fischers Rhopalodon *) zuschrieb, und welche, wenn nicht zu Hylaeosaurus, so doch zu einem anderen erloschenen Lacerten-Genus gehören. (L. Br. J. 1842. p. 493.)

+ 13. G. Megalosaurus Buckl. Riesen-Eidechse. (utyag, grols; owvoog, Eidechse.)

Schon aus dem Namen geht hervor, dafs Megalosaurus eine Eidechse von riesiger Gröfse war. Wurde sie darin zwar von Igua- nodon noch übertroffen, so ergiebt sich doch aus der Vergleich- ung der Gröfse und der Proportionen der ihr angehörigen Knochen mit dem Skelette lebender Eidechsen, dafs sie die Länge von 40 50’ erreicht habe. Nach Buckland (Geol. v. Ag. p. 255.) messen die Schenkelknochen und das Schienbein beide an 3’, so dafs das ganze Hinterbein beinahe Länge erreichen mufste, und die Länge des Mittelfufsknochen 13“ ist. Daraus, dafs die Knochen des Oberschenkels und Schienbeines Markhöhlen, wie die Knochen der Landsäugethiere, haben und nicht in der Mitte dicht sind, wie diefs bei Krokodilen und anderen Wasservierfülsern der Fall ist, schlielst man mit Recht, dafs die Megalosauren hauptsächlich auf dem Lande lebten.

Ein Unterkieferfragment mit vielen Zähnen, von welchen Taf. VI. Fig. 14. einen darstellt, läfst erkennen, dafs der Kopf sich in eine gerade und schmale, seitlich zusammengedrückte Schnauze endigte. Die Zähne aber zeigen unverkennbar, dafs diese Rie- seneidechse ein Fleischfresser war. Sie sind flach, spitz, nach rückwärts gebogen, zweischneidig, mit fein gezähneltem Rande und erreichen die doppelte Gröfse von der in der Abbildung.

M. Bucklandei Mant. Geol. of Sussex. H. v. Mey. Pal. p. 110 ur 210 Br. Veth!! pH.’ 380.6. 34.2.1.’ Bückl Geol. v. Ag.‘ p. 254. tb. 23.

In den Oolith-Schiefern von Stoneslield, in der unteren und milt- leren Abtheilung der Wealdenformation Englands, im Kalke von Caen, und Reste von dieser oder einer anderen Art in den Knochenhöhlen von Banwell (Sommersetshire) und Franken, im Oolith der Normandie und im Jura bei Solothurn.

*) Rhopalodon Fischer. Die Zähne stehen entfernt und sind hohl gestielt. Auf dem Stiele sitzt eine keulenförmige und zugespitzte Krone, welche längsgestreift und gefurcht ist. R. Wangenheimi F. wurde in einem Geschiebe in Rufsland gefunden.

Geinitz, Versteinerungskunde, 6

82 REPTILIEN.

©. Krokodilier.

Saurier mit Schwimmhäuten, welche den lebenden Krokodilen verwandt waren und vorzugsweise im Wasser lebten.

Die lebenden Krokodile sind längs des Rückens mit ver- knöcherten, gekielten Schildern gepanzert, und ihr zusammenge- drückter Schwanz ist mit einem Kamme versehen. Der Kopf der Gaviale oder Ganges-Krokodile zeichnet sich durch eine sehr verlängerte, schmale Schnauze aus, ‚während die Schnauze der ei- sentlichen Krokodile, zu welchen das Nil-Krokodil gehört, und die der amerikanischen Krokodile, des Kaimans oder Alli- gators, viel kürzer und stärker is. An dem vorderen Ende der Schnauze liegen die Nasenlöcher. In den Kiefern dieser Saurier stehen viele spitz-kegelförmige Zähne, welche in gesonderten Höh- len eingekeili sind und durch neue, von der Basis des alten Zah- nes emporwachsende, öfters wieder ersetzt werden. Alle haben vier kurze Beine, deren Zehen durch ganze oder halbe Schwimm- häute verbunden sind. Letztere fehlen an den Vorderfüfsen der eigentlichen Krokodile. Nur 3 Zehen sind bekralli *). Die lange schmale Schnauze erlaubt den Gavialen nur, sich von Fischen und anderen weicheren leichter zerstörbaren Thieren zu nähren, wäh- rend die Natur den Krokodilen und Kaimans mit ihrer kürzeren und gedrungeneren Schnauze einen kräftigeren Raub, die Säuge- thiere, zugewiesen hat.

Die dem Gavial ähnlichen Saurier sind daher auch die älte- ren, und in der langen Zeitperiode, während welcher die man- nichfachen Gebilde der Juraformation entstanden, zeigten sie sich in ihrer gröfsten Entwickelung. Erst mit Beginn der Tertiärfor- mation, wo die Säugethiere recht eigentlich ersi beginnen, um immer mehr und mehr unseren Erdball zu beleben, stellien die den eigentlichen Krokodilen und Alligatoren näherstehenden Formen sich ein, welche denn auch in der jetzigen Schöpfung die Oberhand unter allen Eidechsen behielten.

Die neuesten gründlichsten Abhandlungen iiber diese Gruppe verdanken wir Bronn und Kaup “*), welchen ich die folgenden Schilderungen der einzelnen Gattungen entnahm.

Kaup theilt die Ordnung der Krokodile nach dem Wirbelkörper in 3 Hauptabtheilungen: |

*) Leunis, Synopsis der drei Naturreiche, 1844. p. 131. **+) Abhandlungen über die gavialartigen Reptilien der Liasformation von Dr. H. Bronn u. Dr. J. J. Kaup, Stuttgart 1841.

SAURIER. 83

A. mit convex-concayen Wirbeln, ähnlich denen der Säugethiere: Steneosaurus Geoflr.;

B. mit concav-convexen Wirbeln, ähnlich denen der Vögel: Cro- codilus mit seinen Untergattungen Crocodilus, Alligator, Gavialis ;

C. mit biconcaven ueiscahs ähnlich denen der Fische und Ich- thyosaurier ;

a) mit seitlichen Augen: Teleosaurus, Pelagosaurus, Aeolodon ;

b) mit nach oben gerichteten Augen: Mystriosaurus, Engyommasaurus. In eine von ‘den beiden letzten Abtheilungen ist, nach Kaup,

Metriorhynchus und Macrospondylus zu stellen.

1. G. Crocodilus Cuv. Krokodil.

Der Kopf eines Krokodils wurde 1851 von Spencer im Lon- donthone auf der Insel Sheppey gefunden. Buckland, welcher den- selben in seiner Geology Pl. 25. f. 1. abbildet, nennt diese hier und da im Londonthone Englands vorkommende Art:

C. Spenceri. Schnauze breit, kurz und stark.

Aus den tertiären Schichten von Weisenau unterschied H. v. Meyer (L. Br. J. 1843. p. 393.) nach Zähnen und Schädelknochen:

C. Bruchii H. v. M., war ohngefähr halb so grols als das ge- wöhnliche Krokodil;

C. Rathii H. v. M., erreichte etwa die halbe Grölse des vorigen;

€. medeus H. v. M., stand in seiner Grölse zwischen diesen beiden Arten und

C. Brauniorum H. v. M., war nur halb so grofs als C. Rathii.

Krokodile wurden ferner auch im plastischen Thone von Auteuil, im Kalke von Meudon, im Gypse von Montmartre, in der Braunkohle der Provence, in tertiären Bildungen von Montpellier, in den Siwalik- Bergen u. a. a. OÖ. gefunden. | |

Die aus diluvialen Schichten bekannten sind den lebenden Kro- kodilen am, ähnlichsten *). |

C. plenidens, aus dem Molasse-Sandstein der Schweiz, erhob H. v. Meyer zur Gattung Plerodon und nannte die Art FR. crocodiloi- des. (L. Br. J. 1839. p. 4.)

t.2. G. Macrospondylus H. v. Mey. (uazxoög, grols;

onövövlog, Wirbel.)

Als Crocodilus Bollensis hatte Jäger **) das Skelett eines Sauriers aus dem Liasschiefer von Boll in Würtemberg here

*) Buckland, Geol. v. Ag. p: 271; H: v. M. Pal. p. 107, 100; 1 Keferst. I. :p: 257; Br. Leth. p. 822; L. Br. Jahrb. 1843. p./393. ji **+) Ueber fossile Reptilien Würtembergs, Sy 1828. p. 6: tb. ‚8. G*

84 REPTILIEN.

welches vielleicht seit einem Jahrhunderte eine Zierde des Dresdener Naturaliencabinetes ist. ° |

Leider fehlen demselben Kopf und Füfse, und es besteht nur aus 9— 10 Wirbeln, Ober - und Unterschenkeln und einigen losen Zähnen.

Die bedeutende Länge der in ihrer Mitte sehr verengten Wir- belkörper (Taf. VI. Fig. 7, in 3 nat. Gröfse) gab. zu dem Namen M. Bollensis Veranlassung. Ob sie an beiden Enden concav waren, läfst sich kaum deutlich erkennen. Die Unterschenkel scheinen kürzer als die Oberschenkel zu sein. Von den dabei liegenden Zähnen ist es noch zweifelhaft, ob sie zu den übrigen Resten gehören. Der vollkommenste von ihnen ist 2 4 lang und an der abgebrochenen Wurzel 4 breit. Er ist vollkommen gerade und glatt, und hat sei- ner Form nach mehr Aehnlichkeit mit einem Belemniten als mit einem Zahne. Im Uebrigen muls ich auf Kaup, Bronn und v. Meyer’s An- sichten hierüber verweisen *).

Die übrigen fossilen ah welche zu dieser Familie gehören, stimmen mehr mit den Gävialen *”") als mit den eigent- lichen Krokodilen überein. Nach Bronn besitzen sie alle ..den langen Rüssel der Gaviale mit endständigen vorderen, und fast auch am Ende der Gaumenfläche stehenden hinteren Nasenöffnungen ; eine flachere Stirne als die jungen Gaviale;, kleine flach- randige und mehr nach oben gerichtete (nur bei Leptocra- nius und Geoffroy’s Teleosaurus mehr denen der Gaviale ähnliche) Augenhöhlen, ohne Knochenringe in den Augen; gröfsere Schei- tellöcher als die Gaviale, die ganze hintere Scheitelfläche einneh- mend, länger als breit (statt quer); Zähne in getrennte Höhl- ungen eingekeilt, kegelförmig, längsstreiig, die Ersatzzähne in sich aufnehmend; 17 Brust- und Lendenwirbel und lange, mitten stark verengte, biconcave (nur bei Metriorhynchus convex-con- cave) Wirbelkörper, denen sich an den Halswirbeln kurze axt- förmige Rippen anlenken; einen zusammengedrückten Ruderschwanz ; Extremitäten mit anderen Gröfseverhältnissen als bei den lebenden Gavialen, indem die Vorderbeine gegen die Hinterbeine und ge- wöhnlich auch die Unterarme und Unterschenkel mit den Zehen gegen die Oberarme und Oberschenkel schwächer sind; Vorder- füfse mit 9, Hinterfülse mit 4 bekrallien Zehen; eine Bedeckung

*) Gavialart. Rept. p. 1 u. 24; Leth. p. 528; Pal. p. 106 u. 207.

**) Die diese Saurier von den lebenden Gavialen mehr oder weniger unterscheidenden Merkmale sind, nach Bronn’s Vorgange, mit gesperrter Schrift angegeben.

er SAURIER. 35

des Körpers ringsum nur mit grofsen viereckigen und oft po- rösen Schilden, und endlich eine Verhreitung in den Gebilden der Oolithenperiode.‘“ (Bronn, Gavialart. Rept. p. 24.)

Sie zerfallen, nach Bronn, in zwei Gruppen und werden

von ihm p. 26 u. 27 folgendermalsen charakterisirt: a. | 7 3. G. Mystriosaurus Kaup. (uvoroiov, eine Art Löffel;

000009.)

„Am: hinteren Ende der Gaumenfläche findet sich eine eigen- thümliche kurze Anschwellung des (?) Keilbeines, unter welche die hintere Nasenöffnung (das Arterienloch) von hinten eindringt; zu deren Seite kleine spitzeckige Flügelbeine; davor die langen Gaumenbeine, welche die Gaumenlöcher nach hinten weit über- ragen.

Die Augenhöhlen sind klein, sehr nahe beisammen und ganz nach oben gerichtet; die Scheitellöcher mitten, hinten und aufsen nur durch einen schmalen kantenartigen Rand eingefalst. Die rüs- selförmige Schnauze ist mitten schmäler und sein löffelförmiges Ende verkürzt; die Nasenlöcher sind etwas quer und an dem ver- deckten, schief abgestutzten Schnauzenende fast ganz nach vorn gerichtet. Am Unterkiefer ist der Symphysen-Theil beträchtlich länger als der Ast-Theil. Symphysen-Winkel von 35°— 40°, unten abgerundet.

Zähne (mit 2 Kielen) 342°7;#, wovon 2—5 auf dem Un- terkiefer-Aste stehen und darauf bis gegen oder an den Augen- höhlenrand reichen. An den Brustwirbeln ist die Mitie bis auf

3 verengt. Rabenschnabelbein in der Mitte stark verengt. Die

vorderen Beine haben $ von der Länge der hinteren.‘“ (Bronn, a. a. O0. p. 26.) Die Hinterzehen nehmen von der innersten nach der äufsersten an Länge zu. Die Panzerbildung besteht am Rumpfe aus 10 Längenreihen von Schilden, welche beträchtlich kürzer sind als die Wirbel. (Bronn, im Jahrb. 1844. p. 871.)

M. Laurillarde Kaup, Gavialart. Rept. p. 2. tf. 1. f. 1—6. . 2. & 12 Bronn db. p. 3. Crocodilus eylindrirostris und C. Altorfinus Holl. Petref. p. 85. Streptospondylus Altorfensis H. v. Mey. Pal. p. 106. z. Th.

Diese Art mochte etwa 13° lang gewesen zu sein. Man fand sie im Lias-Kalke von Altdorf bei. Nürnberg.

M. Chapmanni (Teleosaurus Chapmanni) Buckland, Geol. pl, 25. Brom u Raup. 1. 6. 1Pe u 2. sy 27,

86 REPILIEN.

ı Ein fast vollständiges Skelett; von’ 18° sengl: wurde 1824 im Lias- sehiefer' bei Whitby in -Yorkshire entdeckt, im welcher Stadt es noch aufbewahrt wird.

M. Brongniarti (Engyommasaurus Brongniarti) Kaup, Br. Leth. p. 527; Gavialart. Rept. p.: 35.: Aus dem Altdorfer Liaskalke.

1.4. G. Aeolodon H. v. M. Palaeosaurus *) Geoflr. (vıörog, veränderlich; 6d«v, Zahn.)

Bei grolser Aehnlichkeit des Schädels mit dem .der vorigen Gattung stehen, nach Bronn, auf jeder Seite des Kiefers nur 25° 22 Zähne, oben zuerst 2 kleine und ein 1 grofser, unten zuerst 3 grofse, und die anderen sind abwechselnd gröfser und kleiner. Brustwirbel sind 12—15 und Lendenwirbel 4—5 vor- handen; die Länge des Oberschenkels beträgt, nach v. Meyer, etwas mehr als das Doppelte von der, Länge der Unterschenkel- knochen, und, das Becken hat eine ‚sehr eigenthümliche Bildung,

A. priscus (Crocodilus priscus) Sömmering. H. v. M. Pal. p. 105 u. 202. Br. Leth..p. 523. —,.Palaeosaurus Geoffr, Mem. de l’Acad. r. d. sciences de l’Inst.. de France, t. XII. 1833. p. 48.

Einzige Art, lang, 1812 im lithographischen- Schiefer, ‚von Dailing bei Mohnheim in Baiern gefunden.

19.6, Gnathosaurus:H. v. M. .(yv@9og,; Kinnbacken ;; o«ügog).

Unterkiefer sehr lang und vorn nicht verdickt. ‘Die Zähne sind 'pfriemenförmig und etwas zusammengedrückt, im Querdurch- schnitte oval, nach vorn gerichtet und etwas rückwärts gekrümmt, glatt und jederseits 40 an Zahl, von denen die vordersten 8 die srölsten sind und die hinteren allmählich kleiner werden.

G. subulatus H. v. M. im Museum Senkenbergianum, Bd. L (1833.) p. 1. tb. 1. ££ 1, 2. Hiernach Taf. VI. Fig. 3.

Einzige Art, aus dem lithographischen Schiefer von Solenhofen.

1 6. @. Metriorhynchus H. v. M. (wergıos, mälsig; o0yyog, Schnabel.)

Die Schnauze. ist mittelmäfsig. lang und, mehr kegelförmig,

vorn verengt, dann eiwas, erweitert und endlich gegen die Spitze

*) Dieser Name wurde 1837 von Fitzinger für ‚ein in einem Sandstein-

blocke angeblich aus Böhmen gefundenes Reptil, P. Sternbergii,. welches

jetzt in dem Prager Museum ist, und neuerdings von Riley und Stutchbury

für einige im englischen Zechsteine (s. bei Protorosaurus, p. 74. Anm.) vor- kommende Reptilienreste abermals verbraucht. Ä

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wieder verschmälert. Nach Bronn ‘stehen ünten 22 zweischneidige Zähne; die Wirbel sind convex-concav; die Brustwirbel unten zwei- kielig, ihre Querfortsätze an der Basis vierkantig pyramidal und hinter der Fläche für den Rippenkopf mit einer tiefen Grube ver- sehen. M. Geoffroyi H. v. M. Pal. p. 106 u. 227. Br. Leth. p. 519. tb. 26. f. 8. a. b. 7. b. d. Steneosaurus rosiro-minor Geoffroy.

Einzige Art im Lias-Oxford-Thone von Honfleur und im Kim- meridge- Thone von Hävre.

+ 7. G. Leptocranius Bronn. (Aenrög, dünn; zoaviov, Schädel.)

Der sehr verlängerte Schädel läuft unter den Schläfen keil- förmig zusammen. Der Unterkiefer ist vorn löffelförmig, die Augen- höhlen sind grofs und stehen ganz seitlich. Jede Kieferseite trägt 36— 40 kegelförmige Zähne. Einzige Art:

EITE, longirostris Bronn, Leth. p. 517. tb. 26. f. 7. Sirep- tospondylus Altorfenes H. v. M. Pal. p. 106. Steneosaurus rostro- major Geoffr.

Der merkwürdige Oberschädel hat, nach Bronn, Länge und ist, an mehreren Stellen gemessen, doch nur $ so breit als ein Ga- vial-Schädel von 31” Länge; auch verläuft er viel allmähliger in die Schnauze.

“In den Oolithen zu Hävre und Honileur.

b. + 8. @. Pelagosaurus Bronn. (zdiuyss, Meer; owögog.)

Wie bei Mystriosaurus, beobachtete Bronn am hinteren Ende der Gaumenfläche eine Anschwellung des Keilbeines, unter welche die hintere Nasenöffnung (das Arterienloch) von hinten eindringt.

Vorzüglich unterscheidet sich die neue Gattung von Mystrio- saurus durch gröfsere Augenhöhlen, welche weiter aus einander stehen, als ihre Breite beträgt (die sie trennende Fläche verengt sich nach hinten); durch etwas längere, in der Mitte breitere Schnauze, deren löffelförmiges Ende niedergedrückt eiförmig ist und nach oben gerichtete Nasenlöcher trägt; durch den Symphysen- theil, der etwas kürzer als der Asttheil ist, mit‘ einem Symply- senwinkel von 28°; durch 3722 Zähne, von denen die oberen bis an die Augenhöhlen reichen und unten 5 auf dem Kieferaste stehen; durch kürzeren Hals; bis auf 3 in der Mitte verengte Brustwirbel; ein in. der Mitte wenig verengies Rabenschnabelbein, und Vorderheine, die nur halb so lang als die hinteren sind. (Bronn, Gav., R. p. 26.)

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83 REPTILIEN.

Die einzige Art hommt im. Liasschiefer vor.

Bronn nennt dieselbe:

P. typus Br., Gavialart. Rept. p. 8. 28 u. 30. tb. 3. Hier- nach Taf. VI. Fig. 4, restaurirter Schädel in 3 Gröfse und Fig. 4 a. die Gaumengegend, auch restaurirt, in 2 Gröfse.

Das Exemplar von Bronn liefs auf die Länge von schlie- fsen. ‘Ein fast vollständiges Exemplar von 104° Länge beschreibt Dr. Schmidt ”) als Macrospondylus Bollensis H. v. M.

Es wurde im mittleren Liasschiefer zu Holzmaden in Wür- temberg gefunden.

+9. G. Teleosaurus Geoffroy "”). (r&}zog, vollkommen; o«ögog.)

Teleosaurus hat (nach Bronn, a. a. 0. p. 26, 27 u. 36.), abgesehen von dem nicht bekannten Nasenende, einen beträchtlich kürzeren und breiteren Hinterschädel ; gleich lange und breite Schei- tellöcher; kleine, fast runde, vielleicht mehr nach oben gerichtete Augenhöhlen und eine längere, spitzere Schnauze mit schlankeren und zahlreicheren Zähnen als die lebenden Gaviale. Hiervon stehen im Oberkiefer wenigstens 45, welche sich seitwärts nach aufsen kehren. Die Anschwellung des Gaumens an der hinteren Nasen- öffnung ist sehr unbeträchtlich. Der Panzer bestand aus Schilden mit über einander geschobenen Rändern, wodurch fast 3 jeder Schuppe bedeckt wurde. Der Bauchpanzer bestand aus Querreihen von je 6 grofsen, dicken und flachen Schilden; nur die des Schwan- zes waren gekielt.

Die Reste von T. Cadomensis Geoflr. (Br. Leth. ib. 26. f. d.) stammen aus der Juraformation von Caen.

t 10. G. Glaphyrorhynchus H. v.: Mey. (yAdpv, Höhle; { 007x059, Schnabel.) Ä Die einzige Art, G. Aalensis H. v. Mey. (L. Br. J. 1842. p. 303.) aus dem Unter-Oolith von Aalen in Würtemberg, ist ein schmalkieferiger Sau-

*) Ueber den Liasschiefer in Würtemberg von Dr. med. Schmidt in Metzingen bei Urach.

**) Geoffroy Saint-Hilaire stellte in den Memoires de Vacademie royale des sciences de UInstitut de France, T. XH. p. 1—139 die Familie der

Teleosaurier mit den Gattungen Cystosaurus, Steneosaurus, Pa-

laeosaurus und Teleosaurus auf. Wiewohl der gelehrte Naturforscher in diesen 5 Abhandlungen schätzbare Mittheilungen über die lebenden kro- kodilartigen Thiere giebt, so hat sich doch seine Familie der. Teleosau- rier nicht erhalten können, wie diefs vorzüglich H. v. Meyer (Palaeologica) und Bronn (a. a. O.) nachweisen,

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rier, welcher leicht an den ovalen, schräggestellten Zahnhöhlen er- kannt werden kann.

+11. G. Poecilopleuron Deslongchamps. (noıxi).os, mannich- faltig; nAevo&, Rippe.)

B. Bucklandi Desl. (Br. Leth. p. 521.) aus dem zur Jurafor- mation gehörigen Kalke von Caen, ist die einzige Art. Kopf und Hals fehlen. Die Zähne sind kegelförmig, erhaben - gestreift und hohl. Die Wirbelkörper, deren im Schwanze etwa 33 vorhanden. waren, sind an beiden Enden concav. Die Rippen sind dreierlei Art. _Vor- derglieder nur halb so lang als die hinteren, wie es bei Teleosaurus vorkömmt, aber beide zeichnen sich durch beträchtliche Hohlheit ihrer Knochen aus und sind in bekrallte Zehen getheilt, welche kürzer als bei den Krokodilen sind.

Sämmtliche 1836 bei Caen zusammen gefundene Ueberreste zeigen ein Thier. von der Gröfse des Megalosaurus an.

1, 12,0. Plateosaurus H. v. Mey. (zAurüs, breit.)

P. Engelharti H. v. Mey. (L. Br. J. 1839. p. 77; 1841. p. 182.) aus dem oberen Keuper-Sandsteine bei Nürnberg, welcher ungefähr die Grölse des Thaumalosaurus besitzen mochte, unterschied sich von die- sem durch eine beträchtliche Markhöhle und ‚feste Textur seiner Knochen. In diesem Saurier bestand, nach v. Meyer, durch Verschmelzung von wenigstens 3 Wirbeln, ein sogenanntes Heiligenbein, welches man. bis- her nur an Säugethieren gekannt hatte.

+ 13. 6. Thaumatosaurus H. v. Mey. Wunder-Saürus. ($ovue, Wunder.)

T. oolithicus. H. v. Mey. (L. Br. J. 1841. p. 176.) umfalst Knochen- und Kieferfragmente aus den Oolithen von Neuffen in Würtemberg. | Seine Zähne waren schwach gekrümmt, conisch, gestreift, mit langen Wurzeln in Höhlungen befestigt, und deuten ein sehr grolses Thier an *). Die Textur der Wirbel und anderer Knochen ist sehr zellig. |

rt 14. G. Cetiosaurus Owen. (zog, Seeungeheuer; o«@ögog.)

Ein gigantischer Saurier aus der Oolithformation Englands, dessen Wirbel und Extremitäten, welche letztere ohne Markhöhle

*) Der unter Ischyrodon Meriani begriffene Zahn aus dem Rogen-Eisen- steine- des mittl. Jura im Canton Aargau besitzt nach H. y. Meyer (L. Br. J. 1841. p. 183.) viel Aehnlichkeit mit den Zähnen des Thaumatosaurus.

90 i REPTILIEN.

sind, auf ein räuberisches Seethier schliefsen lassen, welches. von Krokodiliern und Plesiosauren gelebt haben mag. Sowohl durch die Grölse, als auch durch die Beschaffenheit seiner Wirbel nähert es sich den Cetaceen, unterscheidet sich aber durch die Conca- vität seiner Gelenkflächen von ihnen. Es dürfte die Länge von 40 erreicht haben. (Lond. Edinb. and Dubl. phil. Mag. 1842. Vol. 20. ?. 329; L. Br. J. 1843. p. 859.

+ 15. 6. Polyptychodon Owen. (noAts, viel; zrvyn, Falte; odwv, Zahn.)

Unter dieser Gattung begreift der englische Anatom mehrere Reste eines wahrscheinlich meerischen Riesenkrokodiliers aus dem unteren Grünsande zu Hythe und einige Zähne aus derselben Bildung von Maidstone.e Die Zähne dieses Sauriers sind kegel- förmig, etwas gekrümmt, und an ihrer Krone laufen zahlreiche ‚dichtstelrende Längsrippen bis nahe zur Spitze empor. (Lond. Ed. Dubl. phil. Mag. 1842. Vol. 20. p. 61; L. Br. J. 1842. p. 620.)

®. Enaliosaurier.

Saurier mit Flossenfüfsen, welche nur die Meere bewohnten.

Vier Flossen- oder Ruderfüfse, welche unbekrallt und äufser- lich nicht in Zehen gesondert sind, deren Zehen aber aus einer oft langen Reihe von allmählig kleiner werdenden Gliedern be- stehen, zeichnen diese Saurier ganz besonders aus. Hierzu kommt noch die Lage der Nasenlöcher oben am Anfange der Schnauze, also ganz nahe den Augenhöhlen, in welchen letzteren ein ge- gliederter Knochenring liegt. Die Wirbel bieten vorn und hinten vertiefte Gelenkflächen dar. |

t1.G. Ickthyosaurus König. Fisch-Echse. Proteosaurus Home. Gryphus Wagler. (iy9vs, Fisch; oaödoog.)

Ichthyosaurier (Taf. V. Fig. 6.) haben die spitze Schnauze und den kurzen Hals der Delphine, die Zähne des Krokodils, un- geheuere Augen mit gegliedertem Knochenringe, wie bei Vögeln, Schildkröten und den eigentlichen Eidechsen, die biconcaven Wir- bel der Hailische, das Brustbein der. Eidechsen, einen ziemlich langen Schwanz und die Pfoten der Üetaceen.

Die Zwischenkieferbeine, welche fast die ganze vordere Hälfte der Schnauze einnehmen, sind in dieser Gattung besonders entwickelt.

Die Zähne sind kegelförmig und an ihrer emailirten Krone (Taf. V. Fig. 6. b.), sowie auch an ihrer Wurzel einfach. längs-

SAURIER. 91

gestreift. Sie sind im viel 'gröfßserer Anzahl (bisweileu an 180) als in’ den 'Krokodilen vorhanden’ und stehen, wie die der Del- phine, inLängsrinnen, wo ihre Stellung durch schwache Erwei- terungen angedeutet wird. Wegen des häufigen Verlustes ‘der Zähne, welcher ‚durch die Gefräfsigkeit der ‚lchihyosauren bedingt war, hat die Natur für, einen hinreichenden Vorrath von Keimen neuer Zähne in beiden Kiefern gesorgt. Die jungen Zähne. ent- stehen an der Basis der. alten, treten in die hohle Krone der letzteren ein ‚und stofsen sie endlich ab. Es. konnte ihre. Er- neuerung noch rascher als bei den Krokodilen erfolgen, da bei letzteren der junge Zahn sich erst in der hohlen Krone des alten bildete.

Die Wirbelsäule ist aus mehr als 100 Wirbeln zusammen- gesetzt, von. welchen wenigstens 5 dem Halse und gegen ‘40 den Rippen zukommen. Der Wirbelkörper hat die Form eines Damen- bretsteines und; nähert; dadurch die Ichthyosauren auffallend den Fischen. Die Höhe derselben übertrifft: ihre Länge 2-. bis mal.

Ihre Ruderfüfse, welche den Ichthyosauren auch nicht das geringste Fortschreiten zu Lande gestatten konnten, zeigen klar, dafs dieselben nur auf das Wasser, und zwar auf das Meer, be- schränkt waren, wo sie in Fischen pad anderen Meerthieren reiche Nahrung vorfanden.

Zur Zeit der Liasbildungen waren sie in ihrer gröfsten Ent- faltung und erreichten oft eine bedeutende Gröfse. ‘Wohlerhaltene Skelette und Reste von ihnen, selbst noch Excremente (Taf. V. Fig. 6. c.), hat man aus dieser Zeit, doch auch aus jüngeren Schichten der Juraformation, vielfach kennen gelernt, und der Reichthum an diesen untergegangenen Geschöpfen lälst der Ver- muthung Raum, dafs sie gesellig beisammen gelebi haben.

Aulser den vielen wissenschaftlichen Beiträgen zur Kenntnifs dieser Geschöpfe, welche wir Conybeare, de la Beche, Cuvier und Owen zu danken haben, ist vorzüglich der Abhandlungen von Jäger .‚de Ichthyosauri sive Proteosauri fossilis specimibus, Stutt- gardiae, 1824, und „über fossile Reptilien Würtembergs, Stutt- gart, 1828, so wie, eines Prachtiwerkes von Hawkins: